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    Würzburg

    Kloster „Himmelspforten“ gehen sonntags die Priester aus

    Hinweis an der Kirchentür von Kloster Himmelspforten: Für den Gottesdienst am Sonntagfrüh hatte man keinen Priester gefunden. Foto: Franz Barthel

    Der Priestermangel, der vor allem auf dem flachen Land spürbar ist, hat inzwischen auch die  Bischofsstadt Würzburg erreicht. In der Kirche des  Karmelitinnenklosters "Himmelspforten" musste der Sonntagsgottesdienst jetzt kurzfristig  von 9 auf 16 Uhr verlegt werden - seit Jahrzehnten zum ersten Mal. Der Grund: Das Kloster hatte keinen Priester für eine Messe am Morgen gefunden. Auch an Mariä Himmelfahrt an diesem Donnerstag wird erst nachmittags die Heilige Messe gefeiert werden.    

    Noch sei es ein nur vorübergehender Engpass in der Urlaubszeit, so Priorin Schwester Johanna. Mit Blick auf das nächste Jahr sei sie aber in Sorge, ob sie noch  genügend Priester für den Sonntagsgottesdienst am Morgen finden werde.  Denn altersbedingt  nehme auch die Zahl der Ruhestandspriester ab. Noch nehmen die Karmelitinnen die erzwungene Verlegung mit Humor, wie der Kommentar einer Schwester zum Sonntagsgottesdienst am Nachmittag um 16 Uhr zeigt. Sie sprach von  "Langschläfer-Messe".

    Hinweis an der Kirchentür von Kloster Himmelspforten: Für den Gottesdienst am Sonntagfrüh hatte man keinen Priester gefunden. Foto: Franz Barthel

    Die derzeit neun Karmel-Schwestern,  die weitgehend im Verborgenen leben,  öffnen an Sonn- und Feiertagen die Kirchentüre für Besucher von außen.  Überfüllt ist der Sonntagsgottesdienst  nie,  am vergangenen Sonntag aber kamen nur fünf Gläubige "von draußen"  - ein Tiefstand in der Statistik.

    Beim Gottesdienst am Nachmittag machte Pater Elias Haas,  Prior des Karmelitenklosters in der Würzburger Sanderstraße,  seinen  Zuhörern Mut  zur "kleinen Herde"  in der Kirche. Den Zeiten "mit vollen Kirchen"  solle man nicht grundsätzlich  nachtrauern. In seiner Kindheit sei am Sonntag zwar die gesamte  Empore und der hintere Kirchenraum von Männern besetzt gewesen. Von denen hätten aber viele das Geschehen vorn am Altar kaum mitverfolgt - und stattdessen Karten gespielt. Wenn die Ministranten mit den Opferkörbchen kamen,  hätten sie die Karten schnell versteckt, "obwohl wir alle wussten,  was da läuft".

    Am strengen Tagesablauf in den  Karmel-Klöstern hat sich über viele Jahrzehnte hinweg wenig verändert. Jetzt sieht es so aus,  als müssten die Schwestern in "Himmelspforten"  langfristig zumindest den Termin des Sonntagsgottesdienstes ändern. Vielleicht eine Chance für gläubige Langschläfer aus der Umgebung?

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