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    Würzburg

    KoKi hilft seit zehn Jahren traumatisierten Kindern

    Die Koordinierende Kinderschutzstelle KoKi feierte zehnjähriges Bestehen (von links): Dagmar Kressmann, Christina Dawidziak-Knorsch, Martina Cappenberg, Tanja Roß, Hülya Düber, Gunther Kunze, Christian Schuchardt, Isabella Gold, Klaus Rostek und Barbara Hofmann-Grande. Foto: Pat Christ

    Nicht alle Eltern können gut für ihre Kinder sorgen, denn sie haben selbst mit großen Belastungen zu kämpfen. Hier hilft die Koordinierende Kinderschutzstelle "KoKi - Netzwerk frühe Kindheit", die vor zehn Jahren in Stadt und Landkreis Würzburg gegründet wurde, heißt es in einer Pressemitteilung des Landratsamtes. Mit einer Fachtagung, zu der alle Netzwerkpartner eingeladen waren, wurde das Jubiläum gefeiert.

    Koordinierende Kinderschutzstellen helfen Alleinerziehenden, psychisch kranken Müttern und Vätern sowie Eltern in materieller Not. "In den vergangenen zehn Jahren haben wir gemeinsam rund 800 Familien erreicht", berichtete Christine Dawidziak-Knorsch, die im Würzburger Landkreis für KoKi verantwortlich ist. In 190 Familien wurden Fachkräfte der Frühen Hilfe eingesetzt, weitere 140 Familien wurden durch Ehrenamtliche entlastet. Außerdem organisierte KoKi zahlreiche Mutter-Kind-Cafés in der Würzburger Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber und mobile Elterncafés.

    Netzwerk unterstützt bei häuslichen Krisen

    Die zehn Jahre umfassende Chronik zeige, dass KoKi eine "segensreiche Einrichtung für Familien in Stadt und Landkreis" sei, erklärte Landrat Eberhard Nuß. Dennoch müssten alle Bürger aufmerksam sein, wenn es um das Wohlergehen von Kindern geht. KoKi soll verhindern, dass sich häusliche Krisen zuspitzen, heißt es in der Mitteilung.

    Um dies zu erreichen, müssen viele Menschen und Organisationen an einem Strang ziehen, betonte auch Würzburgs Oberbürgermeister Christian Schuchardt. KoKi arbeitet zum Beispiel mit Fachstellen wie der Schreibabyberatung oder dem Kinderschutzbund zusammen, auch Familienhebammen, Familien-, Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerinnen werden eingesetzt. Die derzeit rund 250 KoKi-Fachkräfte in Bayern wissen, welche Unterstützungen Familien vor Ort erhalten können.

    Entscheiden, was wirklich hilft

    Kinderschutzfachkräfte müssen jeden Tag wichtige Entscheidungen treffen, erklärte die aus Münster stammende Psychologin Martina Cappenberg, deren Vortrag im Mittelpunkt der Fachtagung stand. Bevor Hilfe angeboten wird, müsse darüber nachgedacht werden, ob die Unterstützung überhaupt greifen kann.

    Eltern, die zur Flasche greifen, die harte Drogen nehmen, kriminell oder psychisch krank sind, können sich oft nicht gut um ihr Kind kümmern. Das emotionale Leiden der bei diesen Eltern aufwachsenden Jungen und Mädchen sei allerdings viel schwerer zu erkennen als das Leiden körperlich vernachlässigter oder misshandelter Kinder. Doch gerade auch emotionale Vernachlässigung könne gravierende kognitive, körperliche und soziale Folgen haben.

    Cappenbergs großer Wunsch wäre es, dass in Zukunft alle Kinder, die durch Misshandlung oder Vernachlässigung traumatisiert wurden, Gelegenheit bekommen, ihre Erfahrungen zu verarbeiten. Hier besteht nach ihrer Einschätzung noch großer Nachholbedarf. Doch ohne Traumaverarbeitung steige die Gefahr, dass die Kinder später nicht imstande seien, als Erwachsene gut mit ihren eigenen Kindern umzugehen.

    Bearbeitet von Katrin Amling

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