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    Würzburg

    Kolumne: Wenn CSU-Funktionäre brechen müssen

    Ein grünes Smiley, Superhelden und Minister-Träume: Der Wahlkampf treibt viele kuriose Blüten, findet unser Kommentator.
    Foto: Daniel Biscan

    Je näher die Wahl kommt, desto nervöser werden sie, die Wahlkämpfer. Zumindest bei der CSU in Würzburg. Da postet ein Wirt aus einer Kreisgemeinde auf seiner seinem Facebook-Profil wortlos das Titelbild einer Grünen-Broschüre und schon rasten einige aus. Wolfgang Roth, der CSU-Fraktionschef im Würzburger Stadtrat, antwortet mit einem Smiley, einem dieser kleinen Piktogramme, die Emotionen ausdrücken sollen. 

    Nein, Roth postet kein ironisches Zwinker-Smiley, kein Auslach-Smiley, und auch kein Tränen-Smiley. Der mächtige CSU-Stadtrat wählt das grüne Kotz-Smiley. Klare Ansage also. Fragt sich nur, ob sich Parteichef Markus Söder tatsächlich so das Werben um CSU-Stimmen beim Bildungsbürgertum in Universitätsstädten wie Würzburg vorgestellt hat?

    Dass politischer Wettbewerb auch anders geht, nämlich cool und souverän, zeigt Roths CSU-Parteifreund Björn Jungbauer – ebenfalls bei Facebook. Der Bürgermeister von Kirchheim im Landkreis Würzburg berichtet mit Foto, dass er bei der Kandidatenvorstellung der Grünen im Pfarrheim war. Und schreibt dazu: "15 Kandidatinnen und Kandidaten, interessante Ideen, freue mich auch weiterhin auf den kommunalpolitischen Austausch auch über den 15. März hinaus." 

    Mit Superhelden wirbt die Linke in Schweinfurt um Stimmen. Foto: Michael Czygan

    Die Linke in Schweinfurt setzt in ihrer Wahlwerbung auf witzig gezeichnete Comics mit Superman und Superwoman. Nein, nicht, dass die Truppe um Frank Firsching sich jetzt selbst überhöht. Superheldinnen und -helden sind für sie die Schweinfurter, "die Tag für Tag ihre Kraft und Zeit einsetzen, um ihren Mitmenschen zu helfen und sie zu unterstützen", so da wären Eltern, pflegende Angehörige, Pflegekräfte, Feuerwehrleute, Polizisten, Lehrer, Erzieher und Busfahrer. Mit "vereinter Superkraft" wolle man das Leben in Schweinfurt besser machen, schreibt die Linke. Gute Politik wäre ja vielleicht auch schon ein Anfang.

    Die Grünen müssen derweil aufpassen, vor lauter Hype in den Umfragen nicht wie Superman und Superwoman abzuheben. In Bad Kissingen werden der Bundestagsabgeordneten Manuela Rottmann zwar gute Chancen eingeräumt, CSU-Landrat Thomas Bold am Wahltag heftig zu piesacken. Aber ob sie wirklich Siegeschancen hat? Johannes Weiß, der Grünen-Bürgermeisterkandidat in Werneck, feiert seine Parteifreundin bei Facebook unterdessen nicht nur bereits als Landrätin, sondern gar als künftige Bundesjustizministerin. Gemach, gemach, möchte man da zurufen.

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