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    Würzburg

    Kommentar: Schmerzensgeld ist keine Privatsache des Landrats

    Der Würzburger Landrat Eberhard Nuß zahlt einem Beschäftigten des Landratsamtes Schmerzensgeld. Er findet, das ist seine Privatsache und will die Berichterstattung darüber verbieten lassen.  Foto: Thomas Obermeier

    Es dürfte nicht oft vorkommen, dass ein Landrat einem Beschäftigten Schmerzensgeld zahlt. Der Würzburger Landrat Eberhard Nuß hat, wenn auch zaghaft, anerkannt, dass er mit seiner falschen Verdächtigung einen Fehler gemacht hat. Die enorme psychische Belastung, die er bei der betroffenen Person verursacht hat, lässt sich durch einen Geldbetrag nicht wieder gut machen. Dem Betroffenen wird immer etwas anhaften. Zu viele wissen in der Behörde mittlerweile, wen Nuß fälschlicherweise verdächtigt hat.

    Nuß hat als Amtsperson gehandelt 

    Eberhard Nuß möchte über die Angelegenheit gerne den Mantel des Schweigens ausbreiten und dieser Redaktion verbieten, über seine "Privatangelegenheit" zu berichten. Es ist aber nicht Privatsache, wenn ein gewählter Landrat als Leiter einer staatlichen Verwaltungsbehörde eine Person aus dem Kreise seiner Mitarbeiter falsch verdächtigt und diesen Verdacht schriftlich weitergibt. Hier hat Nuß nicht als Privat-, sondern als Amtsperson gehandelt. Wie sich ein Landrat seinen Mitarbeitern gegenüber verhält und wie er dabei mit seiner Fürsorgepflicht umgeht, ist sehr wohl für die Bürger im Landkreis Würzburg von Interesse. 

    Mobbing muss extern aufgearbeitet werden

    Damit ist es freilich auch nicht Nuß' Privatangelegenheit, wenn er die von ihm verursachten psychischen Verletzungen des Betroffenen durch ein Schmerzensgeld ausgleicht. Auch, weil die Regierung von Unterfranken prüft, ob sich der Landrat im Dienst korrekt verhalten hat, besteht ein Informationsinteresse der Öffentlichkeit an diesem Fall.

    Genauso ist es von öffentlichem Interesse, wie der Chef der Kreisbehörde mit Mobbing im Landratsamt umgeht. Es dauerte sehr lange, bis Nuß einsah, dass die Vorfälle aufgearbeitet werden müssen. Dass nun ausgerechnet der Chef des landkreiseigenen Kommunalunternehmens und seine Prokuristin die Gespräche mit den Mitarbeitern führen, die von ihrem Vorgesetzten schikaniert worden waren, ist keine besonders glückliche Entscheidung. Am besten wäre es gewesen, die Vorfälle mit externen Fachleuten aufzuarbeiten. 

    Kein gutes Krisenmanagement

    Landrat Nuß hat im Zusammenhang mit den Mobbingvorwürfen kein gutes Krisenmanagement gezeigt. Und es ging ihm augenscheinlich oft nicht um das Wohl seiner Mitarbeiter, sondern um sein eigenes. In den verbleibenden fünf Monaten seiner Amtszeit hat er die Chance, offen mit allem umzugehen und sich um ein gutes Klima im Landratsamt zu bemühen. 

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