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    Würzburg

    Krebshilfe: Zehn Millionen Euro für neues Forschungszentrum

    Eröffnung des Mildred-Scheel-Nachwuchszentrums für Krebsforschung an der Universität Würzburg am Mittwoch. Bei der Pressekonferenz von links Zentrumsleiter Prof. Martin Eilers, Forschungsgruppenleiterin Dr. Sophia Danhof, Dekan Prof. Matthias Frosch und Dr. Lars Jöckel, Bereichsleiter Förderung bei der Deutschen Krebshilfe). Foto: Patty Varasano

    Das ist ein Meilenstein für die Krebsforschung in Würzburg: Die Deutsche Krebshilfe richtet an der Julius-Maximilians-Universität (JMU) eines von bundesweit fünf Mildred-Scheel-Nachwuchszentren ein. Junge Krebsforscher sollen hier optimale Bedingungen für ihre Arbeit vorfinden.

    Zehn Millionen Euro fließen in den kommenden fünf Jahren in das neue Zentrum, das am Mittwoch offiziell eröffnet wurde. Von den 37 deutschen Medizin-Fakultäten hatten sich 27 um die Einrichtung beworben. Neben Würzburg wählte eine internationale Gutachterkommission die Standorte Hamburg, Frankfurt, Dresden und Köln-Bonn aus.

    Eigenen Nachwuchs fördern und internationale Forscher gewinnen

    Mit dem Nachwuchszentrum will die Universität eigene junge Krebsforscher fördern und gleichzeitig exzellente Kräfte aus aller Welt an die Uniklinik holen. Zum Auftakt stellten zehn junge Wissenschaftler ihre Konzepte vor. Ein Beirat mit international führenden Tumorfachleuten wählt daraus drei bis vier Projekte aus.

    Aufnahme aus einem Labor im Biozentrum an der Universität Würzburg. Mit Hilfe von Bäckerhefe wird hier am menschlichen Erbgut geforscht, Ergebnisse werden unter anderem für die Krebsforschung eingesetzt. Foto: Daniel Peter

    Bis zu acht Forschungsgruppen wolle man am neuen Zentrum etablieren, sagte dessen Leiter Prof. Martin Eilers, Krebsforscher am Biozentrum der JMU, vor der Presse. Rund 35 junge Forscher sollen dann hier tätig sein und die ersten Gruppen bereits im Herbst starten.

    Immuntherapie als verbindende Klammer der Forschungsgruppen

    Sie sollen auf dem Grombühler Medizincampus unter einem Dach zusammenarbeiten. Was sie verbindet: die Immuntherapie. Sie gilt laut Eilers als "Revolution" in der Onkologie und wird in Würzburg seit einiger Zeit erfolgreich mitentwickelt. Dabei wird das körpereigene Immunsystem so umerzogen, dass es die sonst "getarnten" Tumorzellen erkennen und angreifen kann.

    Mit der Initiative wollen die Deutsche Krebshilfe und die Universität dem "eklatanten Mangel" an Nachwuchsforschern begegnen, wie Prof. Matthias Frosch, Dekan der Medizinischen Fakultät, erklärte. Außerdem dauere es noch zu lange, bis Erkenntnisse in der Grundlagenforschung beim Patienten ankommen. Hier setzt die Uni seit Jahren mit anwendungsbezogenen klinischen Studien an.

    In einem Konferenzraum im Zentrum Operative Medizin (ZOM) der Uniklinik Würzburg: Ärzte verschiedener Disziplinen diskutieren über Therapie und Behandlung konkreter Tumorerkrankungen. Bei den sogenannten Tumorboards, die an der Uniklinik mehrmals in der Woche stattfinden, tauschen sich Spezialisten aus, um eine bestmögliche Behandlung der Tumor-Patienten zu gewährleisten. Foto: Daniel Peter

    Dieser Brückenschlag zwischen Grundlagen- und klinischer Forschung hat auch die Deutsche Krebshilfe überzeugt, wie Bereichsleiter Lars Jöckel bestätigte. Pluspunkte für den Zuschlag sammelte die JMU ferner mit Konzepten zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Laut Eilers will man in dem Nachwuchszentrum flexible Arbeitszeiten ermöglichen, die Forschenden seien von allen Verpflichtungen in Klinik und Lehre befreit. 

    Uniklinikum ist eines der onkologischen Spitzenzentren in Deutschland

    Für die Krebshilfe unterstreicht Lars Jöckel das Personalproblem: "Viele der klügsten Köpfe wandern in die Industrie ab oder verlieren das Interesse an der Forschung. Da besteht Handlungsbedarf." Untergebracht wird das neue Nachwuchszentrum zunächst im Institut für Virologie und Immunbiologie. Langfristig hofft man auf ein eigenes Gebäude, aber dies ist laut Eilers noch "Zukunftsmusik".

    Das Uniklinikum Würzburg gilt als eines der onkologischen Spitzenzentren in Deutschland und wird als solches schon seit Jahren von der Deutschen Krebshilfe als größter privater Drittmittelgeber für die Krebsforschung gefördert.

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