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    WÜRZBURG

    Kreuzzug ins verstrahlte Japan

    Dass Robert Franz nicht so ganz ins normale bürgerliche Schema passt, ist augenscheinlich an seinem violett gefärbten krausen Kopfhaar zu sehen und daran, dass er auch bei strengem Frost barfuß geht. Ein großformatiges Bild auf seinem Kleinwagen zeigt den 50-jährigen Disponenten einer Würzburger Betonfirma als gekreuzigten Jesus im Weinberg mit der Aufschrift „Kreuzigt mich – aber gebt allen OPC“.

    Robert Franz hat eine Botschaft an die Menschheit, die er über sein im Stefan Müller Verlag Würzburg erschienen Buch und in Vorträgen verbreitet: Viele Krankheiten könnten vermieden oder geheilt werden durch OPC.

    Hinter den drei Buchstaben verbergen sich Oligomere Procyanidine, ein Pflanzenstoff, der zu den Polyphenolen gehört und 1947 vom französischen Forscher Prof. Jaques Masquelier in roten Erdnussschalen entdeckt wurde. Der Stoff zählt zu den wirkungsvollsten Antioxidantien, jenen Stoffen also, die Zellen schädigende Freie Radikale im Körper binden können. Die positive Wirkung der Polyphenole ist vielfach wissenschaftlich nachgewiesen, für den aus Rumänien stammenden Robert Franz ist OPC aber schlichtweg ein Wundermittel.

    Darauf gestoßen ist er, nachdem seine Frau an Krebs erkrankt war. Aus bitteren Aprikosenkernen hat er den Stoff selbst gewonnen. Nun lässt er sein eigenes OPC aus Traubenkernextrakt herstellen, führt einen Feldzug, um die Menschheit von der Heilkraft des Stoffes zu überzeugen. „Man weiß, dass Rotwein schützende Wirkung hat. Mit jeder Kapsel OPC nimmt man ein Stück Weinberg zu sich, denn deren Wirksamkeit entspricht bis zu 600 Gläsern Rotwein“, ist Franz überzeugt.

    25 Kilo Mineralien

    Es gehe ihm nicht ums Geschäftemachen, sondern darum, die Heilkräfte der Natur den Menschen wieder bekannt zu machen. Dazu zählen für ihn insbesondere auch „Schindeles Mineralien“. Mit einem Rucksack voll von diesem Gesteinsmehl aus Österreich ist er nun in eigener Mission und auf eigene Kosten nach Japan geflogen, um den Menschen in der radioaktiv verseuchten Gegend um den havarierten Atommeiler Fukushima zu helfen – eine abenteuerliche Geschichte. Franz verweist auf wissenschaftliche Berichte auch aus den USA, wonach diese Mineralien neben einer Reihe anderer positiver Effekte auf den Organismus auch die Fähigkeit haben, das Atomkristallgitter der radioaktiv strahlen Partikel zu verändern und so die Schwingung zu brechen.

    Dr. Rita Schneider ist Koordinatorin des Regionalen Strahlenunfallzentrums an der Klinik für Nuklearmedizin Würzburg und berät die Gesundheitsorganisation WHO bei nuklearen Unfällen. Sie hält die beschriebene Wirkung für „wissenschaftlich zweifelhaft.“ Radioaktive Strahlung wirke, indem die Zell-DNA massiv verändert werde und nicht über radioaktive Partikel, deren Schwingung man brechen müsste. Robert Franz ficht das aber nicht an.

    In der vollen Überzeugung, dass man mit Schindeles Mineralien Menschenleben retten und verseuchte Böden sanieren kann, ist Robert Franz ins Flugzeug nach Japan gestiegen, gekleidet mit einem T-Shirt, auf das er in Japanisch die Wirkweise der Mineralien hatte drucken lassen. Auf viel Verständnis ist er dennoch nicht gestoßen.

    Zunächst hat der Zoll am Flughafen Tokio die Einfuhr der Mineralien verweigert. Im Presseclub neben dem Regierungssitz hat er dann seine Mission vorgetragen. Zehn Polizisten haben ihn, wie er berichtet, zur Regierung begleitet, wo ein Beamter erklärt habe, nicht helfen zu können. Robert Franz hat nicht aufgegeben, hat sich an verschiedenen Hilfsorganisationen gewandt, ans Rote Kreuz, an Greenpeace, doch niemand konnte oder wollte weiterhelfen. Franz wollte selbst in die Region Fukushima reisen, um die Mineralien zu verteilen, doch zu viel Zeit war vertan, und nun stand der Rückflug bevor. Immerhin habe er dem Vizepräsidenten des Atomkraftwerkbetreibers Tepco bei einem Vortrag in einem Presseclub eine Dose der Mineralien überreichen können. Der habe versprochen habe, sie von Experten prüfen zu lassen.

    Enttäuscht, nicht direkt helfen zu könne, hat Franz die Rückreise angetreten. In Deutschland durfte er dann in der Zeitung lesen, dass die Betreiber des Kraftwerks zum Binden radioaktiver Stoffe Mineralien – hier Zeolithe – ins verseuchte Meer vor dem Kraftwerk gekippt haben.

    Von unserem Redaktionsmitglied

    Herbert Kriener

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