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    Würzburg

    Künstliche Intelligenz in Würzburg: Wo bleibt das Zentrum?

    Ein Mann hält am Stand des Unternehmens Festo auf der Hannover Messe die Hand eines bionischen Roboters. Im Wettlauf um die Künstliche Intelligenz wollen Bund und Freistaat investieren, um nicht weiter ins Hintertreffen gegenüber den USA und China zu geraten. Foto: Hauke-Christian Dittrich, dpa

    Die Treiber sind die Großen. Internet-und Digtalkonzerne wie Samsung, Apple, Google oder Amazon. Sie buttern jährlich zweistellige Milliardenbeträge in die Entwicklung und Erforschung neuer  Technologien. Samsung hält sich in Südkorea gar eine eigene, angesehene Universität.

    Auf dem Schlüsselsektor der Künstlichen Intelligenz (KI) marschieren diese Konzerne voran, ihre Marktmacht besteht aus Datenbergen und Rechnerkapazitäten. Deutschland und Europa drohen da abgehängt zu werden. Deshalb hat die Bundesregierung Ende 2018 ihre "Strategie Künstliche Intelligenz" beschlossen: Mit 100 neuen Professuren sowie Forschungs- und Anwendungszentren soll die KI in Deutschland vorangetrieben werden.

    Staatsregierung will KI an mehreren Standorten stärken

    Auch in Bayern. Ministerpräsident Markus Söder (CSU) nennt Algorithmen die "Bajonette der Zukunft" im globalen Wettstreit. Und so hat der Freistaat vor der Landtagswahl im vergangenen Jahr vollmundig noch ein eigenes KI-Programm aufgelegt und wollte ein Kompetenz-Netzwerk für maschinelles Lernen auf den Weg bringen. Quer durch den Freistaat soll die KI-Forschung angeschoben werden - und Würzburg mit seinen beiden Hochschulen soll eine zentrale Rolle spielen. 

    Der Plan der Staatsregierung: Hier vier neue Professuren und ein "Kompetenzzentrum für Künstliche Intelligenz und Robotik" (CAIRO) für die Fachhochschule (FHWS), dort sechs KI-Professuren und ein "Zentrum für Künstliche Intelligenz in Forschung und Anwendung" (CAIRA) für die Uni, wo dafür ein Forschungsneubau errichtet werden soll. 50 Millionen Euro sollen dafür fließen. Klingt nach Aufbruch. Doch im verabschiedeten Doppelhaushalt 2019/20 sieht es für Würzburg eher nach einem Stotterstart aus.

    Im Doppelhaushalt 2019/20 fehlt es an nötigen Mitteln

    Von Geld für einen Neubau keine Spur. Und aus den versprochenen sechs KI-Professuren wurden für Würzburgs Uni nur zwei, die beiden Münchner Hochschulen (TU und LMU) mussten mit vier von sechs zugesagten KI-Professuren weniger bluten.

    Die FHWS bekommt fürs Erste nur zwei von vier angekündigten Professuren. Die Ausbau sei längerfristig angelegt, heißt es aus dem Wissenschaftsministerium. Frei übersetzt: Die Stellen und der Neubau in Würzburg werden schon noch kommen. Wenn Geld da ist.

    Wollen die Forschung zur Künstlichen Intelligenz an der Würzburger Julius-Maximilians-Universität voranbringen: Präsident Alfred Forchel (rechts) und Informatik-Professor Andreas Hotho. Foto: Andreas Jungbauer

    Für die Verantwortlichen an der Uni ist dieser Zickzackkurs zwischen großer Ankündigung und kleinlauter Sparlösung frustrierend. Hatte man doch ausgehend von den zugesagten Stellen ein spezielles Tandemmodell entwickelt: Sechs KI-Professoren sollen unter einem Dach zusammen mit sechs Professoren aus verschiedenen Fachgebieten forschen - neben der Informatik noch die Biomedizin, die Chemie, die Wirtschafts- und Literaturwissenschaften.

    "Wir brauchen alle sechs Professuren."
    Prof. Andreas Hotho zum Aufbau des KI-Zentrums in Würzburg

    Während der KI-Spezialist neue Algorithmen und Methoden entwickelt, weiß der Professor oder die Professorin aus der Fachdisziplin um die inhaltlichen Fragestellungen und die konkrete Anwendung. Da geht es um Textprogramme in der Germanistik oder um Diagnostik in der Medizin. Krux der Tandemlösung: Kommen die KI-Spezialisten – also die Informatiker – nicht, hängen die Fachprofessoren in der Luft.

    Eine Frau spricht im Reisenzetrum des Berliner Hauptbahnhofs mit "Semmi", einem Roboter vom Kundenservice der Deutsche Bahn, der auf Basis Künstlicher Intelligenz (KI) funktioniert.  Foto: Lisa Ducret, dpa

    "Wir brauchen alle sechs", unterstreicht deshalb Prof. Andreas Hotho, der an der Uni Würzburg das KI-Zentrum aufbauen soll und jüngst erst den neu geschaffenen Lehrstuhl für Data Science übernommen hat. Maschinelles Lernen und die Wissenschaft der Daten - für Hotho ein "Werkzeugkasten, der verschiedenen Disziplinen hilft." Alle Gesellschaftsbereiche seien betroffen, von der Automobilindustrie bis zur Pflege. Gerade wird auch der Lehrstuhl für Digital Media Processing besetzt. Hier geht es um Bildanalysen und Bewegungsanalysen - zentrale Themen für die Entwicklung automatisierter Maschinen.

    Würzburger KI-Konzept: Enge Verzahnung von Grundlagenforschung und Praxis

    Der Würzburger Ansatz ist keiner für den Elfenbeinturm, im Gegenteil. Hier sollen aus der Grundlageninformatik konkrete Fortschritte in verschiedenen Disziplinen erzielt werden. Die zwölf Professoren am Zentrum wären sozusagen die geballte KI-Kompetenz, die sich untereinander ergänzt und befruchtet. Aber noch ist das Zukunftsmusik. Genauso wie die Zusammenarbeit mit der Hochschule für angewandte Wissenschaften (FHWS), solange man auch dort in Sachen KI nicht durchstarten kann.

    Zur Halbierung auf zwei Professuren sagt FHWS-Präsident Robert Grebner: "Das ist für den Start ausreichend, da die Besetzung einer Professur ohnehin bis zu einem Jahr in Anspruch nehmen kann." Man rechne allerdings fest mit den zwei weiteren Stellen und starte bereits die Personalsuche. Außerdem will die FHWS, ähnlich wie die Uni, vier "eigene" Professoren dem KI-Zentrum zuordnen und dort mitarbeiten lassen.

    Grebner macht keinen Hehl daraus, dass er weitere Mittel und Stellen vom Freistaat erwartet, damit die Professoren tatsächlich forschen können und ein KI-Zentrum entsteht, das international konkurrenzfähig ist. Im Beschluss des Ministerrates ist von weiteren Mitteln freilich keine Rede.

    Wie also  Fahrt aufnehmen bei derart abgespeckten Ressourcen? Universitätsleitung und Projektleiter Andreas Hotho lassen sich nicht entmutigen. Das KI-Zentrum soll kommen, auch ohne Neubau. Man wolle demnächst ein Gebäude in der Stadt dafür anmieten.

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