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    Würzburg

    Kumpel zu Handyverträgen gezwungen?

    Einem 33-Jährigen wirft die Würzburger Staatsanwaltschaft vor, seinen Kumpel geschlagen und erpresst zu haben. Symbolfot...

    Die Anklage klingt wie aus einem Krimi geklaut: Ein 33-Jähriger, arbeitslos, immer knapp bei Kasse aber dem guten Leben durchaus zugetan, soll einen jüngeren Freund mit Schlägen und wüsten Drohungen gezwungen haben, Handyverträge abzuschließen. Aus Angst um sich und seine Familie, so die Staatsanwaltschaft, habe der junge Mann mitgemacht. Die Handys soll der 33-Jährige verkauft und das Geld verjubelt haben.

    Das ist aber noch lange nicht alles. Der 33-Jährige soll sich auch bei anderen Freunden größere Summen geliehen und nicht zurückgegeben, einen nicht existenten VW-Bus "verkauft", Provision für die Vermittlung eines nicht existenten Jobs und Geld für nicht existente Laptops und I-Phones kassiert haben.

    Lange Anklagen

    Nun steht der gelernte Automechaniker vor der Ersten Strafkammer des Landgerichts Würzburg und der Staatsanwalt braucht fast eine Dreiviertelstunde, um die langen Anklagen zu verlesen. Es geht um vollendete und versuchte räuberische Erpressung, gefährliche Körperverletzung und gewerbsmäßigen Betrug.

    Dass er Freunde und auch Fremde um Geld geprellt hat, gibt der 33-Jährige unumwunden zu. Er bestreitet auch nicht, seinen Freund überredet zu haben, Handyverträge abzuschließen, damit man die Mobiltelefone zu Geld machen kann. Aber, und das betont er immer wieder: "Ich habe ihn wirklich nicht geschlagen." Nur einmal, im Streit, habe er dem jungen Mann eine volle Wasserflasche "entgegen geworfen", die ihn am Kopf getroffen habe. Er selbst, so der Angeklagte, bekomme keine Handyverträge mehr, weil seine Schufa-Auskunft negativ sei und er sich in Privatinsolvenz befinde.

    Kein schmeichelhaftes Bild

    Dann zeichnet der Kfz-Mechaniker ein wenig schmeichelhaftes Bild von seinem jungen Kumpel. Der verwöhnte Enkel eines Würzburger Geschäftsmannes habe zum 18. Geburtstag von seinen Großeltern 20 000 Euro geschenkt bekommen. Wenig später habe er bereits 18 000 Euro davon "auf den Kopf gehauen" gehabt. Bei der Sache mit den Handyverträgen habe der Freund "gerne und freiwillig" mitgemacht und sogar angeboten, weitere Kandidaten für die krummen Geschäfte zu werben. Über die Bezahlung der teuren Monatsrechnungen aus den Verträgen habe er sich keine Gedanken gemacht. "Er hat gesagt, dass seine Großeltern das bezahlen." Und der junge Mann habe erzählt, dass er jemand suche, der Opa und Oma "aus dem Weg räumt", damit er sie beerben könne. "Das hat mich richtig geschockt", sagt der Angeklagte.

    Das Geld aus den Handyverkäufen, so der 33-Jährige, habe man gemeinsam und mit vollen Händen ausgegeben. Mit Freunden sei man durch die Würzburger Clubs gezogen, habe in Hotels genächtigt, gut gegessen, sich ab und zu "ein bisschen Kokain" reingezogen . . .

    Im Gefängnis wird gezockt

    Nach eigenen Worten hat der Automechaniker auch sehr viel Geld verspielt. "Ich habe jeden Tag gezockt", erzählt er dem Gericht. Er kenne alle Würzburger Spielsalons und auch das Casino in Bad Kissingen. Auch jetzt, im Gefängnis, spiele er. Gezwungenermaßen allerdings nicht an Automaten, sondern mit Karten. "Wir zocken jedes Wochenende von morgens bis abends." Einsatz seien Zigaretten.

    Der 33-Jährige, der dem Gericht erzählt, dass er seit 15 Jahre spiele, hält sich für spielsüchtig. Um zu erfahren, ob er es wirklich ist, hat die Kammer eine psychiatrische Sachverständige mit der Begutachtung des Automechanikers beauftragt. Sie hat ihn vor Prozessbeginn untersucht und ist auch während der Verhandlung anwesend.

    Der Prozess wird am Mittwoch, 19. September fortgesetzt. Dann ist auch der junge Mann als Zeuge geladen, der mit Prügel und Drohungen zum Abschluss der Handyverträge gezwungen worden sein soll.

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