• aktualisiert:

    Würzburg

    Kunst als Therapie: Junge Patienten stellen Werke aus

    Die Ausstellung "Selbstbilder" zeigt Werke aus der Kunsttherapie mit Kindern und Jugendlichen am Zentrum für Psychische Gesundheit, für die Kunst einen Ausweg aus der Sprachlosigkeit aufzeigen kann. Foto: Kathrin Königl

    Grünes Gesicht mit roten Haaren, so hat sich der 17-jährige Patient selbst dargestellt und sein Bild mit "Ekel-Hoffnung" betitelt. Auf anderen Werken, die in der Kunsttherapie an der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (KJPPP) entstanden sind, haben sich Patienten als Auto oder Fantasietiere abgebildet. Zu sehen sind die Arbeiten in der Ausstellung "Selbstbilder", die nun in der Magistrale des Zentrums Innere Medizin (ZIM)eröffnet wurde.

    "Die Kunst spielt eine große Rolle in der Medizin", leitete Georg Ertl, Ärztlicher Direktor des Uniklinikums, die Vernissage ein. Sehr überrascht und beeindruckt sei er von der Qualität der Bilder. Die Ausstellung ist vielfältig. Nicht nur Selbstporträts, auch mit Bleistift gezeichnete Bildergeschichten oder futuristische Foto-Collagen hängen in der Magistrale des Klinikgebäudes.

    In der Kunsttherapie ist die "Schönheit" eines Bildes zweitrangig

    "Manche können sehr genau antworten, wenn man fragt, wie es ihnen geht. Aber für andere ist es nicht möglich, ihre Gefühle mit Worten auszudrücken oder sie verstehen gar nicht, was mit ihnen los ist", erklärte Marcel Romanos, Direktor der KJPPP. "Die Kunsttherapie kann eine Vertrauensbasis schaffen und einen Weg aus der Sprachlosigkeit aufzeigen."

    "Mit der Kunst als Medium konnte ich mich in meiner schwierigen Phase ausdrücken."
    Ehemalige Patientin des Zentrums für Psychische Gesundheit

    "Die Ausstellung entstand aus der Idee, den Bildern einen Raum zu geben, um Patienten den eigenen Therapieprozess zu verdeutlichen und auch um die Therapie bekannter zu machen", fasste Burghilt Henzel, Kunsttherapeutin in der KJPPP, den Anlass der Vernissage zusammen. Dabei stehe die "Schönheit" eines Bildes im Hintergrund. Wichtiger sei vielmehr der Prozess, durch den die Patienten Lebensfreude wiederentdecken und eigene Ressourcen stärken würden.

    Ehemalige Patientin berichtete über ihre Erfahrungen

    Als Teil der Vernissage erzählte auch eine ehemalige Patientin von ihren Erfahrungen mit der Kunsttherapie. "Es geht darum, mit anderen teilen zu können, was die Kunsttherapie macht. Damit die Gesellschaft einen Zugang zu psychischen Krankheiten bekommt und merkt, dass es kein Tabu ist, darüber zu reden", beschrieb die 18-Jährige den Zweck der Ausstellung. Zwei ihrer Bilder hängen in der Galerie. "Ich habe auch vorher schon gemalt, aber das war etwas anderes. Mit der Kunst als Medium konnte ich mich in meiner schwierigen Phase ausdrücken." Wie sehr der kunsttherapeutische Ansatz ihr als Patientin, die wegen Depressionen in Behandlung war, geholfen hat, wurde auch in ihrem Berufswunsch klar: Sie möchte nun selbst Kunsttherapie studieren.

    Die Ausstellung "Selbstbilder"
    "Selbstbilder" ist noch bis 17. Dezember in der Magistrale des Zentrums für Innere Medizin (ZIM) am Universitätsklinikum Würzburg zu besichtigen. Die Bilder sind außerdem für 30 bis 50 Euro käuflich zu erwerben.

    Weitere Artikel
    Fotos

      Kommentare (0)

        Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!