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    WÜRZBURG

    Landesgartenschau: Die Region zeigt Gesicht

    Ich sag' immer zu meinen Kunden, geht nur fest nei nach Würzburg, weil's schö' it“, sagt Hermine Gernert in ihrem unverfälschten fränkischen Dialekt und lächelt breit in die Kamera. Auf dem Grünen Markt in Würzburg ist ihr Gesicht bestens bekannt. Seit 60 Jahren verkauft sie dort Gemüse. Nun wird sie zum Gesicht der ganzen Region – in dem Imagefilm, mit dem Stadt und Landkreis auf der Landesgartenschau gemeinsam werben.

    Region mit vielen Facetten

    Hermine Gernert ist eine von neun Personen, die Filmemacher Christoph Kirchner zu Wort kommen lässt, stellvertretend für die vielen Facetten der Region, für die Wirtschaft und die Wissenschaft, für die Kunst und den Sport, für den Wein und für das ganz alltägliche Leben. „Uns war dabei wichtig, nicht die Gesichter zu zeigen, die man öfter in der Zeitung sieht, sondern die Menschen, die wirklich vor Ort an der Basis arbeiten“, sagt Michael Dröse, verantwortlich für Regionalmanagement und Wirtschaftsförderung im Landkreis Würzburg.

    Kathrin Falger aus Kürnach berichtet über ihre ehrenamtliche Arbeit als Sanitäterin beim Roten Kreuz, stellvertretend für Tausende von Menschen, die sich in Würzburg und den 52 Gemeinden des Landkreises in ihrer Freizeit für ihre Mitmenschen engagieren. Sozialpädagogin Sophia Amrehn, die für die Jugendarbeit der Gemeinde Hettstadt verantwortlich ist, Fabian Schwarz aus Remlingen, der Kindern das Gitarrespielen beibringt und bundesweit als Rockmusiker unterwegs ist oder Jungwinzer Martin Göbel aus Randersacker, der das über 400 Jahre alte Familienweingut übernommen hat – sie alle erzählen, was sie an ihrer Heimat schätzen und welche Qualitäten die Region zu bieten hat.

    Wissenschaftsstandort und Ort zum Leben

    Als Zugereister kommt der Klimaforscher und Universitätsprofessor Heiko Paeth zu Wort, der seit zwölf Jahren in Thüngersheim wohnt und seine fränkischen Mitmenschen ebenso schätzen gelernt hat wie den breit gefächerten Wissenschaftsstandort Würzburg. Oder Bildhauer Herbert Mehler, der jahrelang in Berlin gearbeitet hat und im Erbachshof bei Eisingen seinen idealen Standort zum Leben und Arbeiten fand.

    Hanna Weiß ist die jüngste der neun Protagonisten. Als „Medienscout“ am Deutschhausgymnasium vermittelt sie ihren Mitschülern einen verantwortungsbewussten und gefahrlosen Umgang mit sozialen Netzwerken im Internet. Matthias Försch schließlich, Trainer des Wasserball-Zweitligisten Schwimm-Verein Würzburg 05, verkörpert das breite Angebot an Spitzen- und Breitensport, das die Region Würzburg hervorbringt.

    Ehrlich und authentisch

    Ohne festes Drehbuch hat Filmemacher Christoph Kirchner eingefangen, was Menschen aus unterschiedlichen Berufen und Lebensbereichen mit ihrer Heimat verbindet. Das Ergebnis, das Landrat Eberhard Nuß und Oberbürgermeister Christian Schuchardt am Freitag im Würzburger Kino „Central“ vorstellten, sind ungekünstelte Bekenntnisse zur Region. „Unglaublich ehrlich und authentisch“, sagt Michael Dröse.

    Im Auftritt von Stadt und Landkreis auf der Landesgartenschau spielt der Imagefilm eine zentrale Rolle. Im gemeinsamen Pavillon läuft er an 179 Öffnungstagen in einer Dauerschleife. Die Chance, dass er einen großen Teil der erwarteten 950 000 Besucher erreicht, ist gut, sagt Michael Dröse. Schließlich wird der Pavillon direkt neben dem zentralen Gastronomiebereich stehen.

    Die Bauarbeiten an dem Pavillon sind nahezu abgeschlossen, so André Hahn vom Standortmarketing der Stadt Würzburg. Der 130 Quadratmeter große Innenraum bietet Platz für eine multimediale Dauerausstellung und wechselnde Veranstaltungen. Insgesamt rund 300 solcher Events sollen während der Landesgartenschau stattfinden, vom Kunst-Workshop bis zum Auftritt einer Blaskapelle.

    Der Außenbereich mit Blumenbeeten mit Einfassungen aus Corten-Stahl und einem rollstuhlgerechten Hochbeet geben ein Beispiel, wie sich moderne und anspruchsvolle Gartengestaltung auch in verdichteten Siedlungsbereichen verwirklichen lässt.

    53 Städte und Gemeinden auf Augenhöhe

    Alle 52 Städte und Gemeinden des Landkreises seien auf Augenhöhe mit der Stadt Würzburg bei der Landesgartenschau vertreten, so Michael Dröse. Vor allem die fünf interkommunalen Allianzen im Landkreis haben dort Gelegenheit, sich jeweils zwei Wochen lang zu präsentieren. Das Oberzentrum komme auf diese Weise genauso zu Geltung wie die kleinste Landkreisgemeinde Riedenheim. „Das Kooperationsprojekt zeugt vom gesunden Verständnis, dass die Landesgartenschau für die Stadt und den Landkreis da ist“, sagt OB Christian Schuchardt. Und Landrat Eberhard Nuß erkennt darin sogar einen Meilenstein für das künftige Miteinander von Stadt und Landkreis.

    Davon zeugt das Logo, das man für die Landesgartenschau entworfen hat. „stadt.land.wü“ heißt es dort in eingängigen Lettern. Es soll über die Landesgartenschau hinaus als Markenzeichen für gemeinsame Unternehmungen der Stadt und des Landkreises dienen.

    Geheimtipps in der Region

    Wie eng die Verknüpfung zwischen Landesgartenschau und Region ist, zeigen auch die elf „Geheimtipps“ zu besonderen Orten in der Region, auf die im Pavillon aufmerksam gemacht wird. „Wir wollen die Leute darauf hinweisen, dass es neben der Landesgartenschau in Stadt und Landkreis noch andere Orte gibt, die es sich zu entdecken lohnt“, sagt Michael Dröse.

    Das Angebot richtet sich vor allem an Besucher aus der Region und solche, die für mehrere Tage zur Landesgartenschau nach Würzburg kommen. Vom Walderlebniszentrum im Gramschatzer Wald bis zum Paracelsus-Gärtchen in Röttingen reichen die Empfehlungen. Das Gelände der Landesgartenschau 1990 unterhalb der Festung lädt dazu ein, die nachhaltigen Veränderungen kennenzulernen, die die Veranstaltung damals für Würzburg gebracht hat.

    Monate der offenen Gartentür

    Weitere Anziehungspunkte schließlich sollen die offenen Gärten in und um Würzburg sein. Den bayernweiten „Tag der offenen Gartentür“ am 24. Juni hat man dazu kurzerhand auf die gesamte Dauer der Landesgartenschau ausgedehnt. 24 private Gartenbesitzer in 16 Gemeinden öffnen dazu ihr Reich zu bestimmten Anlässen oder gewähren interessierten Gruppen Führungen.

    Das gemeinsame Programm von Stadt und Landkreis ist in einem 120-seitigen Katalog zusammengefasst. Claudia Knoll, Geschäftsführerin der Landesgartenschau, hofft, dass er vor allem den Besitzern von Dauerkarten zum ständigen Begleiter wird. Rund 7000 Dauerkarten hat die Landesgartenschau schon verkauft. Am Ende sollen es doppelt so viele werden.

    „Sie können sich gar nicht vorstellen, wie froh ich über die Landesgartenschau bin“, platzt es schließlich aus Landrat Eberhard Nuß heraus, „für das Miteinander in der Geschichte von Stadt und Landkreis ist das etwas ganz Besonderes.“

    Entdeckenswerte Orte

    1. Landesgartenschaugelände 1990: Wie die ehemalige Gartenschau am Würzburger Festungsberg bis heute nachwirkt.

    2. Würzburger Ringpark: Historischer Park und die grüne Lunge für Würzburgs Innenstadt.

    3. Schutzgebiet Bromberg-Rosengarten: Lebensraum seltener Arten in einem ehemaligen Steinbruch zwischen Würzburg-Heuchelhof und Winterhausen.

    4. Ochsenfurt: Die wehrhafte Altstadt öffnet sich zum grünen Stadtpark am Main.

    5. Röttingen: Paracelsus-Kräutergarten und Sonnenuhrenweg laden zum Spazieren ein.

    6. Wasserschloss Rottendorf: Historischer Mittelpunkt für viele Veranstaltungen.

    7. Dürrbachpark Güntersleben: Naherholungspark in idyllischer Lage.

    8. Gramschatzer Wald: Walderlebniszentrum bietet lehrreiche Naturerfahrung.

    9. Uferpromenade Veitshöchheim: Flaniermeile mit bester Aussicht.

    10. Erlabrunner Badesee: Schwimmen und Sonnenbaden in freier Natur.

    11. Skulpturenpark Erbachshof: Das Reich von Bildhauer Herbert Mehler und Malerin Sonja Edle von Hoeßle.

    „Das Kooperationsprojekt zeugt vom gesunden Verständnis, dass die Landesgartenschau für die Stadt und den Landkreis da ist.“
    Christian Schuchardt, Oberbürgermeister
     
     

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