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    Lindflur

    Landwirte arbeiten aus Überzeugung

    Vielfältig, innovativ, facettenreich. Über Aspekte der modernen Land- und Forstwirtschaft sowie vor- und nachgelagerter Betriebe informierte sich Landrat Eberhard Nuß bei einer rund achtstündigen Informationsfahrt im südlichen Landkreis Würzburg.

    Mit ihm unterwegs waren engste MitarbeiterInnen aus dem Landratsamt, einige Bürgermeister, VertreterInnen des bayerischen Bauernverbandes, der Regierung und des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) in Würzburg. Der Landwirtschaft ein positives Bild nach außen zu geben, sei eine der Intentionen der Reise, sagte Amtschef Andreas Maier. Für den Landrat gibt es eine weitere wichtige Intention: "Auf dem Schreibtisch sind alle Pläne flach. Deshalb müssen wir rausgehen und uns die Realität anschauen."

    Modernste Aufbereitungstechnik für Getreide

    Einen eindrucksvollen Einblick in den Alltag eines mittelständischen Agrarhandelsunternehmens erhielt die Delegation bei Busch Agrarhandel im Reichenberger Ortsteil Lindflur. Der Betrieb wurde in den 1930er Jahren in Würzburg gegründet und beschäftigt sich seitdem traditionell mit dem Handel und der Vermarktung von landwirtschaftlichen Feldfrüchten sowie dem Vertrieb von Betriebsmitteln für die Landwirtschaft, erläuterte Firmenchef Peter Busch.

    Seit 1977 agiert Busch erfolgreich am Ortsrand von Lindflur und vergrößerte und modernisierte stetig. 1984 gründete Peter Busch die Firma "Busch Saatgetreide"; ein Saatgutlager mit Beiz- und Absacktechnik wurde errichtet. Acht Jahre später folgte der Neubau einer Saatgutzentrale mit modernster Aufbereitungstechnik für Getreide und Leguminosen.

    10 000 Tonnen Saatgut pro Jahr 

    Bald schon kam die Hybridroggen-Reinigung und Aufbereitung dazu. Das sei nicht einfach gewesen, denn zur Herausreinigung des Mutterkorns aus dem Hybridroggen habe man eine spezielle Technik nachrüsten müssen, erklärte Busch. Mit diesem "Hightech-Spielzeug" könne man aber noch ganz andere Dinge machen, wie beispielsweise Glassplitter aus Reis oder Steine aus Sonnenblumen herauslesen.

    "So etwas gab es vorher nicht. Und jetzt hat es funktioniert", sagte er stolz. So könne man mit Toptechnik, sehr guten Mitarbeitern und guten Landwirten, die das Saatgut vermehren, äußerst gute Qualität produzieren, betonte Busch. Und die moderne Technik erlaubt es dem Unternehmen auch, sogenannte Körnerdrogen wie Fenchel-, Anis-, Kümmel- oder Mariendistel-Saat aufzubereiten.
    Nachdem auch Hybrid-Saatmais, Hybrid-Saatgerste und Öko-Saatgut dazu kamen produziert die Firma aktuell rund 10 000 Tonnen Saatgut pro Jahr. "Das ist eine Hausnummer", sagte Busch stolz. Da das Unternehmen nicht nur produziert, sondern auch lagern muss, braucht es Platz. "Aktuell haben wir wieder einen Bauantrag laufen, weil wir im Bereich Saatgut deutlich erweitern wollen", so der Firmenchef.

    Platz für 70 Pensionspferde

    Tradition mit Moderne verbindet auch das Gut Moos im Geroldshäuser Ortsteil Moos. Auf dem historischen Anwesen aus dem 18. Jahrhundert haben Burkard Steinbach und sein Bruder Karl-Friedrich einen Reiterhof mit modernsten Reitanlagen und Pensionspferdehaltung geschaffen.
    Pferdehaltung existiert auf dem Betrieb, den Steinbachs Großeltern im Jahr 1935 kauften, schon immer, sagt er. 1985 ließ Karl-Friedrich die Pferdehaltung und Zucht wieder aufleben. Zunächst im kleinen Stil im ehemaligen Schweine- und Bullenstall. 2016 schließlich wurde eine neue 80 mal 25 Meter große Reithalle und ein neuer Stall mit 37 Boxen errichtet. Insgesamt stehen jetzt 70 Pferde auf dem Betrieb.

    "Den Tieren muss es richtig gut gehen, dann geht es auch dem Kunden gut."
    Burkhard Steinbach vom Gut Moos

    "Wichtig ist für uns die Dienstleistung. Wir machen Vollservice mit Füttern und Misten und sorgen dafür, dass es den Pferden gut geht", erklärte Steinbach. Seine Philosophie: Den Tieren muss es richtig gut gehen, dann geht es auch dem Kunden gut. Neben der Pensionspferdehaltung bewirtschaftet der Betrieb auch 40 Hektar Land, davon 20 Hektar Grünland und 20 Hektar Ackerland mit Getreide, Raps und Mais.

    Nun will sich die Familie wieder vergrößern und einen zweiten Reitplatz, einen Springplatz, bauen. Beim Besichtigen der neuen Halle bewies der Landrat dann, dass er auch auf dem 18 Jahre alten Hengst Elvano fest im Sattel sitzt. Immerhin hat er als Kind das Reiten gelernt, saß aber seitdem nicht mehr auf einem Pferd.

    Weiter ging die Infofahrt in den Hubwald von Schönstheim in der Gemarkung Röttingen und zum Betrieb Paul Öchsner nach Gaukönigshofen. Begeistert war Nuß indes nicht nur vom Reiten sondern auch vom Ideenreichtum und der Investitionsbereitschaft der Landwirte und Unternehmer, wie er in der Weinoase Huppmann in Würzburg-Heidingsfeld deutlich machte. Verena Huppmann-Baumann und ihr Mann Andreas Baumann bewirtschaften den 1948 als Aussiedlerhof gegründeten Betrieb seit 2014. Ihre Rebfläche hat die Familie von ehemals fünf auf 9,5 Hektar vergrößert.

    "Wir müssen rausgehen, um die Probleme vor Ort zu verstehen."
    Landrat Eberhard Nuß bezüglich der Informationsfahrt

    Außerdem werden auf 41 Hektar auch noch Getreide, Zuckerrüben und Kartoffeln angebaut. Im Jahr 2016 wurde das alte Wohnhaus zur Vinothek und Häckerwirtschaft umgebaut, gleichzeitig entstand eine Ferienwohnung, die sehr gut angenommen wird, wie Huppmann-Baumann sagte.
    "Eine tolle Sache", bilanzierte Nuß am Ende der Fahrt, die zum zehnten Mal stattfand. Entstanden sei die Idee bei seinem Antrittsbesuch beim bayerischen Bauernverband (BBV) im Jahr 2008 als "Landrat im ersten Lehrjahr". Seine Motivation: "Wir müssen rausgehen, um die Probleme vor Ort zu verstehen."

    Den unternehmerischen Mut, die Schaffung von Arbeitsplätzen und die finanziellen Investitionen lobte Amtschef Andreas Maier. "Wir sehen, welche Vielfalt und vor allem auch Arbeitsplätze die Landwirtschaft und der vor- und nachgelagerte Bereich bieten", sagte BBV-Kreisobmann Michael Stolzenberger. Das sei positiv und müsse deshalb mehr in die Öffentlichkeit gebracht werden. Denn, so betonte er: "Wir Landwirte stehen nicht jeden Morgen auf und überlegen, wie wir wen vergiften, sondern wir machen täglich unsere Arbeit mit Überzeugung, Leidenschaft und teilweise einem hohen Einsatz an Kapital."

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