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    BURGGRUMBACH

    Landwirtschaft: Ernteausfälle durch Trockenheit

    In Unterfranken rollen die Mähdrescher – und das in diesem Jahr etwa drei Wochen früher als gewohnt. Und in den Kornspeichern wird bei einigen Bauern in diesem Jahr auch deutlich weniger landen. Denn vielerorts waren die Niederschlagsmengen viel zu gering und die Temperaturen zu hoch. Besonders extrem war die Situation im April – und damit in dem für Natur und Landwirtschaft so wichtigen Wachstumsmonat. In Unterfranken fielen im April nur 40 Prozent der üblichen Niederschläge. Gleichzeitig war es der heißeste April seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahr 1881. Auch der Mai und der Juni waren viel zu trocken.

    Regen gab es nur punktuell

    „Das Jahr 2018 ist bisher ein Jahr der Extreme“, sagt Stefan Köhler, Präsident des Bayerischen Bauernverbands im Bezirk Unterfranken bei einem Pressegespräch am Mittwoch in Burggrumbach (Lkr. Würzburg). So extrem unterschiedlich wie in diesem Jahr sei die Ernte noch nie ausgefallen. Während es in dem einen Ort regnete, gab es im nächsten Ort heftige Gewitter mit Hagel– in anderen Ortschaften dagegen fiel kaum oder gar kein Regen. „Diese extreme Wettersituation sowie viele Unwetter und andere Wetterkapriolen spüren die unterfränkischen Bauern nun bei der Ernte“, sagt Köhler. „Wir rechnen deshalb heuer nur mit einer eher unterdurchschnittlichen Ernte.“

    Im Norden Unterfrankens war es besonders trocken

    Was das Wetter betrifft, war Unterfranken in diesem Jahr zweigeteilt: Im Westen gab es deutlich mehr Niederschläge und relativ gute Bestände, im Osten und Norden Unterfrankens regnete es kaum und dort wird auch die Ernte eher unterdurchschnittlich ausfallen.

    „Besonders von Trockenheit betroffen waren die Landkreise Haßberge, Bad Kissingen und Rhön-Grabfeld“, so der Bauernverbandspräsident weiter. Besonders unter den Wetterkapriolen gelitten haben Raps, Mais und Getreide wie Winterweizen. „In Bad Neustadt zum Beispiel ist der Mais wegen der Trockenheit nur kniehoch gewachsen“, sagt Köhler. Hier könne man von einer Minderernte sprechen.

    Über die Preisentwicklung bei den einzelnen Feldfrüchten könne man zum jetzigen Zeitpunkt nicht sprechen, da die Ernte noch in vollem Gange ist. Der Bauernverband rechnet allerdings damit, dass die Preise vor allem für Getreide um etwa zehn bis 15 Prozent steigen werden. „Die Ertragssituation bei den Landwirten wird in diesem Jahr im Vergleich zum Durchschnitt der letzten Jahre deutlich schlechter werden.“

    Obst in Hülle und Fülle

    Allen Grund zur Freude haben dagegen die Obstbauern: Die Obsternte in Franken – Erdbeeren, Kirschen und Zwetschgen – ist bisher mengen- und qualitätsmäßig sehr gut verlaufen, sagt Thomas Riehl, Obstbauberater am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Kitzingen und Geschäftsführer des Verbands der Fränkischen Obstbauern. Momentan reifen bereits die ersten Frühapfelsorten. Der Vegetationsvorsprung zu 2017 betrage etwa zwölf Tage. „Wir erwarten auch bei der anstehenden Apfelernte sehr gute Qualitäten“, sagt Riehl.

    Auch die fränkischen Winzer rechnen in diesem Jahr mit einer guten Ernte: „Wenn das Wetter weiter so trocken und sonnig bleibt, erwarten wir einen Spitzenjahrgang“, sagt Artur Steinmann, Präsident des Fränkischen Weinbauverbands. In Franken werden etwa zehn Prozent der Weinberge schon künstlich mit Wasser versorgt. Auch im Obstanbau ist ohne Bewässerung kaum mehr ein Anbau möglich. „Nur wenn das Obst auf sehr guten Böden steht, ist ein Anbau ohne künstliche Bewässerung möglich“, sagt Riehl.

    Unwirtschaftlich: Bewässerung der Feldfrüchte

    Beim Ackerbau sei eine Bewässerung keine Option: „Uns fehlt in Unterfranken das Wasser und das Geld“, erklärt Landwirt Burkard Ziegler aus Burggrumbach (Lkr. Würzburg). Es würde sich auch gar nicht lohnen, Feldfrüchte wie Mais oder Weizen zu bewässern, weil man dafür viel zu geringe Preise erziele. „Es wäre für die Landwirte ein Draufzahlgeschäft.“ Lediglich gelbe Rüben, Kartoffeln oder Feldgemüse wie Kohlarten würden teilweise bewässert, vor allem damit die Jungpflanzen anwachsen. Wünschenswert wäre mehr Forschung zum Klimawandel, zu wassersparenden Anbaumethoden und Sorten, die in Zukunft längere Trockenheitsphasen überstehen können.

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