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    Würzburg

    Lange hat's gedauert: Der Weg vom Nautiland zum Nautiland

    Bis die Würzburger ihr neues Bad bekamen, das an diesem Sonntag öffnet, waren viele Steine aus dem Weg zu räumen. Warum vieles ganz anders kam, als geplant.
    Das neue Nautiland-Bad kurz vor der Eröffnung aus der Drohnen-Perspektive. Die Außenanlagen werden erst im Frühjahr fertig. Nebenan die im vergangenen Jahr nach einer Runderneuerung eröffnete Eisbahn. 
    Das neue Nautiland-Bad kurz vor der Eröffnung aus der Drohnen-Perspektive. Die Außenanlagen werden erst im Frühjahr fertig. Nebenan die im vergangenen Jahr nach einer Runderneuerung eröffnete Eisbahn.  Foto: Berthold Diem

    Wenn sich am kommenden Sonntag die ersten Schwimmfreunde ins Wasser des neuen Nautiland-Bades in der Zellerau stürzen, geht eine lange wie gleichzeitig kurze Baugeschichte zu Ende. Kurz, weil das neue Bad samt großer Saunaanlage in nur zwei Jahren entstand - lang, weil es gefühlt ewig dauerte, bis der Stadtrat im Juli 2016 nach etlichen Diskussionen und Planungsspielen den kompletten Neubau des Schul-,Sport-,Familien- und Freizeitbades am Nigglweg auf den Weg brachte. Jahrelang sah es nicht danach aus.        

    Zur Erinnerung: So sah das alte Nautiland-Bad aus. Die Luftaufnahme stammt aus dem Jahr 2007.
    Zur Erinnerung: So sah das alte Nautiland-Bad aus. Die Luftaufnahme stammt aus dem Jahr 2007. Foto: Norbert Schwarzott

    Das alte Nautiland-Bad entstand 1990 auf der Basis des 1973 eröffneten Zellerauer Schwimmbades, gestaltet als Erlebnisbad mit großer Rutsche, Dampfbad Sauna, Sprudelbecken und Schiebdach über dem Hallenbad. Doch der Badespaß war für die Stadt ein teurer, bereits ab Ende der Neunziger Jahre war die ungewisse Zukunft des Bades ein Dauerthema im Rathaus. Das verschärfte sich umso mehr, als die zum Teil noch aus Siebziger Jahren stammende Technik für Sanierungsbedarf und steigende Unterhaltskosten sorgte.

    Noch relativ wenig zu sehen: die Nautiland-Baustelle Nautiland Anfang März 2018.
    Noch relativ wenig zu sehen: die Nautiland-Baustelle Nautiland Anfang März 2018. Foto: Berthold Diem

    Im Jahr 2000 gab es erstmals Überlegungen, das Bad wegen fehlender Wirtschaftlichkeit zu schließen. Ein Schritt, den die damalige Oberbürgermeisterin Pia Beckmann (CSU) im Herbst 2002 konkret forderte, doch bei Stadträten scheiterte. Gerettet war das Nautiland damit noch lange nicht, sondern bekam immer nur Schonfristen - und statt Investitionen nur die nötigsten Reparaturen bei rückläufigen Besucherzahlen.

    Als es 2004 erneut auf dem Prüfstand stand, gab es massiven Protest, unter anderem mit 3000 Unterschriften gegen die drohende Schließung. Der Kampf ums Nautiland manifestierte sich 2006, als das Bad erneut auf der Streichliste stand, in dem von der SPD initiierten  "Aktionsbündnis für den Erhalt von Nautiland-Bad und Eisbahn" - ein parteiübergreifender Interessenkreis von Badnutzern, vornehmlich Gruppen und Vereine.

    Der bumerangförmige Grundriss ist schon zu erkennen: das enstehende Nautiland-Bad Ende August 2018.
    Der bumerangförmige Grundriss ist schon zu erkennen: das enstehende Nautiland-Bad Ende August 2018. Foto: Berthold Diem

    Doch erst im Herbst 2009, nachdem man zuvor als Alternative noch ein neues Hallenbad neben dem Dallenbergbad in Erwägung gezogen hatte, war die Schließung vom Tisch. Die Stadträte beschlossen einstimmig, das sanierungsbedürftige Nautiland zu einem "marktgerechten Familien- und Freizeitbad mit Saunaanlage" um- und auszubauen. Die geplante Neugestaltung sollte im Zeichen des Rotstiftes erfolgen, die 2200 Quadratmeter Wasserflächen auf 1100 Quadratmeter halbiert werden.  Vor allem im Freibadbereich sollten die Becken kleiner werden oder komplett wegfallen, was die CSU kritisierte, letztlich aber auch passierte.

    Ein kompletter Neubau statt Generalsanierung

    Was nicht passierte: Kurz bevor die Generalsanierung beschlossen werden sollte, stellte man fest, dass ein kompletter Neubau mit veranschlagten 24,4 Millionen Euro nur knapp eine Million teurer käme als die Generalsanierung. So gaben im Sommer 2016 Aufsichtsrat der WVV-Tochter Bädergesellschaft und der Stadtrat einstimmig der Variante Neubau den Vorzug. Damit sind mittlerweile alle Beteiligten glücklich, wenngleich das neue Bad mit 34 Millionen Euro weitaus teurer kommt als ursprünglich kalkuliert. Den enormen Kostenzuschlag haben laut Bäder-Chef Jürgen Athmer vor allem stark gestiegene Baupreise, aber auch die unerwartet teure und aufwändige Entsorgung des Baumaterials des alten Nautiland verursacht.        

    Schon fast überdacht: das neue Nautiland im Dezember 2018. 
    Schon fast überdacht: das neue Nautiland im Dezember 2018.  Foto: Berthold Diem

    Dessen Abriss erfolgte zwischen April und November 2017, die Arbeiten für das neue Nautiland, das ursprünglich einen neuen Namen bekommen sollte, begannen unmittelbar danach. Im März 2018 war Grundsteinlegung, im Oktober 2018 Richtfest. Nachdem 11 000 Tonnen Beton und 900 Tonnen Stahl für das markante bumerangförmige Gebäude verbaut wurden, der Schwimmbereich und die davon getrennte Sauna-Anlage ihren zweiwöchigen Probebetrieb fast hinter sich haben, steht jetzt die Eröffnung an: am Samstag die offizielle mit geladenen Gästen, Reden und Schlüsselübergabe, am Sonntag dann die tatsächliche, bei der ab 9 Uhr (Sauna ab 10 Uhr) jedermann testen kann, ob sich der alte Spruch "Was lange währt, wird endlich gut" auch beim neuen Nautiland bewahrheitet.                       

    Mit geschlossenen Dach und dem kleinen Bumerang-Bau als Pendant im Saunabereich: die Nautiland-Baustelle im Juli 2019.
    Mit geschlossenen Dach und dem kleinen Bumerang-Bau als Pendant im Saunabereich: die Nautiland-Baustelle im Juli 2019. Foto: Berthold Diem
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