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    Würzburg

    Laser: Wie ein Tattoo wieder endgültig verschwinden kann

    Dr. Tilmann Bohne zeigt an einer seiner Mitarbeiterinnen, wie die Tattooentfernung mit dem Lasergerät funktioniert. Foto: Patty Varasano

    Dr. Tilmann Bohne setzt die Schutzbrille auf und nimmt das Lasergerät in die Hand. Aus einem Schlauch strömt eiskalte Luft, die den Schmerz der Patientin lindern soll. "Achtung, jetzt geht's los", warnt er die junge Frau, die anonym bleiben möchte. Mit vorsichtigen Bewegungen führt er den Laserstrahl über das Tattoo an der Innenseite ihres Fußes. Eine besonders schmerzhafte Stelle. "Es fühlt sich so an, als ob jemand mit einer Nadel in die Haut sticht. Aber es ist aushaltbar", sagt die Patientin. 

    Erst nach ein paar Tagen wird das Ergebnis der Behandlung sichtbar werden. Zur dritten Sitzung ist die Patientin in der Praxis, der Schriftzug ist bereits leicht verblasst. Dr. Bohne ist zufrieden: "Für das dritte Mal sieht es schon sehr gut aus." In leicht verschnörkelter Schrift ist "With faith comes hope" (Mit dem Glaube kommt die Hoffnung) aber noch deutlich zu lesen. Eine Art Jugendsünde, so die Patientin: "Ich habe mir das vor zehn Jahren stechen lassen, heute finde ich es nicht mehr schön. Es muss auf jeden Fall weg."

    Bei der Jobsuche kann ein Tattoo hinderlich sein

    Seit 2005 leitet der Dermatologe Dr. Bohne gemeinsam mit seiner Frau Dr. Anette Bohne das Cutis Laserzentrum Würzburg. Die Tattooentfernung hatte schon sein Vorgänger angeboten. In der Praxis wird mit einem Picosekundenlaser gearbeitet, dem höchsten Standard, den es derzeit auf dem Markt gibt. Zwischen fünf und fünfzehn Sitzungen werden benötigt, bis das Tattoo endgültig verschwunden ist. Der Laser erzeugt mit sehr kurzen Impulsen von einer Picoskeunde, also einer Billionstel Sekunde, besonders viel Hitze in den Farbpigmenten des Tattoos. Die Pigmente werden so in immer kleinere Farbpartikel zerschossen, bis der Körper sie abtransportieren kann.

    Allerdings verlassen die Partikel den Körper nicht, sondern wandern in die Lymphknoten, wo sie dauerhaft abgelagert werden. Das passiert laut dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) oft schon beim Tätowieren selbst, hinsichtlich der gesundheitlichen Folgen sieht das BfR hier noch Forschungsbedarf.

    Mit dem Picosekundenlaser werden die Farbpigmente in kleine Partikel zerschossen. Foto: Patty Varasano

    Tattoos werden nicht nur aus kosmetischen Gründen entfernt. Auch Menschen, die ihren Traumberuf ausüben möchten, lassen sich ihr Tattoo weglasern. "Zu uns kommen Patienten, die ein Tattoo haben, aber bei der Polizei anfangen wollen. In Bayern dürfen Polizisten keine sichtbaren Tattoos tragen", erklärt Bohne. Tattoos an den Armen werden beim Tragen der Sommeruniform sichtbar - daher müssen sie weg. Vor fünf Jahren wurde einem Polizist aus Mittelfranken verboten, den Schriftzug "Aloha" auf seinen Unterarm tätowieren zu lassen. Der Beamte hatte dagegen geklagt, der Fall ist mittlerweile vor dem Bundesverwaltungsgericht.

    Fast jeder achte Deutsche ist mittlerweile tätowiert

    Das Cutis Laserzentrum Würzburg ist einer von 26 Standorten in Deutschland, an denen mit dem Picosekundenlaser gearbeitet wird. Entsprechend groß ist das Einzugsgebiet: Die Patienten kommen auch aus Baden-Württemberg und Thüringen. Täglich werden im Laserzentrum Behandlungen zur Tattooentfernung durchgeführt. Laut Bohne liegt das daran, dass immer mehr Menschen tätowiert sind: "Der Tattoo-Boom ist noch nicht zu Ende. Ich bin nach wie vor erstaunt, wenn ich höre, wie viele Menschen ein Tattoo haben."

    In Deutschland ist das mittlerweile fast jeder achte, sagt Dr. Verena Frings, Fachärztin für Dermatologie an der Uniklinik Würzburg. Man könne nicht sagen, dass Tattoos generell schädlich sind. Durch unsachgemäße Desinfektion der Hautstelle, unsterile Tätowiernadeln oder verunreinigte Tätowierfarbe kann es allerdings zu Infektionen kommen. In professionellen Studios ist das Infektionsrisiko gering, sagt Frings: "Hier wird steril gearbeitet und die frisch tätowierten Hautstellen werden anschließend ordnungsgemäß versorgt."

    Ordnungsgemäß bedeutet: Das Tattoo wird nach dem Stechen desinfiziert und mit einer Wundsalbe eingecremt. Anschließend muss eine sterile Wundauflage für mehrere Stunden aufgelegt werden. Frisch tätowierte sollten Sonneneinstrahlung meiden und auf Schwimmbadbesuche verzichten. Viele Tattoostudios geben ihren Kunden ein Merkblatt mit Pflegehinweisen mit nach Hause.

    Ein Tattoo als Urlaubsmitbringsel ist meist keine gute Idee

    Frings rät, sich nicht von Amateuren oder außerhalb Europas tätowieren zu lassen: "Bakterielle und virale Infektionen sind hier die größten Risiken. Im Ausland wird dem Farbstoff häufig Para-Phenylendiamin zugesetzt. Dieser Stoff kann Kontaktallergien auslösen und ist daher in Europa für Tattoos und Henna-Tattoos verboten." 

    Bei der Tattooentfernung kann es ebenfalls zu Nebenwirkungen kommen. Früher wurden viele Tätowierfarben aus Autolack zusammengemischt, erzählt Bohne. Das ist mittlerweile verboten, kann aber bei der Entfernung eine Rolle spielen: So können laut dem BfR giftige Spaltprodukte entstehen, die sich dann im Körper befinden. Auch stark gebräunte Haut kann ungewünschte Reaktionen hervorrufen. "Man muss Nebenwirkungen wie Blasenbildung oder Verbrennungen erkennen und behandeln können. Ein Laser gehört nicht in Laienhände", so Bohne.

    Diese Ansicht vertritt auch der Bundesrat: Ende letzen Jahres wurde mit dem neuen Strahlenschutzgesetz beschlossen, dass künftig nur noch approbierte Ärzte Laserbehandlungen zur Tattooentfernung anbieten dürfen. Das Gesetz tritt 2020 in Kraft. Bislang konnte jeder diese Behandlung anbieten, der einen Laserschutzkurs besucht hatte und ein Lasergerät besitzt.

    Bohnes Patientin hatte sich bewusst gegen die Entfernung in einem Tattoostudio entschieden. Sie wollte sich von einem Arzt behandeln lassen: "Dafür zahle ich auch gerne mehr Geld." Der Preis für die Entfernung ist von der Komplexität des Tattoos abhängig. "Alleine das Gerät einzuschalten, kostet uns schon 150 Euro", so Bohne. Bei zehn Sitzungen kommen so schnell mehrere Tausend Euro zusammen.

    Die junge Frau trägt außer dem Schriftzug keine weiteren Tattoos. "Lassen Sie sich bloß kein Tattoo stechen", sagt sie und lacht. Dr. Bohne überrascht dieser Ratschlag nicht: "Das höre ich häufig von meinen Patienten." Nach fünf Minuten ist er mit der Behandlung fertig. Seine Mitarbeiterin streicht eine anti-entzündliche Salbe auf die Stelle am Fuß. Jetzt muss das Tattoo vor Sonneneinstrahlung geschützt werden, bis in vier bis sechs Wochen die nächste Behandlung ansteht.

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