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    Würzburg

    Leaving Spirit: Eine Würzburger Band aus dem Keller

    Der Proberaum ist der Keller des Elternhauses, die Gitarre ist selbst zusammengeschraubt und der Sound erinnert an den Wilden Westen. Eine Würzburger Band im Porträt.
    Die aktuelle Formation der Würzburger Band Leaving Spirit.  Foto: Kilian Schick

    Sie wollen den echten Rock am Leben halten. Und sie wollten ihre Band am Leben halten. Deshalb hat die Würzburger Blues-Rock-Band Leaving Spirit trotz einiger personeller Veränderungen ihr erstes Album veröffentlicht. Am Samstag erscheint die Platte unter dem passenden Titel "Things Change". 

    Die Geschichte der Band begann in der Würzburger Sing- und Musikschule. Florian Eppel und Leo Kürschner schlossen sich gemeinsam mit drei anderen Musikern zur Band Stormbrain zusammen. Etwas später komplettierte Anton Bohne, der sich seine Gitarre aus einzelnen Teilen selbst zusammengeschraubt hat, die Band. Als die restlichen Mitglieder der Band zum Studium in andere Städte zogen, machten sie sich auf die Suche nach neuen Mitgliedern - und wurde an den kuriosesten Orten fündig.

    Der Schlagzeuger kam über eine Kneipentour zur Band

    Felix Möser, den Schlagzeuger, lernte Eppel auf der Ersti-Kneipentour der Würzburger Uni kennen. Bei einem Bier erzählte der aus Fulda stammende Musiker, dass er Schlagzeug spielt. Sofort wurde Eppel hellhörig, denn für sein neu zusammengestelltes Kollektiv, das sich jetzt Leaving Spirit nennt, brauchte er noch einen Schlagzeuger. "Ich bin dann mal vorbeigekommen und habe sofort gemerkt, dass es passt", so Möser. Der neue Gitarrist Linus Glaesemer kam über eine Facebook-Gruppe zur Band und die neue Frontsängerin Paula Frecot lernten sie bei der Gitarrennacht in der Musikschule kennen.

    Der Name Leaving Spirit ist eine Hommage an ihre Vorbilder. Dazu zählt Eppel auch Led Zeppelin. In deren Song "Stairway to Heaven" singt die britische Rockband die Zeile "My spirit is crying for leaving". Auch in anderen Songs von Leaving Spirit gibt es kleine Sequenzen, die an Bands erinnern, die den Sound der Würzburger Formation beeinflussen.

    "Wenn man die aktuellen Charts anschaut, ist da nicht mehr viel mit handgemachter Rockmusik."
    Florian Eppel

    Wenn man der Band beim Proben im Keller von Eppels Elternhaus zuhört, fühlt man sich schnell wie im Wilden Westen. "Wir wollen echte Rockmusik machen", erklärt der Physik-Student. "Wenn man die aktuellen Charts anschaut, ist da nicht mehr viel mit handgemachter Rockmusik." Deshalb lautet das Motto der Band auch "Keep rockin alive".

    Der Charme entsteht dabei durch die widrigen Umstände. Im Probenraum stehen neben dem Schlagzeug die Playmobil-Figuren aus der Kindheit. Im Regal stapeln sich die Benjamin Blümchen-Kassetten, während Leaving Spirit zwischen hartem Rock und gefühlvollem Blues hin- und herspringt. "Unser Sound ist so sechziger und siebziger Jahre-Rock und dann bin ich auch ein bisschen auf die Blues-Schiene gekommen. Außerdem haben wir ein paar Einflüsse aus dem Southern Rock und ein bisschen Country", beschreibt Eppel.

    Nach dem neuen Album folgt die Pause

    Mit dem neuen Album wollen sie nun auf sich aufmerksam machen. "Das wichtigste ist, dass unsere Musik gehört wird, dass die Leute Spaß haben und, dass wir Spaß machen", meint Eppel. Wenn man die Band hören will, muss man sich aber in nächster Zeit mit Streaming-Diensten oder der CD zufriedengeben. Weil Eppel ins Auslandssemester nach Texas geht und die Sängerin Paula Frecot nach ihrem Abitur ebenfalls ins Ausland geht, gibt es vorerst eine Live-Pause. 

    Denn auch das gehört zu Leaving Spirit. Für alle Bandmitglieder ist die Musik ein Hobby. Die Jungs studieren oder gehen noch zur Schule. Einmal die Woche treffen sie sich zur Probe, vor Auftritten manchmal häufiger. Dann spielen sie die Songs ein oder denken sich spontan was Neues aus. "Der Refrigerator Blues ist uns zu später Stunde während einer Probe eingefallen, weil ein alter Kühlschrank in unserem Proberaum steht", erzählt Bassist Linus Glaesemer. 

    Wir wollen uns mal zwei bis drei Wochen Zeit nehmen. Ein neues Album machen oder ein bisschen auf Tour gehen."
    Florian Eppel

    Für die Texte sind meistens Eppel und der zweite Gitarrist Leo Kürschner verantwortlich. "Ich probiere was aus, nehme es auf, bastel es zusammen und höre es mir an. Dann singe ich ganz grässlich drüber und präsentiere es den anderen in der Probe. Und dann wird eigentlich alles nochmal geändert", so Eppel. "Der Text ist immer das schwierigste."

    Bei Leaving Spirit kehrt nun erst einmal Ruhe ein. Die Produktion des Albums hat viel Zeit in Anspruch genommen und die Musik soll nun gehört werden, aber für nächstes Jahr haben sie schon wieder große Pläne. "Wir wollen uns mal zwei bis drei Wochen Zeit nehmen. Ein neues Album machen oder ein bisschen auf Tour gehen", sagt Eppel. Wahrscheinlich sogar mit der gleichen Besetzung.

    Beim Titel fürs neue Album könnten sie sich dann wieder bei Led Zeppelin bedienen. Deren siebtes Studioalbum heißt Presence, also Gegenwart. Denn Leaving Spirit bringt die siebziger Jahre ins Hier und Jetzt - aber auf eine angenehme Art und Weise.

    Im Keller des Elternhauses von Florian Eppel proben und schreiben sie neue Songs. Foto: Kilian Schick
    Das Album Things Change ist das erste Album der Würzburger Band. Foto: Paula Frecot

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