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    Würzburg

    Leitartikel: Ein Stadion erhebt sich gegen den Rassismus

    Fussball, 3. Liga, SC Preußen Münster - FC Würzburger Kickers
    Leroy Kwadwo (FC Würzburger Kickers) wird von Geschäftsführer Sport Malte Metzelder (SC Preußen Münster 06) getröstet. Foto: Frank Scheuring (foto2press)

    Es gibt keinen Bereich in unserer Gesellschaft, in dem sich Menschen so vieler Hautfarben, Nationalitäten und religiöser Anschauungen gesammelt einem großen Publikum stellen, wie im Profisport. Einem Publikum, dem es größtenteils überhaupt nicht um die Ethnie, Abstammung oder Weltanschauung geht, sondern um die sportliche Leistung. Und genau dieser große Teil der Fans hat sich am Freitagabend beim Drittliga-Spiel Preußen Münster gegen den FC Würzburger Kickers ganz hervorragend verhalten und ein massives Zeichen gesetzt gegen Rassismus und Diskriminierung!

    „Gelebte Zivilcourage“ hat ZDF-Moderator Jochen Breyer das genannt, was in Münster geschehen ist. Nämlich eine Reaktion, wie sie bisher selten zu sehen war: Ein ganzes Stadion erhebt sich gegen Rassismus! Die 5000 Zuschauer ergriffen gemeinsam, schnell und eindeutig Partei für den Beleidigten. Der Mann, der Leroy Kwadwo, Spieler der Würzburger Kickers, mit Affenlauten und Worten verletzt hatte, wurde umgehend festgenommen.

    Es wäre besser gewesen, wenn sportliche Anlässe dafür gesorgt hätten, dass einmal ein Spieler einer Würzburger Mannschaft im Aktuellen Sportstudio zu Gast ist. Aber die Vorfälle riefen zu Recht ein riesiges Echo in Gesellschaft und Medien hervor. Hoffentlich sorgt die zum wiederholten Mal angestoßene Diskussion dafür, dass noch viel mehr Verständnis dafür entsteht, wie wichtig es ist, sich aktiv gegen Rassismus zu wehren.

    Affenlaute und Bananenwürfe

    Es ist eben kein Spaß, wenn dunkelhäutige Spieler mit Affenlauten oder Bananenwürfen beleidigt werden. Handlungen dieser Art sind schwerste Beleidigungen gegen Menschen. Wenn Fußballspieler, wie vor einer Woche der Hertha-BSC-Profi Jordan Torunarigha, mit solchen Widerwärtigkeiten konfrontiert, in Tränen ausbrechen, dann nicht, weil sie zu schwach sind, sondern weil die Angriffe brutal sind.

    Rassismus und Diskriminierung sind leider alltäglich: in Schulen, am Arbeitsplatz, bei Volksfesten, in öffentlichen Verkehrsmitteln. Überall dort, wo verschiedene gesellschaftliche Kulturen aufeinandertreffen, gibt es auch Ablehnung, Beleidigung und Erniedrigung. Selten von der Masse, aber das sollte die Mehrheit nicht davon abhalten, gegen verwerfliche Handlungen eines Einzelnen vorzugehen.

    Auch Witzeleien können diskriminierend sein

    Witzeleien gegenüber vermeintlich Schwachen und Andersartigen sind nichts anderes als Diskriminierung. Verbale Angriffe, auch wenn das Opfer nicht anwesend ist, sind nichts anderes als Beleidigungen. Und überall dort, wo Menschen verachtet, beschimpft und unterdrückt werden, sollte die Zivilcourage jedes Einzelnen einsetzen. Und wenn dies 5000 Fußballfans auf einmal tun, dann zeigen sie: „Wir sind mehr!“

    Rassismus ist kein deutsches Problem. Und Rassismus ist nicht zu reduzieren auf die Nazi-Szene, auch wenn die Schnittmenge zwischen rechtem Gedankengut und der Verachtung andersartiger Menschen außerordentlich groß ist. Rassismus gibt es in allen Ländern und mit umgekehrten Vorzeichen auch in Ländern, in denen Weiße in der Minderheit sind. Umso mehr ist es Aufgabe aller, sich stets dagegen zu wehren, im Großen und im Kleinen.

    Die Vereine und Verbände im Fußball sind gefordert, sich aktiv einzubringen, und tun dies bereits seit Jahren. Massive Strafen, wenn es wieder mal passiert ist, und Prävention stehen fast überall auf der Agenda. Es ist schwer zu beurteilen, wie erfolgreich diese Maßnahmen sind. Fest steht, dass sie fortgesetzt und gelebt werden müssen.

    Die Fans in Münster, die einem Verblendeten die Grenze aufgezeigt haben, haben ein lobenswertes und nachahmenswertes Zeichen gesetzt. Und sie haben dem Menschen Leroy Kwadwo sehr geholfen!

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