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    Würzburg

    Leserforum: Der letzte Akt im Prozess der Auflösung

    Zum Artikel "Reste einer romanischen Mauer entdeckt" vom 10.1.:

    Zum Artikel "Reste einer romanischen Mauer entdeckt" vom 10.1.:

    Auf dem Gelände des Hofes "Zum Kraftschmied" stand das Gasthaus "Marktbärbel" und nach HEFFNER "ehemals das Gasthaus zur Traube". Der Nachkriegsbau des Vorderhauses in der Blasiusgasse 3 und der historische Bau des Hinterhauses, dessen Außenmauern wie durch ein Wunder Bombardierung und Wiederaufbau überstanden hatten, wurden im Dezember 2018 niedergelegt. Der Abriss öffnete auch den Blick auf das Hinterhaus des "Goldenen Helms" – das Vorderhaus ist der Neubau des Optikergeschäfts Kresinsky in der Domstraße 15 –, den allerletzten historischen Rest des durch Domstraße, Schustergasse, Schmalzmarkt und Blasiusgasse begrenzten wohl ältesten Quartiers Würzburgs.

    Die jetzige Grundstückseinteilung in dieser Kernzelle der Stadtwerdung Würzburgs stimmt mit Ausnahme der Zusammenlegungen des 19. Jahrhunderts in der Domstraße weitgehend mit der Aufteilung des Urkatasterplans überein. Im Schutz dieser Strukturen konnten sogar unerwarteterweise die historischen Hinterhäuser der Höfe "Kraftschmied" und "Goldener Helm" das Inferno des Krieges und die Abrißorgien des 19. Jahrhunderts und der Nachkriegszeit überleben.

    Diese kleinstrukturierte mittelalterliche Grundstückssituation ist ansonsten in den Innenbezirken der Stadt nicht mehr vorhanden. Die nun beginnende Zerstörung dieses Quartiers ist der letzte Akt im Prozess der Auflösung der historischen Stadtstruktur der einstmals bedeutendsten Stadt Frankens.

    Dr. Christian Naser 
    97074 Würzburg

    Bearbeitet von Michaela Stumpf

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