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    Würzburg

    Leserforum: Kein Agieren auf gefühlsduseliger Ebene

    Nach dem „Radbeschluss“ hat der Stadtrat die Forderungen des Bündnisses „Verkehrswende jetzt“ übernommen. Und sofort sprechen die Verbände der Industrie-und Handelskammer vom „Verkehrsinfarkt“ und „Kunden sind wertvoll. Es wäre schlimm, wenn sie sich nicht mehr willkommen fühlen“.  Nun müsste mittlerweile auch dem Letzten bewusst sein, dass wir – um die Klimaziele zu erreichen – unsere  Wohlfühlzonen verlassen müssen. Es ist hinreichend bekannt, dass Mobilität einer der Bereiche ist, für die Umweltschützer drastische Veränderungen fordern. Dabei haben Forscher der University of Toronto untersucht, wie sich eine solche Maßnahme – Fahrradwege statt Autoparkplätze – für Verkaufsläden in einer Einkaufsstraße auswirkt. Sie ersetzten 136 Autoparkplätze auf einem 2,4 Kilometer langen Abschnitt mit Radwegen. Lokale Ladenbesitzer befürchteten, dass ihre Verkäufe zurückgehen würden. Die gute Nachricht: nach dem Umbau kamen mehr Shopper in diese Straße und gaben ihr Geld aus. „Die Anzahl von Läden, die berichteten mehr als 100 Kunden pro Tag zu haben, erhöhte sich signifikant für Restaurants, Bars und Einzelhandelsgeschäfte, samstags und unter der Woche.“ Der Anteil von Kunden, die mit dem Auto zum Einkaufen kamen, blieb nach dem Umbau konstant bei etwa neun Prozent. Der Anteil von Radfahrern stieg hingegen von acht auf 22 Prozent. Sicher ist diese Studie nicht auf jede Stadt übertragbar, aber sie zeigt, dass es unverantwortlich ist, die verschiedenen Zielgruppen zu bewerten und gegeneinander aufzurechnen und dabei auf einer gefühlsduseligen Ebene zu agieren.

    Barbara Meyer
    97072 Würzburg

    Bearbeitet von Lena Berger

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