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    Würzburg

    Leserforum: Staatstheater in Würzburg ist lange überfällig

    Zum Artikel "Weichen für ein Staatstheater sind gestellt" vom 25. September erreichte die Redaktion folgender Leserbrief.

    Dass das Mainfranken Theater in Würzburg zum Staatstheater erhoben und damit aufgewertet werden soll, ist eine gute Nachricht, aber es ist auch eine längst überfällige Maßnahme. Überfällig deshalb, weil die Theaterförderung in Bayern seit Jahrzehnten von einer ungerechten Schieflage geprägt ist.

    Diese Schieflage besteht strukturell zwischen den staatlichen und den nichtstaatlichen Theatern in Bayern und ist zum Beispiel in der Drucksache 14/3736 des Bayerischen Landtages detailliert dokumentiert. Daraus geht hervor dass zum Beispiel im Jahr 2000 für drei staatliche Bühnen in München 194,5 Mio. DM aus dem Staatshaushalt bereitgestellt wurden, während den 42 nichtstaatlichen Theatern im restlichen Bayern lediglich 88,5 Mio. DM gewährt wurden. An dieser Schieflage hat sich bis in die Gegenwart nichts wesentlich geändert.

    Natürlich sehe ich ein, dass die hervorragenden Staatstheater in der Landeshauptstadt auf „Champions-League-Niveau“ gehalten werden sollen, also für jeden internationalen Vergleich gerüstet sind. Daneben steht jedoch der Verfassungsrang (Art. 3) der gleichwertigen Lebensverhältnisse und Arbeitsbedingungen in ganz Bayern. Das bedeutet nun mal, dass der Freistaat die Theaterförderung in ganz Bayern gleichrangig zu betreiben hat. Schließlich zählen kulturelle Angebote und damit Theater zu den weichen Standortfaktoren, die für Standortentscheidungen von Unternehmen zunehmend an Bedeutung gewinnen, also für die Lebensverhältnisse und Arbeitsbedingungen besonders relevant sind. Die oben dargestellten Zahlen widersprechen dem Anspruch auf gleichwertige landesweite Förderung jedoch gewaltig. Ein Staatstheater in Würzburg ist so gesehen lediglich ein längst überfälliger erster Schritt, dem weitere Schritte in den anderen benachteiligten Regierungsbezirken folgen müssen.

    Gerhard Hartmann
    97234 Reichenberg

    Bearbeitet von Nico Christgau

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