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    Unterpleichfeld

    Lesetag: Warum Wissen wichtig ist fürs Lesen

    Beim 3. unterfränkischen Lesetag ging es auch um die Leseförderung von Kindern (von likns): Detlev Aster, Vorsitzender Mentor Würzburg, Schulamtsdirektorin Claudia Vollmer, Andrea Pohlmann-Jochheim, Mentor Bundesverband, Konrektorin Brigitte Umkehr, Rektor Jens Dietzsch (beide Pleichachschule) und Günther Mensch von der Regierung von Unterfranken (von links) halten dies für sehr wichtig. Foto: Wilma Wolf

    Zum dritten Mal fand der unterfränkische Lesetag für Lehrer in Unterpleichfeld statt. Rund 120 Lehrerinnen und Lehrer aller Schularten waren dazu in die Pleichachschule gekommen. "Meine Schüler verstehen die Texte nicht, was kann ich tun?". In seinem Vortrag erläuterte Professor Josef Leisen, em. an der Universität Mainz, anschaulich und fachlich fundiert die wissenschaftlichen Grundlagen des Lesen lernens. Den Lehrern gab er Rüstzeug an die Hand, damit Schüler einen Text nicht nur lesen, sondern auch verstehen.

    "Geben Sie den Kindern Wissen, denn das ist wichtig für das Lesen", sagte er. Die Lehrer müssten alles tun, damit Schülerinnen und Schüler lesekompetent werden.  Denn ohne Lesekompetenz gebe es kein erfolgreiches Lernen. Doch wie führt man die Kinder im Unterricht an das Lesen von Sach- und Lehrbuchtexten zum Zwecke des Lernens heran? Leisen zeigte eindrucksvoll anhand von Beispielen, wo die Verstehensschwierigkeiten liegen und warum das verstehende Lesen oft misslingt.

    Aufgaben geben, die erfolgreich lösbar und variantenreich sind

    "Die Schülerinnen und Schüler setzen sich nämlich nicht intensiv genug mit dem Text auseinander", nannte er als Grund. Damit sie das aber tun, müsse man ihnen Aufgaben geben, die für sie "erfolgreich lösbar und variantenreich sind -  mal zeichnen, mal unterstreichen, mal markieren, mal was herausschreiben". Durch solche sinnvollen Leseaufträge beschäftigen sich die Schüler mehrfach mit dem Text und so entstehe Textverstehen. An einem konkreten Beispiel zeigte Leisen, wie gute Leseaufträge formuliert werden. "Diese starten niederschwellig und werden zunehmend anspruchsvoller, so dass jeder auf seinem Niveau erfolgreich ist", sagte er.

    Da aber Lesen einsam sei, sollte es hinterher auch noch einen kollektiven Austausch in der Klasse geben, meinte der Professor. Allerdings müsse während des einsamen Lesens absolute Ruhe herrschen, sonst könne man sich nicht auf die gestellten Aufgaben konzentrieren. Und es sei sehr wichtig, dass das intensive Lesen im Unterricht geübt werde.

    Ums Lesen üben geht es auch beim Bundesverband "Mentor – Die Leselernhelfer"

    Ums Lesen üben geht es auch beim Bundesverband "Mentor – Die Leselernhelfer", der mit einem Stand in der Aula der Schule vertreten war. "Unser Ziel ist, dass jedes Kind, unabhängig von seiner kulturellen und sozialen Herkunft, eine Chance auf gesellschaftliche Teilhabe erlangt. Dazu gehört ein Schulabschluss, der seiner tatsächlichen Begabung entspricht", sagte Andrea Pohlmann-Jochheim, zuständig für die Qualifizierung bei Mentor.

    Bundesweit agieren 80 Vereine und zehn angeschlossene Initiativen unter dem Dach des Verbandes. Bundesweit fördern derzeit etwa 11 500 ehrenamtliche Mentorinnen und Mentoren 15 000 Kinder und Jugendliche in 1600 Schulen in 300 Orten (Schuljahr 2017/18). In Würzburg befindet sich der Verein derzeit noch in Gründung und soll diese Woche an den Start gehen. Detlev Aster aus Randersacker wird der erste Vorsitzende sein. Einige Freiwillige haben sich gefunden, um das Mentor-Prinzip um zu setzen. Aber was heißt das?

    Barrieren abbauen und Lust aufs Lesen machen, ist die Devise

    "Ein Leselernhelfer soll ein Kind eine Stunde pro Woche mindestens ein Schuljahr lang beim Lesen unterstützen", erklärt Aster. Dabei ist es den Mentor-Mitgliedern ganz wichtig, dass dies keine Konkurrenz zu den Lesepaten, die es an vielen Schulen gibt, sein soll, sondern eine Ergänzung. Denn es gebe genügend Bedarf. Das Prinzip von Mentor sei zudem etwas anders. "Wir lesen nicht vor, sondern wir lassen lesen und unterstützen beim Lesen lernen", sagt Aster weiter. Und immer nur mit einem Kind. Es sei aber keine ehrenamtliche Nachhilfeeinrichtung, betont er.

    An der Adalbert-Stifter-Schule in der Sanderau soll schon bald das erste Mentor-Pilotprojekt in Würzburg starten. Schulamtsdirektorin Claudia Vollmer begleitet das Vorhaben sehr wohlwollend. "Ich denke, wir sind damit auf dem richtigen Weg, Leseförderung ist das A und O", meint sie. Und der Bedarf sei enorm. Barrieren abbauen und Lust aufs Lesen machen, sei die Devise.

    Organisiert wurde der Lesetag vom Arbeitskreis Leseförderung und Schulbibliotheksarbeit der Regierung von Unterfranken, allen voran Brigitte Umkehr, Konrektorin an der Pleichachschule und Lesebeauftragte für Unterfranken.

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