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    Greußenheim

    Letzte Bewohner verlassen dezentrale Unterkunft in Greußenheim

    Nur wenige Habseligkeiten haben sich bei Omar Baraczani und Zaenelabin Abou Mraisch während ihrer Unterbringung in der nun geschlossenen dezentralen Unterkunft in Greußenheim angesammelt. Die Bewohner wurden von der "guten Seele" der Einrichtung Rita Sawenko (links) und Bürgermeisterin Karin Kuhn (rechts) verabschiedet. Foto: Herbert Ehehalt

    Zur Unterbringung von Flüchtlingen war die leer stehende Grundschule in Greußenheim im Sommer 2015 zur Notunterkunft umfunktioniert worden. In Kleinbussen der Malteser und Johanniter trafen die ersten Bewohner im Juli 2015 in der Landkreisgemeinde ein. Die später für anerkannte Asylbewerber zur dezentralen Unterkunft umgewandelte dauerhafte Bleibe wurde kürzlich geschlossen. Die zuletzt verbliebenen drei Bewohner wechselten nach behördlicher Abstimmung ihren Aufenthaltsort in die dezentrale Unterkunft nach Uettingen.

    Gemeinde plant Neubau

    Ein kleines Stück Heimat, mindestens aber Schutz und Sicherheit vor kriegerischen Auseinandersetzungen in ihren Herkunftsländer, und auch Arbeit fanden zahlreiche Flüchtlinge in Greußenheim. Das leer stehende Gebäude war durch die Gemeinde nach der sich abzeichnenden Migrationsbewegung umgebaut worden. Die ehemaligen Klassenzimmer wurden durch Trennwände in unterschiedlich große Räume aufgeteilt. Vor allem junge Familien fanden hier ein Dach über dem Kopf. Die Umwandlung in eine dezentrale Unterkunft erfolgte bereits im Oktober 2015.

    Anerkannten Asylbewerbern stand das Gebäude damit als Wohnraum zur Verfügung. Die ehemalige Grundschule war mit bis zu sechzig Personen vollständig ausgelastet. Weil nur noch drei junge Erwachsene einquartiert waren und die Gemeinde den Abriss zum Neubau eines "Haus der Begegnung" an gleicher Stelle plant, werden diese Bewohner nun nach Uettingen umziehen.

    Schwerer Abschied

    Allen Beteiligten fiel der Abschied schwer. Rita Sawenko hatte sich von Beginn an ehrenamtlich intensiv eingebracht in die Betreuung. Mit Eintreffen der ersten Geflüchteten im Juli 2015 fungierte sie als Ansprechpartnerin und Vermittlerin zwischen Bewohnern, Gemeinde und Behörden. Zunächst organisierte Sawenko die Essensausgabe und Einkäufe. Den Bewohnern der dezentralen Unterkunft stand sie unter anderem bei der Vermittlung von Sprachkursen, Arbeitsplätzen und Wohnungen zur Seite. Zudem stellte sie erste Kontakte für Kinder in Kindergarten und Schule her. Diesem, Sawenkos außergewöhnlichen Engagement entsprechend, galt auch der Dank von Bürgermeisterin Karin Kuhn (BMG).

    Die drei Bewohner der nun geschlossenen Unterkunft in Greußenheim waren der 25-jährige Omar Baraczani, der 31-jährige Zaenelabin Abou Mraisch und dessen Bruder. Von seinem neuen Unterbringungsort Uettingen hat es Omar Baraczani glücklicherweise nicht weit bis zu seinem Arbeitsplatz in einer Niederlassung der Online-Druckerei Flyeralarm in Greußenheim. Für Zaenelabin Abou Mraisch bedeutet der Umzug eine Fortsetzung seiner bisherigen Odyssee. Diese begann für den heute 31-jährigen Syrer mit der Flucht als Elf-Jähriger über Dubai, Libanon, das türkische Izmir bis nach Deutschland. Begleitet wurde er dabei von sechs seiner 13 Geschwister. Die restlichen Geschwister und Eltern befinden sich noch immer in Aleppo, einer Grenzstadt zur Türkei.

    Im Landkreis Würzburg gibt es nach Auskunft der Regierung von Unterfranken (Stand 30. Oktober) 27 dezentrale Unterkünfte mit insgesamt 351 Bewohnern.

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