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    Mädelhofen

    Mädelhofen: Königstiger im Wald

    Die Waldwege im Gebiet Mühlart sind derzeit wegen Holzfällarbeiten komplett gesperrt. Die bayerischen Staatsforsten bitten um Beachtung Foto: Matthias Ernst

    "In diesem Sommer haben wir ein Klima gehabt, wie in Odessa an der Schwarzmeerküste", sagte Michael Grimm stellvertretender Betriebsleiter den bayerischen Staatsforsten in Arnstein. Das habe den heimischen Bäumen schwer zugesetzt.

    Um die schlimmsten Schäden zu beheben und vor allem um die Waldwege zu sichern, führt der Forstbetrieb im Staatswald in der Gemarkung Mühlart in Mädelhofen Baumfällarbeiten bis Mitte Oktober durch. Deshalb ist das Gebiet weiträumig abgesperrt und die Waldwege entsprechend gekennzeichnet.

    Es werden nur die Bäume entnommen, die stark geschädigt sind, so Grimm. Vor allem Buchen sind in diesem Jahr besonders betroffen und teilweise schon abgestorben. Herabfallende Äste können Menschen verletzen oder sogar töten.

    Auch die nicht mehr standfesten Bäume sollen gefällt werden. Das alles kann aus Sicherheitsgründen nicht mehr durch Waldarbeiter allein erfolgen. "Die Arbeit wäre einfach zu gefährlich", so Grimm weiter.

    So kommt eine spezielle Erntemaschine zum Einsatz. Der "Königstiger", wie auf dem Auslegarm steht, ist eine Maschine, die dank ihres Kettenantriebs bodenschonend arbeitet. Und der Auslegearm kann bis zu einer Länge von dreizehn Metern ausgefahren werden, um die Bäume zu fällen. Zusätzlich gibt es noch eine spezielle Haltevorrichtung, sodass der Baum erst von der Wurzel getrennt werden kann und dann dorthin geschwenkt werden kann, wo er ungehindert und ohne Schaden anzurichten, umfallen kann.

    Diese schonende Art der Baumfällung ist etwas teurer, aber für die Arbeitssicherheit unerlässlich, so Grimm. Zusammen mit dem neuen Revierförster für das Gebiet Waldbrunn Lukas Schmidt wurden alle Bäume begutachtet, die gefällt werden müssen. Dabei wurden auch die Biotopbäume neu gekennzeichnet, die, obwohl geschädigt oder bereits abgestorben, stehen bleiben müssen, um beispielsweise als Brutstätte für Höhlenbrüter zu dienen.

    Anders als bei anderen Fällungen bisher will man auch 20 bis 40 Festmeter Totholz im Wald liegen lassen. So schaffe man Rückzugsgebiete für Kleintiere und Insekten oder Käfer. Außerdem werde durch die natürliche Verwitterung die Humusschicht des Waldes verbessert.

    Forstwirtschaftsmeister Peter Rauch achtet bei jedem gefällten Baum darauf, dass er möglichst sanft umfällt. Umherfallende Splitter könnten auch an den Nachbarbäumen Schäden anrichten. Wenn so eine Buche fällt, berichtet er, kann absplitterndes Holz schon mal acht bis zehn Meter weit geschleudert werden. Das sei eine große Gefahr für die Menschen, die trotz Verbot im Wald unterwegs sind.

    Er berichtet von zwei Reiterinnen, denen er begegnet sei, die trotz der Absperrung im Wald mit ihren Tieren unterwegs waren. Sie seien uneinsichtig gewesen, bis er ihnen abgesplitterte Äste und Baumscheiben gezeigt hatte. Michael Grimm bittet daher den Absperrungen Folge zu leisten, da derzeit auch wegen der Herbststürme immer mit herabfallendem Gehölz gerechnet werden müsse.

    Überall wo größere Flächen baumfrei gemacht wurden, wird mit Neupflanzungen versucht den Wald langsam wieder aufzubauen. Selbstverständlich seien Naturverjüngungen zu bevorzugen, aber wo das nicht möglich sei, müsse man eben Setzlinge verwenden. Dabei will man auf eine Vielfalt im Wald bauen, um in Zukunft nicht nur von einer Baumart abhängig zu sein. Derzeit setzt man beispielsweise auf Eichen, Vogelkirsche, Elsbeere und Spitzahorn.

    Mit so einem kettengetriebenen Fahrzeug werden derzeit im Wald bei Mädelhofen gezielt tote und geschädigte Bäume gefällt Foto: Matthias Ernst
    Die gefällten Buchen sind knochentrocken und beim Herabfallen von Ästen oder Baumteilen können diese splittern und weit streuen. Es ist also Vorsicht geboten Foto: Matthias Ernst

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