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    Zellerau

    Männer überfielen im Drogenrausch Taxifahrer

    Ein Taxifahrer wurde bei einer Nachtfahrt in Würzburg überfallen. Jetzt standen die beiden mutmaßlichen Täter vor Gericht. Foto: SymbolDaniel Bockwoldt, dpa

    Die moderne Technik macht's möglich: Bei einem bewaffneten Überfall auf einen Taxifahrer im Würzburger Stadtteil Zellerau haben die Täter nicht bemerkt, dass ihr Opfer während der Tat über sein Smartphone und ein Bluetooth-Headset mit einem Kollegen telefoniert hat. Der informierte die Polizei und fuhr sofort zum Tatort. Die beiden Räuber, 24 und 27 Jahre alt, müssen sich nun wegen schwerer räuberischer Erpressung und schweren Raubes vor dem Landgericht Würzburg verantworten.

    Drogen und Alkohol schon ab dem frühen Morgen

    Der 24-jährige Haupttäter legte am ersten Verhandlungstag vor der 1. Strafkammer ein Geständnis ab. Der mehrfach vorbestrafte Mann hat bereits mehrere Jahre hinter Gittern verbracht. Der Vortag der Tat begann für ihn gleich nach dem Aufstehen mit dem Konsum von Drogen und Alkohol: "So war das immer bei mir", gab er zu Protokoll. Und es ging bis zu dem Überfall in den frühen Morgenstunden des 12. Mai 2018 weiter mit Schnaps, Marihuana, Ecstasy und Amphetaminen. Nach einer Verurteilung durch das Amtsgericht im Frühjahr ist der 24-Jährige derzeit zur Drogentherapie im Bezirkskrankenhaus Lohr untergebracht.

    Auch der 27-Jährige, der an jenem Abend Geburtstag hatte, bekam von seinem Kumpel zur Feier des Tages jede Menge Alkohol und Drogen spendiert: "Wenn ich nüchtern gewesen wäre, dann wäre das nicht passiert", sagte er. Nachdem den beiden Männern und einer Begleiterin gegen 4 Uhr morgens der Zugang zu einem Tanzlokal verweigert worden war, hielten sie ein Taxi an und ließen sich in die Zellerau fahren.

    Fahrer wurde mit einer Softairpistole bedroht

    Als das Taxi dort angekommen war und der Fahrer 9,30 Euro kassieren wollte, packte der 27-Jährige ihn plötzlich von der Rückbank aus am Hals. Gleichzeitig zog der 24-Jährige auf dem Beifahrersitz eine Softairpistole, nahm die Autoschlüssel an sich und verlangte die Einnahmen der Nacht. "Das ist mir spontan eingefallen, als das Taxi zum Stehen kam", sagte er jetzt.

    Dass es sich bei seiner Waffe um eine ungeladene Luftpistole handelte, war für das Opfer nicht erkennbar. "Ich hatte vorher noch nie in meinem Leben eine Waffe gesehen", erzählte der Taxifahrer im Zeugenstand.

    Was die beiden Täter in der Dunkelheit nicht bemerkten: Mit seinem Handy und einem Headset im linken Ohr hatte das Opfer während des Überfalls telefonischen Kontakt mit einem Kollegen und konnte ihn unauffällig zu Hilfe rufen. Trotz Würgegriff von hinten und Pistole in der Nähe der Schläfe "habe ich versucht, sie hinzuhalten, weil mein Kollege unterwegs war", sagte das Opfer.

    Hilfe kam hupend und mit aufgeblendetem Licht

    Dem 24-Jährigen dauerte das zu lange: Er stieg aus, ging um das Taxi herum, öffnete die Fahrertür und schlug dem Fahrer mit der Faust ins Gesicht. Dann nahm er dessen Handy an sich und suchte in der Mittelkonsole nach dem Geldbeutel.

    Als dann das andere Taxi laut hupend und mit aufgeblendetem Fernlicht angefahren kam, ergriffen der 27-Jährige und die Begleiterin die Flucht. Der 24-Jährige konnte von seinem Opfer überwältigt werden. Wenig später war die Polizei vor Ort und nahm ihn in Gewahrsam.

    "Ich bin immer noch gedrillt, dass etwas passieren kann"

    Der Taxifahrer hat die Tat körperlich gut überstanden, leidet aber eineinhalb Jahre später immer noch an den Folgen einer posttraumatischen Belastungsstörung: Unter anderem konnte er sein Studium nicht beenden und fährt nur noch tagsüber Taxi, und auch das nicht ohne Probleme: "Ich bin immer darauf gedrillt, dass etwas passieren kann."

    Die beiden Angeklagten haben sich entschuldigt, beide machen den Alkohol- und Drogenrausch für den Überfall verantwortlich. Das Verfahren gegen den 27-Jährigen wurde am ersten Verhandlungstag abgetrennt. Der Prozess gegen den 24-Jährigen wird Ende November fortgesetzt.

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