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    Würzburg

    Main-Post-Telefonaktion: Tabu-Thema Sucht im Alter

    Wie erkennt man die ersten Anzeichen von Sucht? Was tun, wenn der Partner sich verändert? Wo bekommt man Hilfe? Experten beantworten Ihre Fragen am Dienstag, 22. Oktober.
    Laut der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) sind 400 000 Senioren in Deutschland suchtkrank. Die die Dunkelziffer ist weitaus höher.
    Laut der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) sind 400 000 Senioren in Deutschland suchtkrank. Die die Dunkelziffer ist weitaus höher. Foto: Getty Images

    Alkohol, Tabak, Medikamente, starker Medienkonsum oder Glücksspiel kommen im Alter nicht selten als "Tröster" daher. Doch wo liegt die Schwelle von normalem Genuss zu abhängigem Konsum? Was tun, wenn der Partner oder die Eltern sich verändern? Was sind die ersten Anzeichen für Sucht? Sucht im Alter ist in Deutschland nach wie vor ein Tabuthema und findet oft hinter verschlossenen Türen statt. Auch das Ausmaß wird häufig unterschätzt. Das trägt dazu bei, dass Abhängigkeitserkrankungen älterer Menschen häufig unentdeckt bleiben oder erst sehr spät auffallen. Bei einer Telefonaktion am Dienstag, 22. Oktober, von 16 bis 18 Uhr beantworten Experten von Diakonie, Blauem Kreuz, Caritas und der Altenheimseelsorge Fragen unserer Leser.

    Im Jahrbuch Sucht 2017 der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen steht, dass bis zu 1,9 Millionen in Deutschland abhängig von Medikamenten sind – darunter sind viele im Seniorenalter.
    Im Jahrbuch Sucht 2017 der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen steht, dass bis zu 1,9 Millionen in Deutschland abhängig von Medikamenten sind – darunter sind viele im Seniorenalter. Foto: dpa

    Was ist Sucht?

    Laut der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen e.V. (DHS) sind 400 000 Senioren in Deutschland suchtkrank. Die Dunkelziffer, so schätzen Experten, sei noch wesentlich höher. Sucht ist gemäß der Weltgesundheitsorganisation ein "Zustand periodischer oder chronischer Vergiftung, hervorgerufen durch den wiederholten Gebrauch einer natürlichen oder synthetischen Droge". Süchtige sind körperlich und/oder psychisch abhängig von dieser Droge, beispielsweise von Alkohol oder Tabletten. Auch eine bestimmte Verhaltensweise oder Tätigkeit, wie Glücks- oder Computerspiele oder Fernsehen, können Menschen süchtig machen. 

    Wieso ist Sucht im Alter ein Problem?

    Sucht im Alter ist schwerer zu erkennen. Im Alter leben viele Menschen alleine und haben weniger soziale Kontakte. Eine Suchterkrankung wird daher selten oder oft erst sehr spät, zum Beispiel von Angehörigen oder Ärzten, entdeckt. Sucht bei älteren Menschen ist auch dadurch schwierig zu erkennen, weil ihre Symptome typische Begleiterscheinungen des Alters darstellen. So können Stürze, nachlassende körperliche Leistungsfähigkeit, Antriebs- und Interesselosigkeit oder Stimmungsschwankungen Zeichen einer Sucht sein, aber auch Anzeichen einer Depression, einer Demenz oder ganz normalen Alterns.

    Ein anonymer Spieler an einem Geldspielautomaten in einem Eckkneipen-Lokal.  Mehr als 28.000 Menschen in Bayern sind pathologische Spieler. Die Sucht begleitet die Menschen ein Leben lang.
    Ein anonymer Spieler an einem Geldspielautomaten in einem Eckkneipen-Lokal. Mehr als 28.000 Menschen in Bayern sind pathologische Spieler. Die Sucht begleitet die Menschen ein Leben lang. Foto: epd

    Das sind unsere Experten

    Andreas Fritze, Diakon in Würzburg
    Andreas Fritze, Diakon in Würzburg Foto: Diakonie

    Die Fragen der Leser beantworten vier Experten von Diakonie und Caritas: Diakon Andreas Fritze ist verantwortlicher Seelsorger in mehreren Altenheimen und Seniorenbegegnungsstätten des Dekanats Würzburg. Auch ihn treibt das Thema um, "vor allem, weil man so wenig davon hört“. Laut Prognose der DHS wird die absolute Zahl älterer Erwachsener mit Suchtproblemen angesichts der demografischen Entwicklung noch ansteigen. Zu vermuten sei außerdem, dass der Anteil betroffener Frauen wachsen wird, da die erste Generation Frauen, die Alkohol (und Tabak) ähnlich selbstverständlich konsumiert wie Männer, in den nächsten Jahren die Altersgrenze erreicht.

    Karina Bauer, Leiterin des Blaukreuz-Zentrums.
    Karina Bauer, Leiterin des Blaukreuz-Zentrums. Foto: Diakonie

    Ebenfalls am Telefon ist Karina Bauer, die Leiterin des Blaukreuz-Zentrums Würzburg, einem christlichen Suchthilfeverband. "Das Bewusstsein für gesundheitsschädlichen Konsum zu stärken und Wege aus der Sucht aufzuzeigen und zu begleiten gewinnt in unserer Arbeit immer mehr an Bedeutung", sagt Bauer.  Mit ratsuchenden Betroffenen, Angehörigen oder Freunden erarbeitet sie die jeweilige Lage und bietet konkrete Hilfen an. 

    Claudia Kaufhold, Pressesprecherin der Diakonie Würzburg.
    Claudia Kaufhold, Pressesprecherin der Diakonie Würzburg. Foto: Diakonie

    Claudia Kaufhold ist in der Diakonie Würzburg für Öffentlichkeitsarbeit und Projekte zuständig. Sie wird am Telefon über alle Angebote der Diakonie zum Thema Sucht informieren. Diese reichen von Beratungsdiensten in Würzburg mit Berührungspunkten zum Thema bis hin zu ambulanten und stationären Suchthilfeeinrichtungen und Fachkliniken in ganz Bayern.

    Sina Wunderle von der Caritas Suchtberatungsstelle in Würzburg verstärkt die Expertenrunde.Sie ist Expertin für Suchthilfe, Nachsorge und Wiedereingliederung und leitet die ambulanten Suchtnachsorge im Rahmen eines gruppentherapeutischen Angebotes. 

    Sina Wunderle, Expertin für Suchtberatung
    Sina Wunderle, Expertin für Suchtberatung Foto: Caritas

    Ihre Fragen zum Thema "Sucht im Alter" - Wie kann ich das erkennen? Wo bekomme ich Hilfe? - beantworten diese vier Experten am Dienstag, 22. Oktober, von 16 bis 18 Uhr, auch anonym, unter Telefon (0931) 6001-992

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