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    Margetshöchheim

    Mainlände: Spagat zwischen Aufwertung und Naturnähe

    So sieht grob die beschlossene Planung für den ersten Bauabschnitt aus: kombinierter Rad-Fußweg oben, zum Ufer hin der mäandernde Fußweg und die "Spielinseln"; der hintere Bereich bleibt naturnah. Foto: Planungsentwurf: Büro arc.grün

    Hitzewelle und Hitzköpfe trafen in der jüngsten Gemeinderatssitzung in Margetshöchheim aufeinander. Immer wieder kam es zu einzelnen Wortgefechten. Es ging um Grundsatzbeschlüsse für den ersten Bauabschnitt der Mainlände. Die Planungen im Spannungsfeld zwischen Naturnähe und Aufwertung sorgten gerade zwischen neuem Steg am Sportheim und Steinernem Weg für Zündstoff. Das schlug sich auch in den Abstimmungen nieder: selbst innerhalb der Fraktionen wurde kaum ein Beschluss einig getroffen. Bürgermeister Waldemar Brohm (CSU) sagte, es habe in den elf Jahren seiner Amtszeit kein Thema im Ort gegeben, "das mit so viel Leidenschaft diskutiert wurde".

    Bis zu den jetzigen Entscheidungen war viel Vorlauf nötig, die Fraktionen haben sich oft mit der Mainlände beschäftigt. Fast jedem Plan folgten Planänderungen; Gemeinderat Stefan Herbert (SPD) bemerkte ein "Sammelsurium an Vorschlägen". Dazu gab es für die Bürger eine Versammlung, eine Busreise zu ähnlichen Projekten und eine Begehung am Mainufer, außerdem eine Diskussionsrunde von Bund Naturschutz mit Arbeitskreis Agenda 21 am 11. Juli. Bund Naturschutz und Margetshöchheimer Mitte (MM) fürchteten um die Bäume am Mainufer, die teils als Naturdenkmäler gelten. Der örtliche Baumsachverständige Gerhard Väth gab aber Entwarnung; es sei kein Baum gefährdet, auch an der Verkehrssicherungspflicht ändere sich quasi nichts.

    Wege der zwei Geschwindigkeiten, Spiel und Kunst sind beschlossen

    Um sicherzugehen, wurde der ufernahe "mäandernde Fußweg" in der neuesten Planung noch etwas von den Pappeln weggerückt, wie Geschäftsführer Thomas Wirth vom Planungsbüro arc.grün erläuterte. Damit waren alle Befürchtungen ausgeräumt, dem "mäandernden Fußweg" zur Entschleunigung stimmte die Mehrheit quer durch alle Fraktionen zu. Konsensfähig war auch, dass als schnelle Verbindung zum neuen Steg der jetzige 4,5 Meter breite Asphaltweg beibehalten und dort ein optisch getrennter Fußweg integriert wird. Wie diese optische Trennung aussieht – mit Pigmenten oder abgesetzter Pflasterung – ergab aber einen Patt von 8 zu 8 Stimmen. Arc.grün wird jetzt beide Varianten mit Kostenschätzung ausarbeiten.

    Der nächste Streitpunkt: das sogenannte "Spielband". Die Planung wurde nicht nur von MM, Bund Naturschutz und Agenda 21 sehr kritisch gesehen. Im Lauf der Monate ist die anvisierte Fläche für den Spielbereich deutlich geschrumpft; im neuesten Plan waren statt einem kompakten Spielbereich dann nur noch einzelne "Spielinseln" entlang des mäandernden Fußwegs eingezeichnet. Überraschenderweise sprachen sich die meisten für einen Aktivitätsbereich aus. Beide Varianten fanden Zuspruch, es ging dann denkbar knapp mit 8 zu 7 Stimmen für die Spielinseln aus.

    Kunst integrieren: Verschmelzen von Skulpturen und Spielgeräten?

    Wohlwollen auf allen Seiten fand ein Vorschlag von Brigitte Laudenbacher, den sie im Vorfeld an Einzelne herangetragen hatte: ob sich an der Mainlände nicht Kunst in den öffentlichen Raum integrieren ließe? Aber wie? Sollen Skulpturen und Spielgeräte miteinander verschmelzen oder soll beides getrennt sein, wie es Daniela Kircher von der SPD forderte? Eventuell soll ein Künstlerwettbewerb erhellende Ideen bringen; arc.grün wird ein Konzept mit Kostenschätzung erarbeiten. Insgesamt fand die Idee von Kunst an der Mainlände breite Zustimmung und einig waren sich alle, dass die Spielgeräte fern vom "Eibe-Standard" sein und einen gewissen ästhetischen Anspruch erfüllen sollen. "Kunst ist schön, macht aber Arbeit" zitierte Thomas Wirth den großen Karl Valentin. "Mit der Demokratie ist es ähnlich".

    Einstimmig beschlossen wurde eine Kooperationsvereinbarung der acht ILE-Gemeinden (Integrierte Ländliche Entwicklung), sich bei der Unterbringung von Obdachlosen gegenseitig zu unterstützen. Gemeinden, die eine Unterbringungsmöglichkeit haben, helfen im Notfall jenen, die (noch) keine haben. Wie Brohm erläuterte, ist es eine "Solidaritätserklärung der Gemeinden untereinander". Eine ähnliche Kooperation ist auch für die Bauhöfe angedacht.

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