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    WÜRZBURG

    Manche Pflanzen mögen es heiß

    Mild und gemäßigt ist das Klima in Unterfranken im Allgemeinen und bekannt für seine Niederschlagsarmut. In den vergangenen Jahren machte zudem die Hitze in der Region buchstäblich Schlagzeilen: Kitzingen beispielsweise war schon an etlichen Sommertagen die heißeste Stadt Deutschlands. Der Klimawandel bringt den Weintrauben steigende Öchslegrade und macht die Region für den Rotweinanbau attraktiv. Und die Gartengestaltung hat schon lange den Trockenheit liebenden Garten mit Pflanzen aus dem Mittelmeerraum, aus den Prärien Nordamerikas und den Wüsten der Erde entdeckt.

    Regelrecht ins Schwärmen gerät Gerd Vogg, Kustos des Botanischen Gartens der Würzburger Universität, angesichts seiner mediterranen Felsheide. Sie sei ein Alleinstellungsmerkmal der Einrichtung in Unterfranken. Im warmen Weinbauklima, an kalkigen, heißen Hängen in praller Sonne gedeihen die Pflanzen aus dem Mittelmeerraum prächtig. „Sie blühen in allen Farben, jede Woche anders“, sagt Vogg. „Es ist eine wahnsinnige Schau!“ Der Südhang im Botanischen Garten ist ein Paradies für Wildbienen und Schmetterlinge. Und auch für Menschen ist es ein Vergnügen, durch das intensiv duftende Gelände zu laufen. „Es ist wie eine Reise ins Mittelmeergebiet.“ Vogg ist die Begeisterung anzumerken über die Sammlung von Pflanzen vom westlichen Mittelmeer bis zum Nahen Osten.

    Düfte sind Werkzeuge für Bestäuberinsekten

    Im Frühling duftet der rosafarbene Seidelbast, Junkerlilien und Wolfsmilcharten blühen gelb und gelbgrün, Thymian, Salbei und viele andere Immergrüne bringen mit den Schattierungen ihres Laubes und ungewöhnlichen Blattmustern Struktur ins Bild des Hanges. Vogg erklärt, dass die Düfte, die uns so angenehm in die Nase steigen, Werkzeuge sind. Lockmittel sind sie für Bestäuberinsekten. Als Waffen wirken sie gegen Fressfeinde, wenn sie von ätherischen Ölen aus den grünen Blättern stammen, die manche Tiere dann nicht mögen. Viele Kräuter am Hang haben Dornen als Fraßschutz, weshalb Vogg auch von Dornpolsterheide spricht. Schönheit und Überlebenskampf gehören also zusammen auf dem kargen, steinigen Gelände.

    Der mediterrane Garten kommt mit magerem, trockenem Boden zurecht, aber für Bequeme ist er nicht. Die Felsheide braucht Pflege, damit sie schön wirkt. Im Botanischen Garten wird sie im Winter durch Planen geschützt. Im Frühjahr schneiden die Gärtner Gesträuch heraus, das trotzdem erfroren ist. Und während des ganzen Jahres müssen die niedrigen Sträucher in Form gehalten und Abgeblühtes entfernt werden. „Was im Mittelmeerraum Ziegen, Schafe und die Feuer im Sommer tun, muss hier der Gärtner leisten.“

    Herkunft: Mittelmeerraum oder nordamerikanische Prärie

    Pflanzen, die im Hausgarten mit Trockenheit klarkommen, stammen nicht nur vom Mittelmeer, sondern auch aus der nordamerikanischen Prärie. Friedemann Haug, Gärtner- und Floristenmeister, kümmert sich bei der Würzburger Landesgartenschau um die Blumenhalle und hat eine Faustformel: „Alles, was in voller Sonne stehen kann, kann auch mit wenig Wasser auskommen.“ Beim Wässern macht ein eingewachsener Trockengarten wenig Arbeit. „Wenn Sie vorher ordentlich gießen, übersteht er zwei Urlaubswochen“, sagt Haug. Das ist schon alles in Sachen Bequemlichkeit. Unerwünschte Kräuter müssten gejätet, angepflanzte ausgeputzt werden. „Ein schön blühender Garten braucht Zeit, Geduld und Fürsorge“, sagt der Fachmann.

    Das sind die Genügsamen

    Er zeigt die Genügsamen auf dem Landesgartenschaugelände: Schafgarben in allen Farben, die im Frühsommer blühen, Wolfsmilchgewächse, Sonnenhüte und Staudensonnenblumen, blaue Katzenminze, die fast das ganze Jahr blüht, Zierlaucharten, deren Fruchtstände auch noch spät den Garten dekorieren, ebenso wie die Ähren der Ziergräser.

    Zur Vorsicht rät er jedoch bei einem Star des Präriegartens, dem Essigbaum. Seine dramatische Herbstfärbung, die den amerikanischen Indian Summer nach Unterfranken bringt, lässt zwar auch Haug schwärmen: „Das ist ein Farbspiel von Gelb über Orange bis Dunkelrot.“ Aber für den Hausgarten sei er nicht zu empfehlen, weil er massiv Wurzelausläufer bildet und den Drang hat, aus dem Garten ein Dickicht zu machen. Für den Kübel sei der Essigbaum auch nicht geeignet. „Er braucht Leben in der Umgebung“, sagt Friedemann Haug.

    Erst bei den Beeten von Gärtner Hans Graf aus Oettingen (Lkr. Donau-Ries) auf der Würzburger Landesgartenschau werden wir für faule Gartenfans fündig. Je nach Niederschlag müssten seine Pflanzungen fünf bis zehn Mal im Jahr gegossen werden, sagt er. Alle paar Jahre sei eine Pflanze auszuwechseln. Das war's dann mit dem Aufwand. Das Geheimnis: Graf arbeitet mit Sukkulenten, Pflanzen, die Wasser speichern und deshalb Trockenheit vertragen. Die hätten neben der Bequemlichkeit noch eine ganze Reihe Vorteile: Gepflanzte Strukturen kommen nicht so leicht aus dem Gleichgewicht und erhalten sich gut. Ein Großteil bleibt über den Winter grün, blüht ab April und bietet im Herbst buntes Laub.

    Pflegeleichte Gräber sind gefragt

    Zwei Grabbepflanzungen zeigt die Gärtnerei bei der Landesgartenschau. Aus seiner Alltagspraxis weiß Graf, dass pflegeleichte Gräber gerade sehr gefragt sind. Hinterbliebene seien zunehmend mobiler und lebten nicht mehr ständig in der Nähe ihrer Toten. Etwa 100 verschiedene Pflanzen hat der Gärtner gefunden, die sich gut für Gräber – und Ziergärten – eignen, um die sich niemand intensiv kümmern kann. „Wir suchen weiter“, sagt Hans Graf.

    Pflanzen für trockene Flächen

    Zwei Gräber mit Pflanzen, die es trocken vertragen, gestaltete bei der Landesgartenschau in Würzburg die Kakteengärtnerei Graf aus Oettingen (Lkr. Donau-Ries) – allerdings keineswegs mit dornigen Kakteen, sondern mit Blumen mit fleischigem, wasserspeicherndem Laub. Prächtige pinkfarbene, zierliche weiße oder leuchtend gelbe Blüten und dekorative Blattstrukturen zieren die Flächen. Hanna Scheifler hat unter anderem Sedumarten, Edelweiß, blaue Edeldisteln, weißen Steinbrech, Hauswurz und gelbe Margeriten gepflanzt. Akzente gesetzt hat sie mit Bergenien, die im Frühjahr rosa blühen und während des ganzen Jahres rotes Laub tragen, pinkfarbener Bitterwurz und Palmlilie gesetzt. Nur im milden Weinbauklima wachsen in der Region die Pflanzen der mediterranen Felsheide – eine Besonderheit des Botanischen Gartens der Würzburger Universität. Der Spessart ist dazu zu kühl und zu feucht, sagt Gerd Vogg, Kustos des Gartens. In der Rhön seien die Winter zu lang und zu kalt. Mehr als minus fünf oder minus zehn Grad Celsius hielten die Pflanzen dieses Lebensraums nicht aus. Dagegen lieben sie kalkige, trockene, warme Hänge in voller Sonne. Seidelbast, Ginster, lila Igelpolster, gelbe Junkerlilien, Meerträubel, Wolfsmilcharten, Kräuter wie Thymian wachsen im mediterranen Bereich des Botanischen Gartens.

    Wer einen trockenen Garten bepflanzen, aber keinen Mittelmeergarten anlegen möchte, kann sich an die Tipps von Gärtner- und Floristikmeister Friedemann Haug von der Landesgartenschau halten. Für ein Trockenbeet, das während des ganzen Jahres bunt und dekorativ aussehen soll, empfiehlt er für die Blüte im Frühling Zwiebelblumen wie Tulpen, Narzissen und Zierlaucharten, es folgen Wolfsmilcharten, Schafgarben in vielen Farben, Sonnenhüte im Sommer und späte Staudenastern im Herbst. Wer auf Dauer ein schönes Beet haben möchte, sollte dessen Struktur gut planen und die Optik immer wieder kontrollieren. Am schönsten findet Haug, Pflanzen einer Art nicht zusammenzusetzen, sondern zu verteilen. „Das bringt Spannung.“ Tipps für den Stadtgarten im trockenen und heißen Klima gibt die Landesanstalt für Wein- und Gartenbau Veitshöchheim (Lkr. Würzburg) auf der Landesgartenschau. Auf Beispielbeeten wachsen neben anderen Wald-Windröschen, Zwerg-Flockenblume, Perückenstrauch, Prachtkerze, Große Sternmiere, Blauschwingel, Japan-Goldsegge und Blutstorchschnabel.

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