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    Güntersleben

    Marathonradeln: Im Takt der Musik auf den Großglockner

    Nicht immer wirken die Radler beim Indoor Cycling so entspannt Foto: Christian Ammon

    Links, rechts, links, rechts - im Takt treten die Radler in die Pedale. Mal geht es steil bergauf, dann geht es wieder gemächlicher voran. Von der Stelle kommen die 30 Männer und Frauen dennoch nicht. Beim Indoor-Cycling Marathon der Ausdauersportler des TSV Güntersleben wird in einem Fitnessraum geradelt. Diskobeleuchtung und fetzige Rhythmen sorgen für die passende Stimmung.

    "Mal ehrlich, allein zu Hause auf dem Heimtrainer hat man doch nach 15 Minuten genug"
    Jürgen Meier - Organisator

    "Mal ehrlich, allein zu Hause auf dem Heimtrainer hat man doch nach 15 Minuten genug", findet Jürgen Meier, einer der Organisatoren. Indoor Cycling sei das "Steckenpferd" der Abteilung und habe großen Anteil daran, dass sie mit derzeit 180 Mitgliedern boomt. Die Ausdauersportabteilung bietet draußen im Sommer fünf Kurse an, im Winter ist es nur einer. Dafür gibt es aber das Indoor Cycling, das als junge Fitness-Sportart oft von kommerziellen Studios angeboten wird. In Vereinen sei es jedoch selten, erzählt Meier, während aus dem Fitnessraum immer neue Kommandos kommen. Trainer Florian Hemm gibt vor, welchen Widerstand die Radler einstellen sollen, um das echte Alpengefühl zu bekommen, wann sie sich aus dem Sattel erheben oder Geschwindigkeit machen sollen.

    Unterwegs auf den Großglockner: Auch Trainer Florian Hemm gibt alles Foto: Christian Ammon

    Schließlich ruft der Trainer, der es sich auf die Fahne geschrieben hat, zu persönlichen Bestleistungen zu motivieren, den schweißgebadeten Radlern vor ihm zu: "So, jetzt gebt nochmal alles." Wer nun jedoch denkt, die Tour geht in ihr Finale, irrt. Auf einer Leinwand ist die bei Freizeitradlern berüchtigte Großglockner-Straße zu sehen und auch, an welcher Stelle sich die Truppe gerade befindet. Die Leinwand kommt erstmals zum Einsatz. Sie soll aber, wenn das nötige Geld für die Anschaffung bereitsteht, noch öfters zum Einsatz kommen. So könnten etwa die Sportler ihre Stammrouten als Video aufnehmen und die Tour später beim Indoor-Training abfahren, berichtet Meier.

    Im Hintergrund sind die schneebedeckten Alpenriesen zu sehen, die sich langsam - viel zu langsam - den Radlern nähern. Dazu singt Rainhard Fendrich sein halbironisches "Es lebe der Sport", "er gibt uns Kraft, er gibt uns Schwung". Für Abwechslung ist gesorgt: Nach gut einer Stunde wird eine kurze Pause eingelegt und der Trainer wechselt. Jeder hat seinen eigenen Stil. Während bei Florian Hemm ausschließlich österreichische Alpenbarden zum Zug kommen, schlagen andere Vorradler auch andere Töne an: In der ersten Runde ging es zu fettem Hardrock und Heavy Metal zur Sache, später folgen die Best of Eighties, bei Jürgen Meier heißt das Motto "Ballermann and More" und am Ende - wie könnte es anders sein - steht Trance-Musik. Auch auf der Leinwand sind die passenden Filmausschnitte zu sehen.

    Nicht alle fahren die gesamten fünf Stunden des Marathons

    Doch nicht alle fahren die gesamten fünf Stunden des Marathons. Erich Schömig wechselt sich mit anderen Teilnehmern ab: Für ihn ist das Indoor Cycling eine willkommene Abwechslung, um das Winterloch zu überbrücken, erzählt er im sportlichen Radlerdress und noch etwas außer Puste. Die kurzen Tage und schlechtes Wetter wollen keine Rechte Radlerstimmung aufkommen lassen. Umso willkommener ist ihm die Möglichkeit, sich in den geschützten vier Wänden auf die Saison vorzubereiten: "Das hat doch etwas von Urlaubsstimmung", witzelt er. Doch auch der Verein hat etwas davon: Die Radelsportler sind gerade dabei, hinter der Sporthalle eine "Bike Park" zu bauen. Hier entsteht mit dem Erlös ein Hinderniskurs für die Mountain-Biker.

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