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    WÜRZBURG

    Massive Kritik am Hochhaus-Neubau

    Umzingelt von begrünten Anbauten: der Entwurf zum neuen Hochhaus Augustinerstraße. Foto: Holger Welsch
    „Schade, dass der Turm in einer grünen Wolke versinkt“

    Christiane Thalgott,

    Mitglied der Stadtbildkommission

    „Das ist keine einfache Baustelle“, resümierte Oberbürgermeister Christian Schuchardt das, was zahlreiche Zuhörer bei der jüngsten Sitzung der Kommission für Stadtbild und Architektur zuvor zwei Stunden lang bereits mitbekommen hatten: Die Pläne für einen Neubau des alten Ämterhochhauses in der Augustinerstraße sorgten für eine rege Diskussion und stießen teils auf massive Kritik – vor allem wegen der üppigen An- und Nachbarbauten. Unter der Maßgabe „weniger ist mehr“ sollen sie überarbeitet und der Kommission erneut vorgelegt werden.

    Nach einer ausführlichen Vorstellung des Projektes der Hans-Löffler-Haus Augustinerstraße GmbH durch Architekt Sandro von Einsiedel begann die Diskussion mit großer Missstimmung: „Ich fühle mich ein bisschen geleimt und bin sprachlos“ begann Kommissionsmitglied Architekt Ferdinand Stracke (München). Aus den Unterlagen, die die Mitglieder vor der Sitzung bekamen, sei nicht hervorgegangen, dass das alte Baudenkmal Hochhaus abgerissen werden soll. Umso erstaunter sei man nun über den geplanten Neubau und vor allem über das „ungeheure Volumen“ der Baumasse um ihn herum.

    Zu massive Anbauten

    In der Tat wurde erst anhand von Darstellungen und einem Modell in der Sitzung deutlich, was neben und hinter dem neuen und im alten Stil gehaltenen rund 35 Meter hohen Hochhaus alles entstehen soll: auf großer Fläche hochgeschossige Anbauten in Staffelbauweise, die teilweise bis an die Traufkante des Hochhauses heranreichen, das Ganze mit einer üppigen Begrünung versehen. Während sich WL-Stadträtin Micaela Potrawa noch für die „hängenden Gärten“ begeistern konnte und in der massiven Bauverdichtung kein Problem sieht, hagelte es aus den Reihen der Fachleute wegen der voluminösen Anbauten Kritik.

    „Schade, dass der Turm in einer grünen Wolke versinkt“, merkte Architektin Christiane Thalgott (München) an. Der Turm müsse sein Alleinstellungsmerkmal behalten. Stadtheimatpfleger Hans Steidle – „bin über die Ausmaße erschrocken“ – fragte sich, ob das Hochhaus angesichts der Anbauten noch ein Solitär oder nur noch eine Scheinfassade sei. „Der Turm muss Turm bleiben“, kritisierte Architekt Bernhard Winking (Hamburg): „So wie das da ist, geht es nicht. Da kann doch keiner von uns zustimmen.“ Auch seinem Kollegen Norbert Diezinger (Eichstätt) ist das Volumen der Anbauten „entschieden zu groß“, der Turm müsse deutlich über diesen stehen.

    Kritik am geplanten Nachbargebäude

    Auch der üppig begrünte Flachdachneubau, der direkt neben dem Hochhaus geplant ist, fand nur wenig Zustimmung. Diezinger und Thalgott wünschen sich lieber eine „Stadtfassade“, die sich in das Ensemble der Nachbarhäuser einfügt.

    Wie berichtet, sind die beiden Neubauten, in denen Gastronomie in den Untergeschossen sowie darüber überwiegend Wohnungen geplant sind, zwar optisch getrennt, bilden innerlich aber eine Einheit. So fragte Ferdinand Strake, welchen Sinn es mache, ein neues Gebäude im Retro-Stil zu bauen und daneben eines im modernen Stil, was nicht so recht zusammenpasse. Der Bauherr solle darüber nachdenken, ob er nicht nur ein Hochhaus bauen wolle. Im übrigen könne man sich „mit Retro auch lächerlich machen.“

    Dem widersprach der Planer von Einsiedel: Man wolle kein neues Hochhaus entwickeln, sondern bewusst das jetzige „als Bild erhalten“. Allgemeine Zustimmung fand das geplante Pyramidendach auf dem Hochhaus mit dunklen Glasflächen.

    Eine Sanierung des Altbaus wäre machbar, aber sehr aufwendig

    Diskutiert wurde auch der Erhalt des jetzigen Baudenkmals.

    Hierzu informierte Roland Bechmann von der Werner Sobeck AG, einem renommierten Tragwerksplaner, dass das prinzipiell zwar machbar, aber äußerst aufwendig sei und die Bauzeit dadurch merklich verlängert würde – und die Optik eine andere sei. Denn die 87 Jahre alte Stahlbeton-Konstruktion habe nur eine geringe Standfestigkeit. So müsste man bei einer Sanierung um das alte Tragwerk ein neues herumbauen, ebenso bei der Fassade. Denn gefordert sei ein Standsicherheit für 50 Jahre. „Ein Neubau ist konstruktiv der beste Ansatz“, ist seine Folgerung. Zwei Drittel der Originalsubstanz seien praktisch nicht mehr vorhanden, merkte von Einsiedel an. Deshalb solle man die Frage nach einer Sanierung „nüchtern und nicht ideologisch“ beantworten.

    Das neue Hochhaus wird nach den aktuellen Plänen nicht nur zwei Meter höher, sondern geht auch weiter in die Tiefe: Drei Untergeschosse sind vorgesehen, vornehmlich für eine Tiefgarage mit 28 Stellplätzen.

    Der Bauantrag liegt der Stadt vor und laut Stadtbaurat Christian Baumgart grübelt man derzeit, ob dafür ein neuer Bebauungsplan erstellt werden muss oder ob das Projekt als Einzelbaumaßnahme behandelt wird. Zuvor muss es aber die Hürde Stadtbildkommission nehmen – mit den geforderten Auflagen: Mindestens drei Stockwerke niedriger sollen die Anbauten ausfallen.

    Arkadenreicher Entwurf: das neue Hochhaus und der ebenfalls neue Nachbarbau. Foto: Illustration HLH GmbH

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