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    THÜNGERSHEIM

    Massiver Kahlschlag im Landschaftsschutzgebiet

    Wer hat hier gewütet? Und war das alles so genehmigt? Auf einer etwa zwei Hektar großen Fläche unterhalb der Staustufe bei Erlabrunn zeugen stehen gebliebene Wurzelstöcke, Baumstümpfe und über das Gelände verstreute Häckselgut von einem massiven Eingriff in die Natur. Augenscheinlich wurde dabei schweres Gerät verwendet. Zumindest den massiven Spuren nach.

    Untere Naturschutzbehörde auf Spurensuche

    Die Fläche am Fährweg ist ausgewiesen als Landschaftsschutzgebiet. Und sie ist in der Biotopkartierung des Bayerischen Landesamtes für Umwelt aufgeführt. Damit gilt sie als wertvoller Lebensraum, der besonders schutzwürdig und ökologisch wertvoll ist. Umso erstaunlicher, dass von der noch außerhalb der Vegetationsphase im Februar erfolgten Rodungsmaßnahme weder die Gemeinde Thüngersheim noch die Untere Naturschutzbehörde am Landratsamt Würzburg unterrichtet war.

    Die Untere Naturschutzbehörde hat bislang noch keine Erklärung. Eine Anfrage dieser Redaktion, ob die Rodung im Landschaftsschutzgebiet genehmigt war, beziehungsweise eine Genehmigung dafür nötig war, blieb bislang offen. Kurz und bündig teilt die Behörde mit: „Das Verfahren ist weiterhin in Arbeit. Nach einigen Recherchen und einer Ortseinsicht gehen wir nun auf den Grundstückseigentümer zu und geben ihm Gelegenheit zur Stellungnahme.“ Eine Frist hierzu sei noch nicht gesetzt worden, teilt Eva-Maria Schorno, Leiterin der Pressestelle beim Landratsamt Würzburg mit. Das Verfahren sei weiterhin in Arbeit, versichert sie.

    Rodung gleicht einer Maßnahme zur Landschaftspflege

    Nach Auskunft von Steffen Jodl, Geschäftsführer der Kreisgruppe Würzburg im Bund Naturschutz, ergibt sich aus der Auflistung einer Fläche in der Biotopkartierung noch kein grundsätzlicher Schutzstatus. „Entsprechende Flächen sind deshalb durch das Gesetz nicht per se geschützt“, erklärt er. Als Ausnahme gelten lediglich Magerrasen- und Halbtrockenrasenflächen. Maßgeblich sei laut Jodl Artikel 23 des Bayerischen Naturschutzgesetzes (BNatSchG). Inwieweit diese gesetzliche Grundlage bei der betreffenden Fläche greift, vermag Jodl ohne weitere Hintergrundinformationen nicht zu sagen.

    Stattliche Bäume wurden gefällt

    Die Rodung auf dem zwei Hektar großen Grundstück, das zur Gemarkung Thüngersheim gehört, gleicht mitunter einer Maßnahme, die im Rahmen der Landschaftspflege ausgeführt wurde. Diese bedürfen, wie die langjährige Erfahrung zeigt, jedoch grundsätzlich der Zustimmung der Naturschutzbehörde am Landratsamt.

    Wie Luftbilder bestätigen, befinden sich auf der betreffenden Fläche am rechten Main-Ufer unterhalb der Staustufe Erlabrunn zwei Seen. Das in einer dicken Schicht auf dem Erdreich verbliebene Häckselgut lässt vermuten, dass in dem betreffenden Bereich zahlreiche stattliche Bäume und große Gehölzflächen beseitigt worden sein müssen. Zumindest von der Gemeinde Thüngersheim gab es dafür keine Genehmigung, heißt es auf Nachfrage.

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