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    Würzburg

    Masterstudierende der FHWS befassten sich mit dem Umgang mit Armut

    Projektpräsentationen mit den Mitarbeiterinnen von KASA: Cathrin Holland (Vierte von rechts), Gudrund Strehl (Dritte von rechts), Hubert Wittig (Fünfter von rechts) mit Studierenden des Masterstudiengangs Soziale Arbeit und Dieter Kulke (links). Foto: Simpfendörfer / FHWS

    Laut Statistischem Bundesamt sind etwa 16 Prozent der Bevölkerung Deutschlands arm und damit von sozialer Ausgrenzung bedroht. Was bedeutet es, arm zu sein? Was macht das Stigma Armut mit den Menschen? Armut bedeute Mangel, so Professor Dieter Kulke von der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt, nicht allein an Geld, sondern auch an Gesundheit, Bildung und sozialen Kontakten. Zudem werde Armut übersehen, übergangen, geleugnet oder bestenfalls gelindert. Von Behörden und Ämtern fühlten sich Betroffene oft gemaßregelt und bevormundet, sie müssten sich gegen Vorurteile wehren, heißt es in einer Pressemitteilung.

    Um diesem Thema nachzugehen und einen Überblick über das Erleben und den Umgang mit Armut zu erhalten, haben die Kirchliche Allgemeine Soziale Arbeit (KASA) des Diakonischen Werkes Würzburg und Kulke mit Studierenden der Lehrveranstaltung „Qualitatives Forschungsprojekt“ im Masterstudiengang Soziale Arbeit ein Projekt zur Armut in Würzburg durchgeführt. Die Mitarbeiter von KASA, Andrea Dehler, Cathrin Holland, Gudrun Strehl und Hubert Wittig unter der Leitung des stellvertretenden Geschäftsführers Andreas Schrappe, beteiligten sich an der Forschung, standen für Expertengespräche zur Verfügung und stellten den Zugang zu den Interviewpartnern her.  

    Das Phänomen Armut aus verschiedenen Winkeln betrachtet

    Die Studierenden führten Interviews mit Menschen, die von Armut betroffen sind. Anschließend werteten sie diese mit verschiedenen Verfahren der qualitativen Datenanalyse aus. Sie befragten Arbeitslose, Alleinerziehende und Senioren im Würzburger Arbeitslosentreff, im Alleinerziehendentreff und in der Beratungsstelle der KASA. Sie sprachen mit Besucherinnen der Würzburger „Tafel“, mit Menschen, die Leergut-Flaschen sammeln, mit Personen nach einem sozialen Abstieg oder mit Studierenden, die arm sind. Ziel des Projektes war es, das Phänomen Armut aus verschiedenen Winkeln zu betrachten sowie den Umgang und die Bewältigungsstrategien der Menschen zu verstehen.

    Abschließend wurden die Ergebnisse den Mitarbeiterinnen von KASA vorgestellt und diskutiert. Es könne bestätigt werden, dass sich arme Menschen von Behörden und Ämtern gegängelt und diskriminiert fühlen. Es falle ihnen schwer, ohne die ausreichende finanzielle Ausstattung am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. Es sei beeindruckend, so die Studierenden, wie etwa Menschen, die Pfandflaschen sammeln, über ihre Tätigkeit eine fast schon professionelle Identität entwickelten. Viele der Befunde bestätigten die KASA-Mitarbeiterinnen auf Basis einer langjährigen Berufserfahrung. Teilweise ergaben sich auch neue Einsichten, mit denen in der Praxis weitergearbeitet werden könne. Insofern stelle, so Kulke, dieses Projekt einen gelungenen Transfer von der Hochschule und ihrer Forschung in die Praxis dar.

    Fachtag "Arm dran in Würzburg" am 3. April

    Um das Thema weiter in die Öffentlichkeit zu bringen, veranstalten das Diakonische Werk und die Fakultät der FHWS gemeinsam mit dem „Campus Community Dialogue“ den Fachtag "Arm dran in Würzburg" am Freitag, 3. April. Vormittags stehen zwei Vorträge von Professor Franz Segbers („Die Umprogrammierung des Gerechtigkeitsbegriffs“) und Professor Benjamin Benz („Armut und Soziale Arbeit - ‚Hilfe unter Protest‘?“) auf dem Programm. Danach schließen sich Workshops an, in denen Mitarbeiterinnen von KASA, der Stadt Würzburg, des Diözesan-Caritasverbandes Würzburg und Studierende „typische“ Armutslagen thematisieren und Aufgaben der sozialen Arbeit und der Politik zur Begegnung von Armut diskutiert werden.

    Weitere Informationen unter https://fas.fhws.de/fakultaet/fachtag-arm-dran-in-wuerzburg/

    Bearbeitet von Nico Christgau

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