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    Kürnach

    Mehr Streuobst und Erholungsflächen für den Würzburger Norden

    Mit der Landschaft im Würzburger Norden beschäftigten sich Studierende der TU München und stellten ihre Konzepte in Kürn...

    Die Zukunft des Würzburger Nordens haben sich zukünftige Landschaftsarchitekten vorgenommen. Im Rahmen einer Semesterarbeit erarbeiteten die Studierenden der TU München drei Konzepte zur kritischen Rekonstruktion der Landschaft, die im Kürnacher Alten Rathaus vorgestellt wurden.

    Die Landschaft analysieren, erleben und verstehen, eine Idee dazu haben und ein Leitbild beziehungsweise ein Konzept entwickeln, das war die Aufgabe der Studenten, erklärte Professor Sören Schöbel, der das Projekt fachlich betreute. Dabei ging es auch darum, sich mit den Folgen der Flurbereinigung zu beschäftigen. Diese sei einerseits eine große soziale Errungenschaft, andererseits aber auf Kosten der Landschaft geschehen, sagte er.

    Und so war es eine der Hauptaufgabenstellungen, wieder mehr Strukturen in die Landschaft zu bringen. Doch warum beschäftigen sich zukünftige Landschaftsarchitekten überhaupt mit Kulturlandschaft? "Das ist eine der traditionellen Wurzeln der Landschaftsarchitektur, die heute sehr komplex geworden ist, weil sie eingebunden ist in Gesetze wie Naturschutzgesetz, Raumordnungsgesetz, Baugesetz und Flurneuordnungsgesetz" sagte Schöbel.

    Mit der Flurbereinigung sei ein sehr starker Verlust von Landschaftsstrukturen einhergegangen. "Das würde man heute so nicht mehr tun", machte der Professor deutlich. Irgendwann werde es nämlich auch im ländlichen Raum Strukturprobleme geben, wenn dieser Raum nicht mit echten Landschaftsqualitäten aufwarten kann. Deshalb war das Thema für die Studenten: Wie kann man zu einer Landschaft zurückkommen, die etwas mehr Strukturreichtum hat? Dabei sollten sich die Studierenden mit historischen Vorgaben alter Flurkarten beschäftigen und dazu zeitgemäße, moderne Nutzungen für Bewohner und Tourismus erarbeiten.

    Im ersten Konzept ging es darum, die Dörfer mit identitätsstiftenden, blühenden Wegen zu verbinden und damit die großen Feldschläge zu durchbrechen. Dörfer könne man mit anderen Dörfern mit Laubbaumalleen, beispielsweise mit Kirschhainen, verbinden, die zum einen ein "superschönes Bild" am Dorfeingang bieten, aber auch den Bewohnern einen Nutzen und mehr Identität bringen, wie Franziska Jung erklärte.

    Zugleich dienten sie auch zur Orientierung in der Weite der Landschaft. "Unser Ziel ist es, das Dorf in die große Agrarlandschaft einzubetten und das schaffen wir durch kleinteilige Umstrukturierung des näheren Dorfumfeldes", erläuterte Laura Stoib.

    Durch Feldhecken, extensiv genutzte Ackerflächen und Blumenwiesen sollten spezifische Atmosphären geschaffen werden, die auch spezifische Tiere anziehen. "So gibt es dann die Goldammer, die am Dorfrand lieblich singt, beim Aussiedlerhof den Steinkauz und in der weiten Flur den Feldhasen", meinte Anne-Claude Zuang. Durch diese Elemente solle ein harmonischeres Bild der Landschaft entstehen und der Charakter der Gäuplatten unterstützt werden, auch wenn an einigen Stellen Kompromisse gefunden werden müssten. Die großen Feldschläge sollten dabei auf jeden Fall noch für die Bauern nutzbar bleiben.

    Die Dörfer werden zu grünen Oasen innerhalb der weiten "Steppe" um sie herum, das war das zweite Konzept. Dabei sollen am Rand der Dörfer "viele neue Gemeinschaftsflächen" wie beispielsweise Streuobst- und Erholungsflächen, entstehen, so wie es früher sogenannte Allmendeflächen gab, erläuterte Lisa Adelmann.

    Im Gegenzug sollen die landwirtschaftlichen Flächen noch größer werden, um eine noch effektivere Landnutzung zu ermöglichen. Dabei könnten auch Flächen für erneuerbare Energien entstehen, zum einen als Gewinn für die Bauern, zum anderen als Rückzugsort für Hamster und Feldlerche oder als Schafweide, erklärte Myriam Künzel.

    Aus der "Orientierungslosigkeit im Agrarraum" entwickelte die dritte Gruppe schließlich ihr Konzept, das sogenannte Gäugeflecht mit zukunftsgerechten Sonder- und Nischenkulturen wie beispielsweise Quinoa, die auch für kleinere Bauern interessant und rentabel sein könnten.

    Larissa Bohrkirchner, Sophia Lederhofer und Lotta Steger setzten auf einen kleinstrukturierten Bereich am Ortsrand und relativ großen Schlägen bis zu 25 Hektar im Agrarraum weiter weg von den Dörfern. Dabei sollte der Anbau von Sommerweizen wieder gefördert werden, weil man dadurch dem Feldhamster auf ganz natürliche Weise helfen könne.

    Interessant, nachdenkenswert und teilweise auch schon praktiziert fand Bürgermeister Thomas Eberth die Ansätze der Studenten. Teilweise wurden die Konzepte aber sehr kontrovers diskutiert. "Naturschutz in allen Ehren, da sind wir voll dafür. Aber bitte nicht vergessen, wo unser Fleisch und Gemüse erzeugt wird", meinte der Unterpleichfelder Bürgermeister Alois Fischer.

    "Vielen Menschen brennt dieses Thema unter den Nägeln, wir brauchen regionale Lebensmittel, wir brauchen aber auch Ökologie und Biotopverbünde und vieles mehr", sagte Eberth. Deshalb sei es gut, dass die Studenten wichtige Impulse und Handlungsfelder aufgezeigt hätten. Voneinander lernen und miteinander diskutieren, so seine Devise für die verschiedenen Interessensgruppen. In jedem Fall sei es toll, dass es solche Visionen gibt, meinte ein Zuhörer.

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