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    Leinach

    Mehr als vierzig Jahre als Busfahrer auf Achse

    Unzählig viele Fahrgäste der Buslinien im Landkreis sowie Generationen von Schülern chauffierte Hermann Preißinger als Lenker von Linien- und Schulbussen mehr als vier Jahrzehnte lang sicher über die Straßen der Region. Auf seiner letzten offiziellen Fahrt brachte Preißinger Schüler der Mittelschule von Margetshöchheim zurück nach Erlabrunn und Leinach. Bei der Leinacher Waldweihnacht am Samstag ist er noch einmal ehrenamtlich gefordert. Vom Großparkplatz am Erlabrunner Badesee kutschiert er die Weihnachtsmarkt-Besucher mit einem der eingesetzten Shuttlebusse über den Berg ins Leinachtal. Dann hängt er den Zündschlüssel im Bus-Depot von "Leinach Tours" für immer an den Nagel.

    Noch bis August nächsten Jahres gilt der Personenbeförderungsschein. Den hatte sich Hermann Preißinger im üblichen Fünf-Jahres-Turnus als zwangsläufige Voraussetzung für seine berufliche Tätigkeit jeweils verlängern lassen. So lange hätte er auch noch für die Firma "Leinach Tours" den Schulbus gesteuert. Weil aber die OVF (Omnibusverkehr Franken) als Konzessionsgeber dem Unternehmen die Linien zum 8. Dezember kündigte, stellt auch Hermann Preißinger seine Tätigkeit ein. Das Rentenalter hat er mit 72 Jahren - davon mehr als vierzig auf Achse -, längst erreicht. Die Mittelschüler aus Leinach und Erlabrunn werden künftig von Leinach-Tours-Inhaberin Arpana Hoffmann persönlich zum Unterricht nach Margetshöchheim gefahren.

    Mit dem Gelenkbus durch die enge Ortsdurchfahrt

    Die meisten Fahrten seines Berufslebens absolvierte Hermann Preißinger als Lenker von Schulbussen. Seine Fahrgäste waren überwiegend Schüler, die er aus dem Leinachtal und Erlabrunn in die Verbandsschule nach Margetshöchheim und nach Unterrichtsschluss wieder zurück transportierte. "Probleme mit Randale oder Zerstörung in den Bussen kenne ich von Schülern nicht, da lief immer alles kultiviert ab", so Preißinger. Was hat sich an den Schülern in den vergangenen vier Jahrzehnten geändert? "Heutzutage ist es im Bus während der Fahrt ruhiger: Alle Kinder haben ein Handy und sind damit beschäftigt", stellt Preißinger fest.

    Im Frühjahr 1977 nahm der Busfahrer aus Passion hinter dem Bus-Lenkrad Platz. Wie manch anderer in Oberleinach hatte Hermann Preißinger bis dahin im Nebenerwerb eine kleine Landwirtschaft geführt. Den Lebensunterhalt verdiente der Familienvater jedoch zunächst in der Lackiererei des Würzburger Druckmaschinenherstellers Koenig & Bauer.

    Seinen Dienst beim örtlichen Busunternehmen Amrehn trat Preißinger im Mai 1977 an; seit 1971 hatte er nebenbei bereits als Berufskraftfahrer etliche Kilometer abgespult. Bis zur Einstellung der Buslinie von Leinach nach Würzburg durch die Firma Amrehn zum Jahresende 2008 blieb Preißinger dem örtlichen Unternehmen für den Fahrdienst auf den Linien- und Schulbusstrecken treu. Als erster Fahrer im Landkreis steuerte er 1980 einen Gelenkbus durch die enge Ortsdurchfahrt Leinachs. Eine besondere Herausforderung war, das 18 Meter lange Vehikel in einer 240-Grad-Kurve bei beengten Straßenverhältnissen um das Gasthaus Lamm zu manövrieren. Das Gasthaus ist längst abgerissen. Hermann Preißinger aber befuhr Leinachs enge Ortsdurchfahrt noch immer täglich mit dem Schulbus, bis zu seinem letzten Arbeitstag.

    Vorbildlich weit übers Rentenalter hinaus

    Nachdem die Firma Amrehn ihren Betrieb aufgegeben hatte, wechselte Preißinger ab 2009 als "lebendes Inventar" mit zum Nachfolgeunternehmen "Leinach Tours". Das Unternehmen hatte mit seinen Fahrzeugen auch den Betriebshof am Ortsausgang Leinachs in Richtung Greußenheim übernommen. Preißinger war damals 63 Jahre alt. Eine Auszeichnung durch die Deutsche Verkehrswacht im Jahr 2013 für vierzig Jahre vorbildliche Verkehrsteilnahme, ohne Eintrag im Verkehrszentralregister in Flensburg, motivierte den Busfahrer, seinen Beruf weiter auszuüben.

    Ohne einen gültigen Personenbeförderungsschein für Hermann Preißinger sind künftig auch die Ortsvereine gezwungen, sich einen neuen Chauffeur für ihre Ausfahrten zu suchen: Ihnen stand Preißinger stets als Fahrer und zugleich Reiseleiter zur Verfügung.

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