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    WÜRZBURG

    Mein Montag: Der angesagteste Stadtteil

    Mein Montag: Selbstlaufende Fußgänger

    Was wir diese Woche machen? Na, erst mal feiern und Wunden lecken nach diesem denkwürdigen Bürgerentscheid zur Zukunft der Mozartschule. Was haben wir nicht alle gezittert vor dem wichtigsten Tag der Stadtgeschichte nach dem 16. März 1945. Prompt gab's ja eine hammerharte Entscheidung gestern abend. Und dann der riesige Autocorso der Sieger auf der „schwarzen Promenade“ – mit all ihren „Heute Geschichte schreiben“-Fahnen, während die Verlierer mit ihren Tränen Deutschlands kleinste Fußgängerzone in der Hofstraße überfluteten.

    Ja, so war es wirklich. Oder auch nicht. Denn diese Rubrik entstand, bevor das Ergebnis feststand. Weil der Schreiber keine Überstunden schieben wollte – nur wegen des Tamtams um eine alte Hütte und ein paar hässliche Neubauten.

    Blicken wir lieber auf Würzburgs angesagtesten – aber leider nur temporären – Stadtteil, bei dem die außergewöhnlichen Bauten allen gefallen: Neben dem architektonisch klar strukturierten Festzelt und einer gelungenen Platzabrundung durch ein rundes Riesenrad fällt vor allem eine überdimensionierte Gartenschaukel namens „XXL Kraftwerk“ ins Auge. Bei der sind Höhenflüge bis zu 45 Meter möglich.

    Deshalb soll es bereits etliche Interessenten geben, die so ein Teil vor ihrer Laube haben wollen und irrtümlich gleich beim XXXL-Einrichtungshaus nachfragten. Dort musste man natürlich passen. Denn, wie der Name schon sagt, verkauft man XXXL-Produkte, aber keine XXL-Schaukeln. Die sind eindeutig eine Nummer zu klein.

    Eine große Nummer im Stadtteil Kiliani soll – wir haben's noch nicht ausprobiert – ein Bau namens „Black hole“, zu deutsch schwarzes Loch, sein. Was sich dahinter verbirgt: Man fährt Achterbahn im Dunkeln, bewegt sich also, sieht aber nicht, wo's langgeht. Deshalb kursiert bereits der blöde Witz, bei der Konzeption des Fahrgeschäftes habe der Würzburger Stadtrat Pate gestanden.

    Ist natürlich Quatsch, es gibt ja bereits auch „Essen im Dunkeln“. Das hat nix mit Energiesparen zu tun. Vielmehr sollen die Gäste andere Sinne als den Sehnerv stärken und zudem die Welt von blinden Menschen erfühlen, erriechen, erhören und ertasten – und nicht die Tischpartnerin.

    Wir tasten uns zum Schluss an den Vorschlag heran, auf Kiliani auch das Bierzelt mal im Dunkeln zu lassen. Hat den Vorteil, den betrunkenen Nachbarn nicht zu Gesicht zu kriegen. Das Blöde dabei: Man kann das helle nicht vom dunklen Bier unterscheiden.

    Von Holger Welsch holger.welsch@mainpost.de

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