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    Ochsenfurt

    Messerstich auf Radweg: Schöffengericht stößt an seine Grenzen

    Beim Verfahren um eine körperliche Auseinandersetzung gab es Hinweise, die Tat könnte schlimmer gewesen sein, als gedacht. Deshalb ist jetzt das Landgericht zuständig.   
    Um einen Messerstich ging es am Würzburger Amtsgericht. Bei der Verhandlung stellte sich heraus, dass die Tat auf einem Ochsenfurter Radweg möglicherweise eine weit schwerere war. Foto: Thinkstock

    Eigentlich sollte sich der Angeklagte nach einer Auseinandersetzung auf einem Radweg bei Ochsenfurt wegen gefährlicher Körperverletzung vor dem Amtsgericht verantworten. Jetzt landet der dreifache Familienvater aber voraussichtlich vor der für schwerere Fälle zuständigen  1. Strafkammer des Würzburger Landgerichts: Im Prozess vor dem Schöffengericht verdichteten sich nämlich die Hinweise darauf, dass es sich bei der Tat am 23. Februar diesen Jahres um schweren Raub oder Schlimmeres gehandelt haben könnte.

    In der Anklage wurde einem 38 Jahre alten gelernten Maurer vorgeworfen, einem 26-Jährigen im Streit nicht nur einen Faustschlag und einen Kopfstoß ins Gesicht verpasst zu haben. Er soll dem jüngeren Mann außerdem mit einem Taschenmesser zwei Zentimeter tief in den Rücken gestochen haben.

    "Ich habe niemanden angestochen"
    Der 38-jährige Angeklagte  

    "Ich habe niemanden angestochen", behauptete der Angeklagte. Er erzählte vor dem Schöffengericht eine Geschichte, die in wesentlichen Punkten von dem abwich, was er bei der Polizei zu Protokoll gegeben hatte. Am späten Abend des 23. Februar sei er mit dem Fahrrad auf dem Weg zum Bahnhof in Ochsenfurt gewesen, um zu seiner Tochter ins Krankenhaus zu fahren. Auf dem Fahrradweg will er dann von fünf Männern überfallen und um 800 Euro erleichtert worden sein. Einem der Männer habe er das Messer aus der Hand und damit die Angreifer in die Flucht geschlagen – so die Version des 38-Jährigen. "Ich glaube ihm kein einziges Wort", war noch die freundlichste Formulierung, mit der der Vorsitzende Richter Thomas Behl diese Geschichte kommentierte. 

    Die Zeugenaussage des Opfers klang für ihn und den Staatsanwalt deutlich einleuchtender. Demnach hat der Angeklagte, der derzeit eine mehrjährige Haftstrafe wegen Drogenhandels in der JVA Würzburg absitzt, den 26-Jährigen nach einem schief gelaufenen Deal mit Ecstasy-Tabletten am Ochsenfurter Bahnhof mit dem Messer angegriffen - obwohl dieser mit der Sache nichts zu tun hatte.

    "Ich glaube ihm kein einziges Wort"
    Richter Thomas Behl zur Aussage des Angeklagten 

    "Mein Bruder hat ihm Tabletten abgenommen und ist weggelaufen", berichtete der 26-Jährige im Zeugenstand. Er selbst sei in der Nähe gewesen und von dem 38-Jährigen attackiert worden: "Er hat mir in den Rücken gestochen und Geld und Tabletten gefordert." Hellhörig wurden der Anklagevertreter und der Vorsitzende, als der Zeuge berichtete, der Angeklagte habe mit vorgehaltenem Messer "Geld oder tot!" gesagt. "Diese Geschichte ist wesentlich plausibler", betonte der Staatsanwalt. Er beantragte daraufhin, das Verfahren an das Landgericht zu verweisen.

    Das tat das Schöffengericht dann auch: "Es stehen Delikte im Raum, für die unsere Strafgewalt nicht ausreicht", stellte der Vorsitzende fest. Die Höchststrafe vor dem Schöffengericht sind vier Jahre Gefängnis. Hätte sich die Tat nach durchgeführter Beweisaufnahme als schwerer Raub oder schwere räuberische Erpressung erwiesen, wären die Richter an ihre Grenzen gestoßen: Die rechtskräftige Vorstrafe wegen der Drogensache von zwei Jahren und zehn Monaten Haft hätte nämlich in das neue Urteil mit einbezogen werden müssen. Was auf dem Radweg wirklich geschah, darf also in einigen Monaten das Landgericht klären.

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