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    Ochsenfurt

    Mieter aus dem Ochsenfurter Brandhaus finden keine Wohnungen

    Birgit Kaa (links) und Marcela Zier waren Mieter in einem Haus in der Ochsenfurter Altstadt, wo am 4. Januar ein Feuer ausgebrochen war. Foto: Claudia Schuhmann

    Es war das sprichwörtliche Glück im Unglück: Die Menschen, die durch das Feuer in einem Haus in der Ochsenfurter Altstadt ihre Wohnungen verloren hatten, fanden zügig eine neue Unterkunft. In den ehemaligen Betriebswohnungen der Zuckerfabrik sind sie vorläufig untergekommen. Wobei die Betonung auf "vorläufig" liegt, denn eigentlich sollen die Häuser mit den Wohnungen in absehbarer Zeit abgerissen werden. Deshalb suchen fünf Familien jetzt eine neue Bleibe - und stoßen dabei auf Schwierigkeiten.

    Noch immer fällt es Marcela Zier und Birgit Kaa nicht leicht, die Badgasse hinunter zu gehen bis zu dem mit einem Bauzaun abgesperrten Anwesen, in dem sie bis zum 4. Januar zur Miete gewohnt hatten. Frühmorgens war im Dachstuhl ein Feuer ausgebrochen. Beide Frauen erinnern sich noch gut an die Morgenstunden jenes Tages. "Ich war schon auf der Arbeit und bekam einen Anruf", sagt Marcela Zier. Sie solle schnell nach Hause kommen, weil es brenne. Ihr Sohn war zu dieser Zeit in der Wohnung. Wie alle anderen Bewohner des Anwesens konnte er sich aber rechtzeitig ins Freie retten, niemand wurde verletzt.

    Eine Katze ist bis heute verschwunden

    Auch Birgit Kaa war an dem Morgen bereits auf den Beinen, hatte von dem Feuer aber noch nichts mitbekommen. Erst, als eine Nachbarin an die Türen sämtlicher Mitbewohner schlug, wurde Birgit Kaa auf die Gefahr aufmerksam. So wie sie war, nur mit Schlappen an den Füßen, stand die schockierte Mieterin bald darauf draußen in der Winterkälte. Die Feuerwehr war schon vor Ort und bekämpfte die Flammen mit einem Großaufgebot. Alles, was Birgit Kaa besaß, blieb in der Wohnung zurück. "Was das Feuer nicht schaffte, schaffte das Wasser", sagt sie. Wenigstens tauchten nach dem Brand zwei ihrer Katzen wieder auf, die dritte hat sie bis heute nicht wiedergesehen.

    Stundenlang bekämpfte die Feuerwehr am 4. Januar den Brand. Foto: Helmut Rienecker

    Zunächst wurden die obdachlos gewordenen Mieter im Rathaus versorgt, dann in der Roten Schule. Einige von ihnen kamen kurzfristig in Ferienwohnungen in Ochsenfurt unter. Da Marcela Zier und ein weiterer Mieter auf dem Gelände der Zuckerfabrik arbeiten, kam sofort der Kontakt zu den Verantwortlichen des Unternehmens zustande. Ohne Umstände wurden den 17 Personen die ehemaligen Betriebswohnungen als vorübergehende Unterkunft angeboten.

    Eingezogen ist dort auch Eva Huth mit ihren beiden Kindern. In ihrer Kleinochsenfurter Wohnung hatte es am gleichen Tag gebrannt wie in der Altstadt, nur einige Stunden früher. Die gehörlose Frau bemerkte zum Glück rechtzeitig das Blinken des Rauchmelders in ihrer Wohnung, konnte sich in Sicherheit bringen und mit Hilfe ihrer Nachbarn die Feuerwehr alarmieren.

    So froh die Betroffenen auch sind, den Bränden unverletzt entkommen zu sein, so belastend ist für sie die Suche nach einer neuen, dauerhaften Unterkunft. Die Miete in dem Haus in der Redersgasse sei günstig gewesen, sagt Marcela Zier. Als alleinerziehende Mutter hat sie nicht viel Geld zur Verfügung. Und sämtliche Wohnungen, die ihr bisher angeboten wurden, übersteigen ihr Budget bei Weitem. Nicht viel anders sieht es bei Birgit Kaa und Eva Huth aus.

    "Was das Feuer nicht schaffte, schaffte das Wasser."
    Birgit Kaa, Bewohnerin aus der Redersgasse

    Marcela Zier hat weder ein Auto noch einen Führerschein und ist deshalb darauf angewiesen, in Ochsenfurt wohnen bleiben zu können." 1200 Euro sollte eine mir angebotene Wohnung mit 100 Quadratmetern kosten", erzählt sie. Für sie liegt die Grenze bei ungefähr der Hälfte - am besten warm. Wolfgang Duscher, Verwaltungsleiter bei der Stadt Ochsenfurt, kann auch nicht helfen. Städtische Wohnungen seien derzeit keine frei, sagt er.

    Sollten die Betroffenen aus den Betriebswohnungen ausziehen müssen, bevor sie etwas neues gefunden haben, müsste die Stadt dennoch für ihre Unterbringung sorgen, da sie dann obdachlos zu werden drohten. "Da bliebe dann nur noch der Goßmannsdorfer Weg", erklärt Duscher. Dort hat die Stadt Wohnungen für Obdachlose, die der Verwaltungsleiter Familien mit Kindern aber nicht zumuten möchte. Deshalb richtet er einen Appell an alle Vermieter günstiger Wohnungen, sich im Rathaus zu melden.

    Mit der Südzucker AG wurden drei Monate vereinbart

    Werkleiter Stefan Mondel von der Südzucker AG erklärte auf Nachfrage der Redaktion, dass die weitgehend leerstehenden Häuser mit den Betriebswohnungen sich in keinem allzu guten Zustände mehr befänden und deshalb abgerissen werden sollen, sobald die letzten regulären Mieter ausgezogen seien. Die Bewohner aus dem Brandhaus sind dort seit Anfang Januar von der Stadt eingewiesen. Mit der Stadt sei für diesen Zweck ein Zeitraum von drei Monaten vereinbart worden, der am 31. März endet. Bisher sei von der Stadt noch niemand wegen einer möglichen Verlängerung auf ihn zugekommen, so Mondel weiter.

    Nach dem Feuer hatte die Kriminalpolizei Ermittlungen zur Brandursache aufgenommen. Wodurch das Feuer in dem Anwesen in der Redersgasse ausgelöst wurde, steht laut Auskunft der Polizei aber immer noch nicht fest. Aus diesem Grund könne er derzeit auch noch nicht sagen, wie es mit dem Haus weitergehen wird, sagte  ein Vertreter der Eigentümerfamilie auf Anfrage der Redaktion.

    Wer günstige Wohnungen in Ochsenfurt zu vermieten hat, kann sich bei der Stadt Ochsenfurt unter Tel. (09331) 9725 melden.

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