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    Estenfeld

    Millionenprojekt „Rathaus in die Kartause“

    Sollte das Rathaus Estenfeld tatsächlich in den Wirtschaftshof der Kartause Engelgarten in Estenfeld einziehen, so müsste die Gemeinde Estenfeld ganz tief in die eigene Tasche greifen. Die barrierefreie Sanierung in der Kartause würde fast 4,8 Millionen Euro kosten plus gut 1,2 Millionen Euro für einen Anbau. Weil es sich hier um Ausgaben für eine Verwaltung handelt, "sind diese Kosten nicht förderfähig", sagte Stephan Haas vom gleichnamigen Planungsbüro aus Würzburg in der Estenfelder Ratssitzung am Dienstagabend, als er seine Machbarkeitsstudie vorstellte. Soll die Scheune der Kartause für kulturelle Zwecke umgebaut werden, wären weitere rund 2,6 Millionen Euro fällig, und die sind wiederum förderfähig. Eine Sanierung des bestehenden Rathauses würde mit fast 1,4 Millionen Euro zu Buche schlagen, was ebenfalls mit "förderfähig" eingestuft ist. Das soll in einer weiteren Machbarkeitsstudie erarbeitet werden.

    Eine großartige Diskussion ließ Bürgermeisterin Rosi Schraud erst gar nicht aufkommen. "Hier geht es um eine reine Information, denn das letzte Wort haben die Bürger", sagte sie. Hintergrund ist eine frühere Debatte im Rat, bei der der Rat mit der 9:8-Stimmenmehrheit der SPD und der UWG einen Grundsatzbeschluss gefasst hatte, das Rathaus in die Kartause umzusiedeln. Das hätte einen gegenteilig ausgelegten Bürgerentscheid nach sich gezogen. Erst im letzten Moment hatte der Rat den Beschluss aufgehoben und die Entscheidung über die Nutzung der Kartause in die Hände der Bürger gelegt.

    Ehemaliger Ochsenstall stark mit Ammoniak belastet

    In der Sitzung am Dienstag zeigte sich, dass die Sanierung im linken Flügel der Kartause, den Stallungen, sehr teuer werden dürfte. Problematisch ist der ehemalige Ochsenstall wegen der starken Belastung durch Ammoniak.  Das ließe sich mit einem "Haus im Haus" lösen, einem Mauerwerk innen und einer Versiegelung der Außenmauern. In der ersten Variante des möglichen Umbaus könnte dort ein Bürgerbüro einziehen, im linken Teil des Gebäudes (mit einem großen Torbogen) der Ratssaal, im Nebengebäude und im noch auszubauenden Obergeschoss, für das eine neue Zwischendecke eingezogen werden müsste, die nicht-öffentlich zugänglichen Verwaltungsbereiche. "Noch haben wir keinen Platz für das Archiv gefunden", gab Haas zu. Deshalb könne nicht das gesamte Rathaus einziehen, denn es stünden knapp 1100 Quadratmeter zur Verfügung, gebraucht würden 1150 Quadratmeter. Variante zwei sieht nur den Umbau des Erdgeschosses vor, dann stünde der Verwaltung sehr viel weniger Platz zur Verfügung.

    Größere Fenster im Erdgeschoss dürfen laut Landesamt für Denkmalpflege nicht eingebaut werden, so dass es bei den relativ kleinen Fenstern bleiben muss. Die dürften im Obergeschoss eingebaut werden, und auch Dachgauben seien möglich, so Haas. Einen Fahrstuhl hat er ebenfalls eingeplant, und ein Durchbruch soll dafür sorgen, dass bei Veranstaltungen auch größere Lkw in den Innenhof fahren können, ohne das historische Eingangstor zu beschädigen. Parkplätze für die Rathaus-Mitarbeiter und die Besucher sind im Bereich der Scheune vorgesehen, die vom Bauhof genutzt werden.

    Grundsätzlich müssen auch die Bodendenkmäler des Innenhofes und deren archäologische Untersuchung mit in die Planung aufgenommen werden. Wegen des kleinen Baches auf dem Gelände kommt der Hochwasserschutz hinzu. "Das ist allerdings ein kleines Rinnsal, so dass das Wasserwirtschaftsamt kaum mit wirklichem Hochwasser rechnet", sagte Haas.

    Knackpunkt der ganzen Sache dürfte die Förderung oder besser gesagt die Nicht-Förderung werden. Um Fördertöpfe anbohren zu können, "wollen die zuständigen Stellen genaue Pläne sehen, und wir reden hier nur über einen ersten Entwurf".

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