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    Estenfeld

    Ministranten peppen Kartause auf

    Die ersten Pinselstriche finden sich schon auf dem WC-Container, vor dem sich die Estenfelder Ministranten mit Pfarrer Joachim Bayer und Bürgermeisterin Rosi Schraud versammelten. Foto: Guido Chuleck

    "72 Stunden - uns schickt der Himmel". Was die Ministranten in Estenfeld stolz auf ihren T-Shirts verkünden, mag auf den ersten Blick ein wenig vermessen wirken. Dahinter steckt aber nichts anderes als die 72-Stunden-Aktion des Bundes der deutschen katholischen Jugend (BDKJ), um in eben 72 Stunden mit Projekten in ganz Deutschland "die Welt ein Stückchen besser zu machen".

    Die Ministranten in Estenfeld nahmen sich dafür das Areal der Kartause vor.  Ziel: ein Wegekonzept erstellen, den Innenhof befestigen, Palettenmöbel bauen, den WC-Container anstreichen und eine Spielekiste bauen, etwa mit Wikinger-Schach-Figuren.

    Beim offiziellen Start zeigte sich der Himmel von seiner besten Seite und  Bürgermeisterin Rosi Schraud, wie in den vergangenen Wochen auch, fasziniert von der Motivation und dem Schwung "ihrer" Jugend, die sich auch durch einen anfänglichen Rückschlag nicht aus der Bahn habe werfen lassen.

    Ursprünglich nämlich wollten die Ministranten unter der Leitung von Theresa Störlein einen Radweg durch den späteren Bürgerpark, im hinteren Teil des großen Kartauseareals, bauen. Weil aber allein das Genehmigungsverfahren zu lange gedauert hätte, konnte der Gemeinderat den Ministranten beim besten Willen bei dieser Idee nicht unterstützen.

    Aber Rückschläge oder Aufgeben kennen die Estenfelder Ministranten nicht und so hatten sie schnell nach einer Alternative gesucht. Da drängte sich die Kartause auf, und die Minis krempelten die Ärmel hoch.

    Wie viele Anrufe, wie viele Schreiben und wie viele Gespräche nötig waren, um den Plan in die Tat umzusetzen, wusste Theresa Störlein beim Startschuss auch nicht mehr.

    Sie würden an ihre Idee glauben, sagte Pfarrer Joachim Bayer in einem Wortgottesdienst bei der Eröffnungsfeier im Hof der Kartause. "Glaube kann Berge versetzen, und das ist mittlerweile ein geflügeltes Wort geworden", so Bayer. Und natürlich würden die Minis nicht in 72 Stunden die ganze Kartause aufpeppen können. "Aber ihr packt mit an, um Leben in dieses Areal zu bringen", lobte Bayer seine Minis.

    Ein Gedicht aus China über einen weisen alten Mann, das Störlein vorlas, berichtete von einem weisen Mann, der mit dessen Söhnen einen störenden Berg abbauen wollte - mit einem Pickel. Das ginge doch nie, musste er sich von einem Fremden anhören. "Ihm vielleicht nicht", so der weise Mann, "aber wenn ich sterbe, tragen meine Söhne den Berg weiter ab, und später meine Enkel". Da erbarmte sich Gott und schickte zwei Engel, die den Berg kurzerhand davontrugen. "Die könnten wir hier auch gut gebrauchen", so der Pfarrer schmunzelnd, aber der Sinn der Geschichte war den Minis längst klar geworden. Und so griffen sie direkt nach der Eröffnung zu den Gartengeräten: das Unkraut im Eingangsbereich der Kartause störte doch sehr.

    Unterstützung kam von vielen Seiten, auch von der Gemeinde Estenfeld, die Essengutscheine verteilten ließ. Der Sängerverein spendiert Bierbänke, Kuchen und Hotdogs, die Karnevalsgesellschaft die Musikanlage, die Geldinstitute Geld.

    Und weil die Ministranten nicht alles allein schaffen, haben sich schon "sehr sehr viele Helfer" angesagt, ist die Oberministrantin begeistert. Mit einem Fest am Sonntag wird die Aktion gegen 17 Uhr beendet sein. Auf ihrer Internetseite minis.pfarrei-estenfeld.de informieren die Ministranten über ihre Aktion und laden zum Mitmachen ein.

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