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    Würzburg

    Missbrauch: Bischof diskutiert über den Film "Gelobt sei Gott"

    Szene aus dem Film "Gelobt sei Gott" (franz.: "Grâce à Dieu") von Regisseur François Ozon. Am 26. September läuft er in den deutschen Kinos an. Foto: Pandora Film

    Der französische Film "Gelobt sei Gott" (franz: Grâce à Dieu) sorgte bereits vor Monaten für Schlagzeilen. Am 26. September ist nun der offizielle Start in den deutschen Kinos. Im Würzburger Kino "Central im Bürgerbräu" wird an diesem Tag Würzburgs Bischof Franz Jung im Anschluss an die 19 Uhr-Abendvorstellung mit den Kinobesuchern diskutieren. Moderator ist laut Pressemitteilung des Ordinariats Christian Wölfel vom Bayerischen Rundfunk.

    Im Mittelpunkt des Film stehen reale Fälle sexuellen Missbrauchs im zweitgrößten Bistum von Frankreich - in Lyon. Ein Priester wurde dort 2016 wegen sexueller Übergriffe angeklagt. 70 Jungen soll er missbraucht haben. Das Urteil steht noch aus. Von kirchlicher Seite aus erhielt der Priester im Juli dieses Jahres die Höchststrafe. Er wurde aus dem Klerikerstand entlassen.

    Fiktive Filmhandlung über reale Ereignisse im französischen Bistum Lyon

    Auch Philippe Barbarin, seit 2002 Bischof von Lyon, musste sich vor Gericht verantworten, obwohl er zum Zeitpunkt der Missbrauchsfälle noch nicht im Amt war. Aber er hat den Priester, als er Bischof war und von den Anschuldigungen erfahren hatte, nicht zur Rechenschaft gezogen und die sexuellen Übergriffe durch den Geistlichen nicht angezeigt. Bereits im März dieses Jahres wurde Barbarin wegen Vertuschung von Missbrauchsvorwürfen zu sechs Monaten Gefängnis auf Bewährung verurteilt. Bischof Barbarin bot Papst Franziskus seinen Rücktritt an, der jedoch nicht angenommen wurde. Er solle sein Amt ruhen lassen, hieß es aus dem Vatikan. Im Juni wurde ihm dennoch ein apostolischer Administrator zur Seite gestellt.

    Szene aus "Gelobt sei Gott". Immer mehr Betroffene sexuellen Missbrauchs melden sich und gehen an die Öffentlichkeit. Foto: Pandora Film

    Regisseur François Ozon verarbeitet die Missbrauchsfälle von Lyon in seinem Film fiktiv. Er erzählt von Alexandre Guérin. Der Familienvater bekommt 2014 zufällig mit, dass der katholische Priester, von dem er in den 1980er Jahren missbraucht wurde, noch immer mit Minderjährigen arbeitet. Guérin will das in Zukunft verhindern und informiert die Kirchenoberen. Das hat jedoch keine Konsequenzen für den Priester. Bischof Barbarin handelt nicht. Daraufhin erstattet Guérin Anzeige bei der Polizei. Zwei weitere Opfer des Priesters unterstützen ihn. Gemeinsam kämpfen sie laut Filmbeschreibung gegen das Schweigen an und gründen den Selbsthilfeverein "La Parole Libérée" ("Das gebrochene Schweigen" bzw. "Die befreite Sprache"). Immer mehr Betroffene melden sich und sind bereit, an die Öffentlichkeit zu gehen.

    François Ozon hat seinen Film zunächst unter einem falschen Titel gedreht, sagte Produzent Nicolas Altmayer im Februar vor der Premiere auf der Berlinale in Berlin. Zudem sei es wegen des Themas nicht einfach gewesen, das Filmprojekt zu finanzieren. "Ursprünglich wollte ich einen Film über männliche Fragilität machen", so Ozon im Filmheft. Denn bisher habe er zahlreiche Frauenfiguren auf die Leinwand gebracht. Dazu gehört zum Beispiel "8 Frauen". "Diesmal wollte ich den Fokus auf Männer legen, die sichtbar leiden und Emotionen zeigen." Auf der Berlinale erhielt "Grâce à Dieu" den "Silbernen Bären".

    Mit Informationen von dpa und Pandora Film

    Im Würzburger Kino "Central im Bürgerbräu" gibt es zum Filmstart von "Gelobt sei Gott" am 26. September zwei Vorstellungen: um 16.15 und um 19 Uhr. Nach der Abendvorstellung diskutiert Bischof Franz Jung mit den Anwesenden. Danach wird der Film im "Central" jeweils um 17.30 und um 20.15 Uhr gezeigt. Kartenreservierung unter (0931) 780 11 057.

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