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    Würzburg

    Mit 80 Jahren zum Model: Mode kennt keine Altersgrenze

    Mit 80 Jahren will es die Würzburgerin Ursula Scharf nochmal wissen. Als Curvy-Model stand sie nun vor der Kamera eines Online-Magazins. Was sie dazu bewegt hat.
    Die Würzburgerin Ursula Scharf feiert aktuell ihr Debut als Curvy Model in einer Frühjahrs-Modestrecke des Online Magazins PlusPerfekt. Foto: Thomas Obermeier

    80. Für Ursula Scharf ist das kein Alter. Während andere Frauen ihres Alters zuhause im Schaukelstuhl sitzen, stricken oder Karten spielen, posiert sie vor einem Fotografen. Gekonnt lächelt die Rentnerin in die Kamera, legt ihre Hände an die Hüfte, zeigt sich mal von links, dreht sich dann nach rechts. Ihr Kinn ist dabei stehts nach oben gerichtet, soll doch den Ansatz eines Doppelkinns vermieden werden. Die goldenen Ringe an ihren Fingern glitzern dabei im Sonnenlicht. Ursula Scharf will es im hohen Alter nochmal wissen und feiert aktuell ihr Debüt als Curvy Model in einer Frühjahrs-Modestrecke eines Online Magazins.

    Nur jung und schlank zu sein, zählt in der Werbebranche schon lange nicht mehr als Erfolgsrezept. Immer mehr geraten auch die Älteren verstärkt in den Fokus der Modeindustrie. Dies hat auch das digitale Frauenmagazin "PlusPerfekt" aus Himmelstadt erkannt und Ursula Scharf als Model engagiert. "Für Frauen, denen Selbstverwirklichung und Inspiration wichtig sind, die keine Lust haben sich von Maßstäben Dritter ausbremsen zu lassen", beschreibt das Magazin seine Zielgruppe auf der Homepage. 

    Schon immer modebegeistert

    "Ich habe schon vor ein paar Jahren den Kontakt mit PlusPerfekt aufgenommen", erzählt die Würzburgerin. Bekannte von ihr leiten das Online Magazin. "Damals haben sie mich auf ein paar Modenschauen in andere Städte mitgenommen." Jedoch als Zuschauerin, an einen eigenen Modeljob habe sie damals nicht im geringsten gedacht. "Ich war einfach neugierig, wollte, dass mal etwas anderes passiert im Alltag."

    Neongelbe Schuhe passend zur Tasche: In der Modebranche gibt es keine Altersgrenze. Foto: PlusPerfekt

    Für Mode hat sich Scharf schon immer interessiert, hat früher Klamotten sogar selber genäht. "Man musste ja sparen bei drei Kindern. Aber mir hat das auch viel Spaß gemacht", erinnert sie sich. Als Model vor der Kamera stand sie trotzdem noch nie. Nicht so wirklich zumindest. Als gelernte Kürschnerin hat sie lange in einem großen Bamberger Pelzgeschäft gearbeitet, dort "mussten wir dann die Pelze bei Modenschauen vorführen. Vor 62 Jahren war Pelz doch noch total in Mode." 

    Heute steht sie weniger auf Pelz, dafür stehen bunte Farben bei ihr im Vordergrund. Dass langweilig kein Wort in ihrem Kleiderschrank ist, sieht man ihr an. Sie trägt eine dunkle Lederleggins, dazu eine farbenfrohe Tunika mit Fransen an den Ärmeln. Ihre Lippen hat sie sich pink angemalt, dazu ziert ein hellblauer Strich ihre Augen."Es muss doch nicht immer nur schwarz und grau sein", sagt sie. Doch gerade bei kurvigen Frauen sei es ein Problem, schöne Mode zu finden. Scharf sieht sich nun als eine Art Vorbild, "vor allem für die älteren Damen."

    "Ich kann mir mein Fett ja net wegdenk', des ist halt da."
    Ursula Scharf

    Dass sie heute mit 80 Jahren nochmal als Model durchstartet, habe sie sich als junges Mädchen niemals vorstellen können. Doch umso stolzer ist sie nun, als kurvige Frau vor der Kamera stehen zu dürfen. "Ich kann mir mein Fett ja net wegdenk', des ist halt da", sagt sie und lacht. Die Kurven gehören zu ihr. "Der Guido macht jetzt auch Mode für Mollige, des find' ich subber!" Mit Guido ist der bekannte deutsche Designer Guido Maria Kretschmer gemeint. "Den hab ich in München vor drei Jahren mal kennen lernen dürfen", erzählt sie stolz. "Ein toller Mensch. Viel lockerer als im Fernsehen." 

    Stolz posiert die Rentnerin vor einer Hauswand.  Foto: PlusPerfekt

    Als Stil-Ikone beschreiben die Macher des Magazins die 80-Jährige, die sie für ein sogenanntes Frühjahr/Sommer-Stylebook abgelichtet haben. Für dieses Shooting wurde Scharf weder professionell geschminkt, noch frisiert. "Ich brauch ja net viel, Lippenstift reicht." Ihre Looks werden als urban, modern und pragmatisch beschrieben. Stolz zeigt sie die Bilder auf ihrem Smartphone. Lässig posiert sie mit verspiegelter Sonnenbrille vor einer Hauswand, mal mit Jeans, mal in Neonfarben, mal mit großen Ohrringen. Ihr Alter? Sieht man ihr nicht an. Weder auf den Bildern noch persönlich.

    Unauffällig sei für sie nie eine Option gewesen. Die schwarze Strähne in ihrem silberfarbenen Haar ist eine Hommage an ihre ursprüngliche Haarfarbe. Als sie begann vor fast 30 Jahren auf ihre Haarfarbe allergisch zu reagieren, lies sie sich die Haare komplett abschneiden. Was blieb, war eine schneeweiße Kurzhaar-Frisur. "Und schockierte Nachbarn."

    Die Arbeit als Model ist hart

    "Eine lehrreiche Erfahrung" ist ihr Fazit zu dem Modeljob. Dass das Modeln anstrengend sein kann, das hatte sie sich schon vorher gedacht. Aber nach dem Shooting sei sie doch sehr überrascht gewesen. "Dieses dauernde An- und Ausziehen ist fürchterlich!" Soviel harte Arbeit hätte sie nicht erwartet. 

    Und wie sieht Scharf nun in die Zukunft? "Ich kann mir schon vorstellen, das nochmal zu machen." Für das kommende Herbst- und Wintershooting beispielsweise. In einer Modelkartei möchte sie jedoch auf keinen Fall aufgenommen werden. "Um Gottes Willen", sagt sie, "sowas wäre mir doch viel zu stressig." Bei ihr steht also nur der Spaß im Vordergrund. "Ich mache das alles nur so lange, bis ich keine Lust mehr dazu habe."

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