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    Gramschatz

    Mit dem Wald verwurzelt

    Ludwig Angerer ist mit dem Wald groß geworden. Zeit seines Lebens hat er ihn begleitet. Nun wechselt der Forstdirektor von Würzburg nach Karlstadt und wird dort Chef des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF). Eine neue Herausforderung, auf die er sich freut.

    Geboren wurde Angerer mitten in München, vor 57 Jahren. Bei seinem Großvater im bayerischen Wald, einem Forstwirt mit Leib und Seele, verbrachte er jede Ferien. Dort lernte er das praktische Waldwissen, die "robuste Grundprägung, was man mit Wald machen sollte und was nicht", sagt er. Und so wurden schon früh die Wurzeln für den Wald gelegt. Bei der Großmutter, einer feinen Dame der großbürgerlichen Münchner Bildungsgesellschaft, bekam er seine "soziologischen Wurzeln" - bei Kaffee und Zigarillos.

    Der Großvater führte ihn schon früh in die Familiengeschichte der Angerer ein. Da ist nachweislich bis 1680 zurück verfolgbar, dass viele seiner Vorfahren im Forstbereich tätig waren, beispielsweise der Vater und der Bruder des Großvaters, der sogar in Lohr lernte. So taucht in der Familienchronik immer wieder der Spessart auf. "Das finde ich total spannend, dass ich jetzt für dieses wundervolle Laubholzgebiet einer der verantwortlichen Förster werden darf", sagt er stolz.

    Spannende Familienchronik

    Große Verantwortung hatte auch sein wohl berühmtester Vorfahre Ottmar von Angerer, ein Vetter des Großvaters, der zwar kein Förster war, sondern Medizin in Würzburg studierte. Nach Abschluss des Studiums arbeitete er als Hochschullehrer und "aufstrebender Chirurg". Prinzregent Luitpold und später König Ludwig III. von Bayern machten ihn zu ihrem Leibarzt. Ende 1898 verlieh ihm Luitpold das Ritterkreuz des Verdienstordens der bayerischen Krone und erhob ihn in den persönlichen Adelsstand. Von nun an durfte er sich Ritter von Angerer nennen. Sein Sohn Ernst wurde Physiker und promovierte bei Wilhelm Conrad Röntgen.

    Ich durfte Forstmann in Würzburg werden, wo schon meine Altvorderen in anderen Fachbereichen gearbeitet habe."
    Ludwig Angerer

    Geprägt von dieser beachtlichen Familiengeschichte hatte Würzburg schon immer einen besonderen Klang für Ludwig Angerer. Nach dem Abschluss des Studiums der Forstwissenschaften an der Ludwig-Maximilians-Universität München war er zunächst an der Oberforstdirektion Regensburg tätig. Als er dann nach Würzburg kam, habe es kein Halten mehr gegeben, sagt er: "Ich durfte Forstmann in Würzburg werden, wo schon meine Altvorderen in anderen Fachbereichen gearbeitet haben, das hatte etwas ganz Besonderes."

    Der Traum vom Forstamtsleiter

    So kam er im Herbst 1990 nach den Stürmen Vivian und Wiebke an das Forstamt Würzburg. Aufräumen und Neuanpflanzungen waren angesagt. Nach drei Jahren wurde er dann an die damalige Oberforstdirektion Würzburg geholt. Immer wieder bewarb er sich in der Folgezeit an verschiedenen Forstämtern. Ganz jung und ganz frech, so Angerer, habe er damals schon Forstamtsleiter werden wollen. Doch dann kamen die dunklen Wolken der Forstreform. Von 2002 an baute er das erste Natura 2000 Team auf und war parallel dazu kommissarischer Forstamtsleiter in Mellrichstadt.

    Am 28. Juni 2005 sperrte Angerer das Forstamt in Mellrichstadt zu. Am 1. Juli 2005 trat nämlich die Forstreform in Kraft und der gebürtige Münchner begann seinen Dienst am Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft in Bonn. Hier fing er an, sich mit dem Klimawandel zu beschäftigen. "Das war eine unglaublich bereichernde Zeit für mich", sagt er. Ende 2006 zog es ihn wieder zurück nach Würzburg. Seit 2007 ist er Leiter des Bereichs Forst am AELF Würzburg und gleichzeitig Vertreter des Behördenleiters. Seitdem hat er vieles angepackt. Hat kontrovers diskutiert und viel erreicht.

    Ökosystem Wald muss in Balance gehalten werden

    Themen wie Stärkung der Biodiversität im Wald, Artenschutz, Anpassungen an den Klimawandel im heißtrockenen Landkreis Würzburg, Verbesserung der regionalen Wertschöpfung durch Waldneuordnung, Aufbau des Walderlebniszentrums im Gramschatzer Wald sowie die Entwicklung eines Waldpädagogik- und Bildungskonzeptes hat er auf den Weg gebracht und "wesentlich verbessert". Die Wälder von innen heraus biologisch robust zu machen, darum geht es ihm.

    "Ich habe viel von der Waldpädagogik gelernt, da geht mehr über Herz, Gemüt und Ergriffenheit."
    Ludwig Angerer

    Mit all diesen Themen sei er im Februar 2007 angetreten und damit sei er "durch". Zumindest in Würzburg. Nun bricht er auf zu neuen Ufern. Offiziell wird er ab 6. August Amtschef des AELF Karlstadt und gleichzeitig Bereichsleiter Forst. Aus seinem reichen Erfahrungs- und Wissensschatz wird er schöpfen, denn auch im Spessart ist der Klimawandel ein großes Thema. Und das neue Eichenzentrum, das im Hafenlohrtal gebaut werden soll. Als Forst-Berater sieht Angerer sich nach wie vor, für Waldbesitzer und Bürger gleichermaßen, immer mit dem Blick auf das Gemeinwohl und das Ökosystem Wald. Das gilt es, in Balance zu halten, so dass die ganze Gesellschaft davon profitieren kann, hat er sich auf die Fahne geschrieben.

    Arbeiten im Spessart, leben in Sommerhausen

    Bei all seinem Tun sind Angerer immer die Wurzeln wichtig, die der Familiengeschichte, aber auch die seiner Zunft. Und so bezieht er sich gerne auf das bayerische Waldgesetz, in dem schon im Artikel eins steht: "Der Wald hat besondere Bedeutung für den Schutz von Klima, Wasser, Luft und Boden, Tieren und Pflanzen, für die Landschaft und den Naturhaushalt." Das ist für den Ökologen und Forstmann Grundlage seines Handelns.

    Dabei ist der ehemalige Marathonläufer ausgesprochen zäh, ausdauernd und hin und wieder auch streitbar, wenn es um die Umsetzung seiner Anliegen geht. "Man sollte mich nicht unterschätzen", sagt er mit einem verschmitzten Lächeln. Doch eigentlich begeistert er mit Fachwissen, guten Argumenten und seiner ruhigen besonnenen Art. Und wenn das nicht hilft? "Ich habe viel von der Waldpädagogik gelernt, da geht mehr über Herz, Gemüt und Ergriffenheit", sagt er. Der Wald spricht für sich selbst, man müsse den Menschen nur die Tür dazu aufmachen. Das wird er nun auch im Spessart tun. Seinem Wohnort Sommerhausen bleibt er in jedem Fall treu.

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