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    WÜRZBURG

    Mitten in der Stadt eine Hilfe für die Seele

    Bauer mit Bauer: In einem Kindertherapieraum unterhält sich Bürgermeister Dr. Adolf Bauer (links) als „Bauer“ mit dem Teufelchen, in dessen Rolle hier Ambulanzleiterin Dr. Astrid Steinecke geschlüpft ist. Im Hintergrund Geschäftsführer Rainer Knappe, Michael Seubert und Festredner Professor Markos Maragkos aus München.
    Bauer mit Bauer: In einem Kindertherapieraum unterhält sich Bürgermeister Dr. Adolf Bauer (links) als „Bauer“ mit dem Teufelchen, in dessen Rolle hier Ambulanzleiterin Dr. Astrid Steinecke geschlüpft ist. Im Hintergrund Geschäftsführer Rainer Knappe, Michael Seubert und Festredner Professor Markos Maragkos aus München. Foto: THERESA MÜLLER

    „Wenn die Seele nach Hilfe schreit, hört man die Rufe oftmals nur ganz leise“, sagte die bayerische Gesundheitsministerin Melanie Huml beim Festakt zur Eröffnung der erweiterten Psychotherapeutischen Ambulanz für Kinder, Jugendliche und Erwachsene in den neuen Räumen in der Eichhornstraße im Hof Emeringen. „Gott sei Dank gibt es immer mehr Menschen, die diese Rufe zulassen wollen und wahrnehmen können, und immer mehr, die sich professionelle Hilfe suchen“, so die Ministerin. Wie Gastredner Bürgermeister Adolf Bauer ist sie der Ansicht, psychische Krankheiten, von Autismus und ADHS über Angststörungen und Depressionen bis zu Schizophrenie und weiteren müssen aus der Tabuzone geholt werden. Das Stigma, welches ihnen oft noch anhaftet, sei fehl am Platz, so Huml am Freitag.

    Auffälligkeiten wie die des Zeppelphilipp oder des „Hans-Guck-in-die Luft“ aus dem „Struwwelpeter“ könnten heutzutage gut behandelt werden, erst recht in „moderner und einfühlsamer Umgebung wie hier in der Ambulanz“. Dass diese sich im Herzen der Stadt befindet, freute den Bürgermeister besonders, denn sie gehöre dazu wie der Handel oder die Gastronomie.

    AVM-Geschäftsführer Rainer Knappe hätte den Namen des Trägers gerne geändert, denn der heißt mit seinem etwas sperrigen Namen aus den 70ern „Arbeitsgemeinschaft für Verhaltensmodifikation gGmbH“ (AVM). Ihm wäre eine „AG für therapeutisches Wohlfühlen“ lieber, aber die AVM ist als solche eingeführt. So sehr, dass ihre bisherige Würzburger Unterkunft in der Theaterstraße viel zu eng wurde und als Ergebnis einer Suche nach Ausweitung die 16 Therapieräume in der jetzigen Einrichtung auf 1200 Quadratmetern gefunden wurden. Hier arbeiten im Schnitt 30 bis 40 Studienabgänger, die sich in zwei Jahren in Theorie und Praxis fortbilden. Sie übernehmen in der Ambulanz sowohl Beratung wie Therapie in Zusammenarbeit und unter Verantwortung der Ambulanzleitung. Hilfesuchende können je nach Bedarf auch zu anderen Fachleuten weitergeleitet werden.

    Viele Kooperationspartner bis hin zur Universität spielen eine Rolle. Bezahlt werden die Therapien von den Krankenkassen, die AVM indes finanziere die theoretische Ausbildung der Studienabgänger vor, erläutert Leiterin Dr. Astrid Steinecke. Vom Geschäftsführer Freier-Hof Emeringen Werner Reuß nahm Knappe den symbolischen Schlüssel entgegen.

    „Einfach so vorbeikommen“, wie Bürgermeister Bauer meinte, das dürfte nicht ganz funktionieren. Die Betroffenen melden sich meist per Telefon, so Steinecke, und vereinbaren Termine. Vorübergehende Wartelisten wie teils in den vergangenen Jahren gebe es derzeit nicht. Ministerin Huml sprach von „250 Psychotherapeuten mehr seit 2013 in Bayern“ und noch 30 freien Niederlassungen – bei 3730 niedergelassenen Psychotherapeuten aktuell.

    Seit den 80er Jahren bietet die AVM Aus-, Fort- und Weiterbildung vor allem in der Verhaltenstherapie an und orientiert sich dabei am Ansatz der so genannten Selbstmanagementtherapie nach Kanfer, Reinecker und Schmelzer. Danach soll der Patient in die Lage versetzt werden, sein Leben wieder ohne therapeutische Hilfe zu bewältigen.

    Die AVM unterhält vier psychotherapeutische Ambulanzen: in Bamberg, München, Regensburg und Würzburg. Hier begann die Schulung der ersten Auszubildenden 2004 im Falkenhaus und wurde ab 2006 in der Theaterstraße fortgesetzt.

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