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    Würzburg

    Mobbing im Landratsamt: Keine Debatte im Würzburger Kreistag

    Im Würzburger Landratsamt rumort es. Es geht um Mobbing und eine brisante E-Mail des Landrats an Mitarbeiter. Foto: Thomas Obermeier

    Im Würzburger Landratsamt rumort es. Mitarbeiter sind unzufrieden. Ein Abteilungsleiter soll sie dort über Jahre hinweg schikaniert haben– trotz mehrfacher Beschwerden der Betroffenen. In der letzten Sitzung des Würzburger Kreistages vor der Sommerpause wurde darüber aber nicht gesprochen. Nur aus der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen gab es einen Antrag. Die Grünen-Kreisräte wollten Informationen über einen Rechtsanwalt, den Landrat Eberhard Nuß (CSU) beauftragt hat. 

    Weil diese Redaktion im Juni einen umfangreichen Fragenkatalog zum Mobbing-Komplex an Landrat Nuß übermittelt hat, schaltete dieser einen Kölner Anwalt ein. Er sollte nicht nur hausintern beraten, sondern auch die Kommunikation mit dieser Redaktion übernehmen, erläuterte Regierungsrätin Miriam Meder. Der Anwalt sei auf Medienrecht spezialisiert – ein Fachgebiet in dem die Juristen des Landratsamtes weniger firm seien. Da es sich um eine laufende Angelegenheit handle, könne der Landrat in eigener Zuständigkeit das Mandat erteilen. Die Kosten für den Rechtsanwalt sollen aus der Landkreiskasse übernommen werden.

    Landrat Nuß hat einen Anwalt beauftragt: Kritik von den Grünen 

    "Die Beauftragung geschah auch, weil aufgrund der Anfrage der Main-Post presserechtliche Fragen und auch Fragen der Rechtmäßigkeit der Berichterstattung zu klären sind", teilt die Pressestelle des Landratsamtes darüber hinaus mit. Wie hoch die Anwaltskosten schätzungsweise werden, kann noch nicht abschließend gesagt werden. "Dies hängt insbesondere auch vom Verhalten der Main-Post ab", heißt es von der Pressestelle des Landratsamtes.

    Karen Heußner, stellvertretende Landrätin und Grünen-Sprecherin, erklärte für ihre Fraktion: "Einen Anwalt einzuschalten, halten wir für falsch." Eine Debatte dazu blieb aus. Ebenso wenig wurde im Jugendhilfeausschuss am vergangenen Montag über Mobbing im Landratsamt gesprochen. Auch über eine E-Mail des Landrats an Mitarbeiter, in der er einen Beschäftigten namentlich verdächtigt, aus "Ehrgeiz, Eifersucht, Rache" einen anonymen Brief geschrieben zu haben, wurde nicht diskutiert. Nuß hat die Nachricht versandt, ohne vorher mit der Person über seinen Verdacht gesprochen zu haben. Die verdächtigte Person streitet glaubhaft ab, den anonymen Brief, in welchem jahrelange Schikanen und Psychospielchen eines Fachbereichsleiters am Landratsamt geschildert werden, verfasst zu haben. 

    UWG-Fraktion sieht kein öffentliches Interesse 

    "Der Landrat hat hier nicht immer glücklich agiert. Das muss jetzt endlich mal aufgearbeitet werden", fordert CSU-Fraktionschef Manfred Ländner auf Nachfrage dieser Redaktion. Und Thomas Eberth, der an diesem Freitag voraussichtlich von den CSU-Delegierten zum Landratskandidaten bei der Kommunalwahl 2020 nominiert wird, sagt: "Ab 1. Mai will ich einiges besser machen. Und dazu gehört es, dass die Mitarbeiter eine Vertrauensbasis haben." Nuß tritt aus Altersgründen nicht mehr an. 

    Auch Karen Heußner, Fraktionsvorsitzende von Bündnis90/Die Grünen im Würzburger Kreistag, will das Verhalten des Landrats im Gespräch mit dieser Redaktion nicht gutheißen. "Das war schlicht falsch", sagt sie. "Da muss er jetzt selber für geradestehen." UWG-Chef Hans Fiederling sieht überhaupt kein öffentliches Interesse. Sowohl das Mobbing im Landratsamt als auch die E-Mail des Landrats "muss man intern aufarbeiten", meint er.  

    SPD: Formulierungen des Landrats waren ein Fehler

    Der Jurist Josef Ziegler, ehemaliger Fraktionsvorsitzender der UWG im Würzburger Kreistag und Bürgermeister in Güntersleben, sieht das ganz anders. Für Ziegler, der auch die Bayerische Verwaltungsschule in München geleitet hat,  steht fest: "Nuß hat seine Fürsorgepflicht verletzt. Und das ist gravierend. Auch beim Mobbing im Landratsamt handelt es nicht um Lappalien." Ziegler sieht hier auch die kommunalen Gremien in der Pflicht. "Sie können vom Landrat Auskunft verlangen. Der Personalausschuss kann die Betroffenen hören und der Kreistag hat einen Anspruch darauf, informiert zu werden." 

    "Aus unserer Sicht waren die vom Landrat in einer hochemotionalen Situation getroffenen Formulierungen ein Fehler", teilt SPD-Fraktionschef Stefan Wolfshörndl schriftlich mit. "Für die SPD im Kreistag ist es neben der sachlichen Aufklärung umso wichtiger, dass bei zukünftigen ähnlich gelagerten Fällen umgehend aufgeklärt wird und ein Maßnahmenplan vorliegt."

    Nuß hat inzwischen eingeräumt, einen Fehler gemacht zu haben und eine Aufarbeitung in die Wege geleitet. Für die Mitarbeiter stehen künftig zwei Ansprechpartner bereit, auch um sicherzustellen, dass Landrat Nuß in Zukunft besser über die Beschwerden seiner Mitarbeiter informiert wird. 

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