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    WÜRZBURG

    Montverdichor sang selten zu hörende Werke

    Wieder einmal hat Matthias Beckert mit seinem Monteverdichor unbekannte Werke ans Licht geholt. Wer kennt schon Herbert Howells? Dabei ist er einer der besten englischen Komponisten des 20. Jahrhunderts. In der fast vollbesetzen Neubaukirche hörte man seinen „Hymnus Paradisi“, ein Werk, das nach dem Tod seines Sohnes als eine Art Requiem entstand. Es verwendet zwar den Anfang des lateinischen Requiems und das „Sanctus“, aber auch biblische Psalmen und Worte der Offenbarung, sowie Worte aus dem Salisbury Diurnal. Insofern ist es ähnlich wie das Deutsche Requiem von Brahms kein echtes Requiem.

    Wahrer Klangrausch

    Das Prelude, das sich wie eine Trauermusik anfühlt, geht über in das zunächst von den Chorsopranstimmen vorgetragenen „Requiem aeternam“, das sich immer weiter steigert und wenn es um das ewige Licht geht, in einen wahren Klangrausch übergeht. Da taucht zum ersten Mal das Wort „Licht“ auf, das in gewisser Weise die ganze Komposition durchzieht. Die üppige Orchesterbehandlung lässt an Richard Strauss denken, aber Howell hat doch seine ganz eigene Klangsprache, die manchmal verwirrt, aber auch ergreift, zu Herzen geht und überwältigt.

    Diese große Gefühlspalette wird vom Monteverdichor und der Jenaer Philharmonie überzeugend vermittelt.

    Sopranistin sprang kurzfristig ein

    „Der Herr ist mein Hirte“, vom Solosopran wunderbar gesungen, leitet die bisweilen düstere, dann aber wieder lichtvolle Deutung des 23. Psalms ein. Die Sopranistin Irina Trutneva, die für die erkrankte Anna Nesyba eingesprungen war, überzeugte immer dann mit ihrer geradlinig schönen Stimme, wenn das Orchester nicht allzu heftig aufspielte, konnte aber – vielleicht auch kompositorisch gewollt – nicht verhindern, dass sie in den Klangmassen manchmal etwas unterging.

    Bernhard Schneider, konnte sich mit seinem hellen klaren Tenor vor allem in der Höhe mühelos durchsetzen. „Ich hörte eine Stimme vom Himmel“ leitete das „Selig sind die Toten“ ein, das dann vom herrlichen, klangewaltigen „Heilig ist das Licht“ abgelöst wird, in dem der Chor noch einmal seine faszinierende Intonationssicherheit mit lang ausgehaltenen Tönen zeigen konnte.

    Traumhaft sicherer Chor

    Edward Elgars Vertonung der Ode „The Music Makers“ arbeitet ebenfalls mit einer vielschichtigen Stimmungsmalerei, die den Text Arthur O'Shaughnessy musikalisch überhöht. Es geht um die Wirkung von Musik, von Träumen und Singen, oftmals von Zitaten aus eigenen Werken untermalt. Dem traumhaft sicheren, ausgewogenen Chor zur Seite stellt sich hier die Altistin Barbara Bräckelmann, die die ganze Bandbreite von ahnungsvoller Ruhe bis zu flammenden Ausbrüchen überzeugend darstellen kann.

    Das Publikum war begeistert

    An diesem Abend hat die Musik wieder einmal begeistert, auch zum Träumen bewegt, der lange von Bravo-Rufen durchsetzte Beifall, vor allem für den Chor, zeigte das. Dank an den genauen, zuverlässigen Dirigenten Matthias Beckert, der bei der Wiederholung des Konzerts mit dem Hauptpreis 2018 der Stiftung Bücher-Dieckmeyer ausgezeichnet wird.

    Von unserem Mitarbeiter Armin Rausche

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