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    WÜRZBURG

    "Monument" ausgestellt: Eintauchen in die Geschichte Würzburgs

    Monument: Julian Michel taucht mit den Fingern in die Geschichte Würzburgs ein. Foto: theresa müller

    Ich packe meine Kiste und nehme mit – den einschneidendsten Tag in der Geschichte Würzburgs. Was wie eine kindliche Spielerei klingt, hat der Kommunikationsdesigner Julian Michel mit seinen 23 Jahren in die Tat umgesetzt. Seine „Kiste“ trägt den Titel „Monument“ und ist so vielschichtig, dass man sie mit Worten kaum beschreiben kann. Bei seiner ersten Ausstellung im einraum.atelier lädt der Würzburger daher jetzt alle (Würz-)Bürger ein, die Geschichte ihrer Stadt mit Hilfe seiner „Kiste“ selbst zu erleben und im wahrsten Sinne des Wortes in den 16. März 1945 einzutauchen.

    „Ich möchten jedem Interessierten die Möglichkeit geben, das 'Monument' zu sehen und auszuprobieren“, erklärt Julian Michel seinen Schritt in die Öffentlichkeit. Sein Modell, dass das brutale Ausmaß der Zerstörung der Bombenangriffe zeigt, ist als Semesterprojekt im Bereich interaktive Medien an der Hochschule Würzburg-Schweinfurt entstanden. Ziel sei es gewesen, die Ereignisse vom 16. März, bei denen rund 5000 Menschen ihr Leben verloren, spürbar und fühlbar zu machen – und das Ganze ansprechender als in einem verstaubten Buch.

    Das Ergebnis ist Geschichte zum Anfassen. Denn was auf den ersten Blick wie ein starres Bild wirkt, wird beim zweiten Hinschauen zu einer visuellen Zeitreise: Wenn die Hand über die Leinwand in der „Kiste“ steift, entstehen immer neue Bilder, Perspektiven und Eindrücke. Der Betrachter schaut von oben auf die zerstörte Stadt herab – und hat dabei selbst in der Hand, welches Detail im Vordergrund steht. Je tiefer man in den nachgebenden Stoff eintaucht, umso näher kommen die Trümmer, das Leid, der Krieg – und die Musik verstummt für einen Moment.

    Mit kleinen Bewegungen reist der Zuschauer so von der Vergangenheit in die Gegenwart, sieht, was wieder aufgebaut, was neu gebaut wurde. „Ich habe insgesamt 70 Perspektiven nachfotografiert“, sagt Michel. Die Aufnahme hat er für die Ausstellung einzeln entwickeln lassen und sie über die schwarz-weiß Fotografien von damals gelegt. Der 23-Jährige hat sich Mühe gegeben, viel Zeit und Recherche in sein Werk investiert. Vor seiner ersten eigenen Ausstellung sei er zwar „doch sehr nervös“, aber freue sich auch darauf, den Würzburger ihre Geschichte ein kleines Stück näher zu bringen – mit einer kleinen, schwarzen Kiste.

    Ausstellung: Eröffnet wird die Ausstellung am Samstag, 19. September, um 14 Uhr im einraum.atelier in der Laufergasse 14. Zu sehen ist sie an den Wochenenden 19./20. sowie 26./27. September, von 14 bis 18 Uhr. Infos: www.julian-michel.com.

    Von unserem Redaktionsmitglied Meike Rost

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