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    EIBELSTADT

    Motorbootslalom: Waghalsige Wendemanöver auf dem Main

    Am Samstag fand in Eibelstadt die Bayerische Meisterschaft im Motorbootslalom statt. Die Teilnehmer von acht bis 27 reis... Foto: Foto:

    Der Motor heult laut auf, als das Schlauchboot eine scharfe Kurve fährt. Wasser spritzt zu beiden Seiten auf, bevor das Boot schließlich im perfekten Winkel durch eine drei Meter breite Lücke zwischen zwei weißen Bojen gleitet. Die Steuerfrau, die ihr Boot mit traumwandlerischer Sicherheit durch das waghalsige Manöver gesteuert hat, ist gerade einmal sieben, acht Jahre alt. Die Chancen stehen nicht schlecht, dass sie sich nach diesem Wochenende bayerische Meisterin nennen darf.

    In Eibelstadt finden am Samstag und Sonntag die bayerischen Meisterschaften im Motorbootslalom statt. 25 Kinder und Jugendliche in verschiedenen Altersklassen steuern in einem Seitenbecken des Mains um die Wette, um sich für die deutsche Meisterschaft zu qualifizieren. Gastgeber ist der Wassersportclub Eibelstadt. Er gehört zu den nur zwei Vereinen in Bayern, die einen dauerhaften Parcours im Wasser ihr Eigen nennen können.

    Anspruchsvoller Wettbewerb

    „Die hat noch ein Kielschwein vorne drin liegen“, erklärt der Vorsitzender Gerhard Braun mit Blick auf die talentierte Nachwuchs-Bootsführerin. Mit der eher uncharmanten Bezeichnung ist eine Frau gemeint, die aus Sicherheitsgründen im gleichen Boot wie das Mädchen ganz vorne liegt. In brenzligen Situationen soll sie eingreifen können, um das Mädchen zu schützen.

    Das ist auch nötig, denn der Parcours ist anspruchsvoll. Für Bestzeiten rasen die Boote förmlich übers Wasser und vollziehen abrupte Wendungen und Kurven. Je nach Altersklasse müssen die Wassersportler nicht nur durch die „Bojentore“ fahren, sondern zusätzlich kompliziertere Manöver vorführen. So muss die mittlere Altersklasse beispielsweise rückwärts durch ein Tor fahren, während die Ältesten beim sogenannten „Mann-über-Bord-Manöver“ einen Rettungsring bergen müssen, ohne dabei eine Boje in nächster Nähe zu berühren.

    Damit bei dem Wettbewerb auch alles korrekt und fair abläuft, ist an beiden Wettkampftagen ein ganzes Schiedsrichterteam im Einsatz: Am Start- und Zielpunkt muss die Zeit gemessen werden, während die Punktrichter von einer Anhöhe aus die Manöver beobachten. Wer beim Durchfahren die Bojen berührt, kassiert Strafpunkte. Die weißen Bojen sind eigens mit schwarzen Streifen bemalt worden, um die durchs Boot verursachten Bewegungen besser erkennen zu können.

    Ziel: Verantwortung lernen

    Sicherheit wird beim Wettbewerb großgeschrieben: Schon auf dem Steg müssen alle Beteiligten eine Schwimmweste tragen, ansonsten droht die Disqualifizierung. Die Motoren sind mit einer roten Quickstop-Leine gesichert, die das Rotorblatt sofort anhält, wenn ihre Spannung nachlässt. Neben der konkreten Unfallprävention soll der Nachwuchs so auch nachhaltig sensibilisiert werden: „Schon von Kind auf wollen wir vermitteln, wie wichtig Achtsamkeit und Vorsicht auf dem Wasser sind“, erklärt Braun. „Letztlich ist es ja das Ziel, dass die Jugendlichen später auch mal größere Boote sicher und verantwortungsvoll beherrschen.“

    Dabei ist die Zeit der dicken Luxusyachten auf deutschen Flüssen vorbei: „Die Reichen heutzutage haben ihre Yacht nicht mehr auf dem Main, sondern an der Adriaküste“, meint Fritz Lauch vom veranstaltenden Bayerischen Motoryachtverband. „Früher waren die Yachtclubs eine elitäre Angelegenheit. Heute ist das nicht mehr so.“

    Fischer wollten Parcours verhindern

    60 Vereine sind in dem Verband organisiert, darunter auch der Wassersportclub Eibelstadt. Auch bei diesem zeigt sich die Entwicklung: 1964 als Würzburger Yachtclub gegründet, musste man 2007 der Schiffsanlegestelle für Kreuzfahrtschiffe weichen und nach Eibelstadt umsiedeln. Die Gelegenheit nutzten die Verantwortlichen, um aus dem „Yachtclub“ einen „Wassersportclub“ zu machen – parallel zum Wandel im Vereinsleben: „Heute sind bei uns Straßenbahnfahrer und Arbeiter genauso Mitglied wie Unternehmer“, sagt Braun. „Viele unserer Mitglieder fahren ältere Boote, die sie oft seit vielen Jahren selbst instandhalten und reparieren.“

    Für die Jugendlichen kostet eine Mitgliedschaft lediglich 48 Euro jährlich – das Benutzen der Schlauchboote und das samstägliche Training im Sommer inklusive. Am Geld soll die Jugendarbeit nicht scheitern. Vielmehr machte der Fischereiverband den Bootsfreunden einen Strich durch die Rechnung: Fünf Jahre lang dauerte der Rechtsstreit um den Parcours des Clubs in Eibelstadt, den die Fischer unbedingt verhindern wollten.

    Wakeboarding und Wasserski im Trend

    In dieser Zeit durfte der Parcours nicht mehr befahren werden, sodass den Jugendlichen ihre Trainingsmöglichkeit fehlte. Die Folge: Als der Rechtsstreit 2015 zugunsten des Wassersportclubs entschieden war, hatte sich die einst große Jugendabteilung des Clubs weitgehend aufgelöst. Doch der Wiederaufbau ist längst angelaufen: Fünf Teilnehmer stellen die Eibelstädter bei dem Turnier, in Zukunft sollen es noch deutlich mehr werden. Im Wachsen sind auch die beiden anderen Wettbewerbe, die der Bayerische Motoryachtverband im Angebot hat: Wasserski und vor allem Wakeboarding. „Das ist zurzeit richtig im Trend, als Verband kriegen wir da fast täglich neue Anfragen von Vereinen rein“, meint Lauch.

    Er kennt sich aus mit dem Sport. Er war es, der die Anerkennung der Sportart beim Innenministerium in München überhaupt erst beantragt hat. Der junge Sport basiert auf dem Wakeboard: Ein Brett, das an die Füße geschnallt wird, um damit auf dem Wasser zu gleiten. Der Fahrer steht dabei seitlich zur Fahrtrichtung auf dem Brett und wird von einem Motorboot oder einem Wasserskilift gezogen. Der Sport ist schnell, spektakulär und erfordert Mut. Im nächsten Jahr soll in der Oberpfalz die erste bayerische Meisterschaft im Wakeboarding stattfinden.

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