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    WÜRZBURG

    Mwanza2018 – eine Stadt mit Ambitionen

    Ein angenehm warmer, nicht zu heißer Spätnachmittag, mitten in Mwanza. Im Sportzentrum des zentral gelegenen Stadtteils Mirongo herrscht buntes Treiben. Jugendliche spielen Basketball. Arbeiter installieren ein Flutlicht, überwacht von Hamza Shido, dem Vorsteher des Straßenzuges, und unter Anleitung von Rogasian Kaijage, dem Ingenieur, Fußballtrainer und Mitbegründer der Sport Charity Mwanza.

    Diese, ein Projekt des Würzburger M.W.A.N.Z.A. e.V., habe das Sportzentrum über Spenden finanziert, erklärt Kaijage, der im Jahr 2012 selbst Würzburg besucht hat, damals als Trainer einer tansanischen Fußballmannschaft. Der Vorsteher des Straßenzuges, Hamza Shido, erklärt, diese Sport Charity bedeute viel für Mwanzas Gesellschaft, „vor allem für die Jugend, sowohl für Mädchen als auch für Jungen“. Ihre Aktivitäten, so hofft er, würden den Jugendlichen helfen „sowohl im Sport, beruflich, gesundheitlich und auch dabei, dass die jungen Leute lernen, 'Nein' zu Drogen zu sagen“.

    Medizinische Hilfe für Straßenkinder

    Genau das ist auch ein Anliegen von Dr. Marko Hingi, einem jungen Arzt aus Mwanza. Seit drei Jahren etabliert ist sein „Wound Care Project“, die kostenlose medizinische Versorgung von Straßenkindern, die er und seine Kollegen im von ihm gegründeten Tanzania Rural Health Movement (TRHM) ehrenamtlich und kostenlos jeden Samstag anbieten.

    Neu ist der medizinische Notfall-Service, den TRHM in Kooperation mit der Feuerwehr täglich und rund um die Uhr anbieten. Wählt man in Mwanza die Telefonnummer 114, so landet man in der gemeinsamen Einsatzzentrale von Feuerwehr und TRHM. Mittels einer App können sie, wenn ein Notruf eingeht, lokalisieren, welcher ihrer ehrenamtlichen Ersthelfer am nächsten beim Unfallgeschehen ist.

    Motorradtaxis als Ersthelfer

    Zu Ersthelfern ausgebildet hat TRHM, neben den Feuerwehrleuten, auch zahlreiche „Boda-Boda-Fahrer“, die mit ihren Motorradtaxis entlang der Hauptstraßen auf Kundschaft warten und meist schnell an den Unfallstellen sein können. Mit ihren Erste-Hilfe-Kenntnissen können die Boda-Boda-Fahrer Sofortmaßnahmen einleiten, während Hingi und seine Kollegen mit ihrem dreirädrigen Krankenwägelchen zum Unfallort eilen.

    „Für die Patienten ist der Einsatz kostenfrei, lediglich die Boda-Boda-Fahrer erhalten – aus Spendengeldern von TRHM – Benzingeld als Aufwandsentschädigung“, erklärt Hingi. Er hofft, dass sich der kostenlose Notfall-Service in Mwanza herumspricht, denn noch immer sei die Hemmschwelle in der Bevölkerung hoch, im Notfall auch tatsächlich 114 zu wählen.

    Drohnen liefern Medizin

    Ebenfalls im medizinischen Bereich startet im Februar in der Region Mwanza ein anderes, ambitioniertes Projekt: In einer Pilotphase soll getestet werden, ob mit Drohnen medizinische Produkte an entlegene Orte geliefert werden können, insbesondere auf die Inseln im Viktoriasee vor der Küste Mwanzas. Das geplante Drohnenprojekt beurteilt der Arzt Hingi grundsätzlich positiv. Es werde von demselben Unternehmen betrieben, das im Nachbarland Ruanda bereits erfolgreich medizinische Produkte per Drohne an entlegene Orte liefern würde, so Hingi. Gerade für entlegene Gegenden wie die Inseln vor Mwanza bewertet Hingi den Einsatz der unbemannten Flugobjekte als „sehr sinnvoll“.

    Jedoch seien die geografischen Gegebenheiten in der Region Mwanza andere als in Ruanda, sodass abzuwarten sei, wie sich das Projekt anlässt.

    Die besondere Herausforderung, die insbesondere der Viktoriasee bietet, ist den Verantwortlichen in Mwanza bewusst. Für Oktober 2018 ist, auch deshalb, in Mwanza die Auftaktveranstaltung für eine weltweit einzigartige Messe über Drohnen und Entwicklung geplant, die „Lake Victoria Challenge“. Die Messe soll nach Angaben der mitveranstaltenden Weltbank „eine jährlich stattfindende Ausstellung sein über die Fortschritte in der Luftfrachtlieferung mit Drohnen“.

    Umstrittenes Fünf-Sterne-Hotel

    Innovativ ist man in Mwanza jedoch nicht nur in der Luft. Mwanza im Januar 2018, das ist eine Stadt im Wandel. An vielen Stellen schießen neue Gebäude aus dem Boden, allen voran am Capri Point ein überdimensioniertes Fünf-Sterne-Hotel, dessen Sinn und Zweck sich noch beweisen muss.

    Von all den rasanten Veränderungen gänzlich unberührt thront in bester Lage auf einem Hügel mitten im Stadtzentrum das Gunzert-Haus, erbaut während der deutschen Kolonialzeit und benannt nach Theodor von Gunzert, der von 1907 bis 1916 Bezirksamtmann in Mwanza war. Bewacht von zahlreichen Massai ist es zwar vor Einbrechern geschützt, nicht jedoch vor dem stetigen Verfall.

    Museum über die Kolonialzeit

    Diesen Zustand ändern möchten die Verwaltungen von Würzburg und Mwanza, sowie die Tourismusfakultät der in Mwanza ansässigen St. Augustin Universität. Im Rahmen einer Kooperation planen sie die Erarbeitung eines Konzeptes, wie sich das Gunzert-Haus einerseits restaurieren und andererseits nachhaltig für den Tourismus nutzen ließe, erklärt Amin Abdallah, Projektkoordinator im Mwanza City Council für die Städtepartnerschaft mit Würzburg, beim Rundgang durch das historische Gebäude. Eine Eine Idee sei, so Abdallah, im Gunzert-Haus ein Museum über die Kolonialzeit zu errichten. Eeeee

    Visionen für 2018

    Als Projektkoordinator der Städtepartnerschaft hat sich Amin Abdallah für das Jahr 2018 noch viel mehr vorgenommen: Neben der Fortführung der Projekte im Rahmen der zwischen beiden Städten bestehenden Klimapartnerschaft möchte er ein Netzwerk etablieren, unter dessen Dach alle Programme vereint werden sollen, die zwischen Mwanza und Würzburg bestehen. Seine Vision für 2018 ist außerdem, „dass die Stadtverwaltungen von Mwanza und Würzburg beginnen, ein Austauschprogramm für die Mitarbeiter der Verwaltungen zu etablieren. Außerdem möchte er eine Kooperation zwischen den Handelskammern der beiden Städte herstellen. Dies sind Wünsche, die auch Würzburgs Oberbürgermeister Christian Schuchardt teilt, wie er 2016 in dem Film zum Jubiläum „50 Jahre Städtepartnerschaft Würzburg-Mwanza“ betont hat.

    Ramona Seitz

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