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    GEROLDSHAUSEN

    Nach 110 Jahren ist Schluss mit dem Familienbetrieb

    Berthold Heunisch zieht die Ladentür hinter sich zu und schließt ab, schweren Herzens, ein letztes Mal. 50 Jahre war er berufstätig, und jetzt ist nach 110 Jahren Schluss mit dem Familienbetrieb. Eigentlich ist das Geschäft aus Geroldshausen gar nicht wegzudenken, doch Berthold Heunisch muss, obwohl er es eigentlich gar nicht will, krankheitsbedingt aufhören. Aber irgendwie freut er sich doch auf seinen Ruhestand. Dann kann er seinen Hobbys - Fotografieren und vor allem dem Orgelspielen - frönen, denn schon seit vielen Jahren ist er nebenberuflich als Organist tätig.

    Sein Großvater Fritz Heunisch war Bäckermeister. Zusammen mit seiner Frau baute er 1907 im heutigen Birkenweg 5 in Geroldshausen ein Haus und eröffnete eine Bäckerei. Diese übernahm sein Sohn Karl Heunisch 1948, nachdem er aus der Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt war. Vier Jahre später heiratete Karl seine Erna. Zusammen haben sie das Geschäft erweitert. In den 1950er Jahren kam ein Anbau dazu, so dass die Ladengröße auf 30 Quadratmeter erweitert wurde. Und so gab es in Geroldshausen nicht nur eine Bäckerei, sondern es entstand ein „Kolonialwaren-Geschäft“. In diesem wurde alles angeboten, was auf dem Dorf benötigt wurde.

    Alles, was man zum täglichen Leben braucht

    1965 entschied sich das Ehepaar nochmals zu vergrößern. Sie bauten ein neues Haus in der Hauptstraße 30. Im Erdgeschoss entstand ein komplett neues Ladengeschäft mit 90 Quadratmetern. Die ursprünglich solide hölzerne Ladeneinrichtung wurde mitgenommen. Sie rahmt noch heute die Standardeinrichtung des Ladens an beiden Querseiten ein. Wenn man Backwaren kaufte, fühlte man sich mit den schönen Holzregalen in die alte Zeit zurückversetzt.

    Doch nicht nur die hervorragenden Backwaren zogen die Kunden an. Es gab wirklich alles, was die Menschen auf einem Dorf zum täglichen Leben brauchen. Frische Ware wie beispielsweise Obst und Gemüse, Wasch- und Putzmittel, aber auch Faden, Knöpfe und Reißverschlüsse, Trockengewürze, Suppen oder Soßen.

    Die gute Seele des Geschäfts

    Als Karl Heunisch 69 Jahre alt war, übergab er das Geschäft an Sohn Berthold. Er war der Älteste von drei Kindern und hatte bereits 1967 eine Bäckerlehre absolviert. Damit war er genau der Richtige, den Familienbetrieb weiterzuführen. Und es war tatsächlich ein Familienbetrieb, denn außer einer Ladenhilfe am Samstag, wurden die Kunden nur von den Familienmitgliedern bedient.

    Der Vater starb 1998, aber Mutter Erna war immer im Laden und half mit. Sie hielt bis zu ihrem 85. Lebensjahr durch. Danach hatte sie noch immer ihren Stammplatz am Fenster in der Küche, wo sie den Laden im Blick hatte und so bis zu ihrem Tod im April, mit 89 Jahren, immer auch ein Schwätzchen mit den Kunden halten konnte.

    Die Geroldshäuser liebten das Geschäft. Natürlich kauften sie auch anderswo ein, aber bei den Heunisch‘s gab es einfach fast alles. Und wenn man etwas vergessen hatte, wurde man meist fündig.

    Berthold Heunisch und seine zwei Geschwister haben sich lange bemüht, Nachfolger für das Geschäft zu finden. Doch es fand sich niemand, der das Geschäft in der jetzigen Form übernehmen wollte. Indes, sozusagen in letzter Minute ergab sich ein Lichtblick. Das Geschäft wird voraussichtlich in Form eines Dorfladens weitergehen. Bis der eröffnet, wird es allerdings noch etwas dauern.

    Uschi Merten

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