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    Würzburg

    Nach Radbeschluss: Geschäftsleute befürchten weniger Umsatz

    Das Fahrrad im Mittelpunkt. So wird es nach dem Stadtratsbeschluss in Zukunft in Würzburg aussehen. Foto: Patty Varasano

    Der Radbeschluss ist durch. Bereits in der vergangenen Woche hat der Stadtrat die Forderungen des Bündnisses "Verkehrswende jetzt" übernommen. Unter anderem steht dort geschrieben, dass der Radverkehr in der Stadt Priorität bekommt,"gegebenenfalls auch zu Lasten der Leistungsfähigkeit des Kfz-Verkehrs". Die Meinungen dazu waren geteilt. 

    Zu diesem Thema haben sich sowohl der Kreisverband Mainfranken-Rhön des Verkehrsclubs Deutschland (VCD), als auch die Industrie und Handelskammer Würzburg-Schweinfurt und der Handelsverband Unterfranken mit Pressemitteilungen geäußert. Außerdem hat diese Redaktion ausgewählte Geschäftsleute aus der Stadt nach ihrer Meinung zum Stadtrats-Beschluss befragt. Eine Mehrheit der Befragten, der nicht repräsentativen Umfrage, stimmt nicht mit der Entscheidung des Stadtrats überein.

    VCD und IHK sind nicht einer Meinung

    Der VCD dagegen begrüßt die Entscheidung, die der Stadtrat mit 38 zu 9 Stimmen getroffen hat. Laut VCD ist es eine große Chance für die Wirtschaft. "Gerade für die lokale Wirtschaft liegen in der Verkehrswende große Potentiale", so die Schatzmeisterin Eva-Maria Englert in der Pressemitteilung. Studien zufolge seien Radfahrer die umsatzstärkeren Kunden und die Umsätze stiegen, wenn die Alternativen zum Auto gefördert würden.

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    Ganz anders klingt das bei der Industrie und Handelskammer (IHK) Würzburg-Schweinfurt und der Außenstelle Unterfranken des Handelsverbands. Die beiden Verbände sprechen in einer gemeinsamen Pressemitteilung vom "Verkehrsinfarkt" der Stadt Würzburg. Durch den Beschluss werde ausschließlich der Auto-Verkehr belastet. Dies treffe besonders die innerstädtischen Händler.

    Mehr Park & Ride statt Einschränkungen im Autoverkehr

    "Unsere Kunden sind wertvoll. Es wäre schlimm, wenn sie sich nicht mehr willkommen fühlen", so Ralf Jahn, Hauptgeschäftsführer der IHK Würzburg-Schweinfurt. Stattdessen fordern die Wirtschaftsverbände den Ausbau von Park & Ride-Möglichkeiten. Bevor der Autoverkehr weiter beschränkt werde, müsse zunächst das Angebot für umweltfreundliche Mobilitätslösungen deutlich ausgeweitet werden, heißt es in der Pressemitteilung weiter.

    In die gleiche Kerbe schlägt auch Carl Schlier, Geschäftsführer des Modehauses Schlier in der Domstraße. "Ich sehe kein Entweder-oder. Es muss ein Nebeneinander möglich sein", so der Geschäftsmann, der sich selbst als hybriden Verkehrsteilnehmer, der alle Verkehrsmittel nutzt, beschreibt. Aus seiner Sicht gehe es nicht darum, mit Verboten Politik zu machen, sondern Angebote zu schaffen.

    "Nur weil nächstes Jahr Kommunalwahlen sind, darf nicht ein Verkehrsmittel bevorzugt werden."
    Carl Schlier, Geschäftsführer des Modehaus Schlier

    "Nur weil nächstes Jahr Kommunalwahlen sind, darf nicht ein Verkehrsmittel bevorzugt werden", so Schlier weiter. Es bringe überhaupt nichts, das Auto zu verteufeln. Einen weiteren Seitenhieb hat er für den Onlinehandel übrig. Denn seiner Meinung nach führt weniger Autoverkehr zur Stärkung der Internet-Versandhändler.

    Einen noch drastischeren inneren Konflikt lebt Wolfgang Luksch, Geschäftsführer des Kupsch-Markts in der Domstraße. "Als Privatperson unterstütze ich den Radbeschluss, aber als Unternehmer muss ich das leider ablehnen", so Luksch. Auch er fordert den Ausbau der Park & Ride-Anlagen am Rande der Stadt.

    Autofreier Samstag sorgt für Umsatzeinbruch

    Anders sieht das Steffen Jakel, der Geschäftsführer der beiden Veggie-Bros-Filialen in Würzburg. "Ich finde es gut. Wir haben auch die Unterschriftenlisten in unseren Läden ausgelegt", so Jakel. Schließlich verfolge sein Betrieb ein nachhaltiges Konzept. Selbst als Jakel vor zehn Jahren noch Student war, sei die Situation für Fahrradfahrer schon schlecht gewesen. Außerdem sehe man an vielen Großstädten, wie attraktiv die autofreien Innenstädte seien. "Das tut den Städten eher gut", so Jakel. 

    Mit dem autofreien Samstag der Initiative "Würzburg Autofrei" haben die drei unterschiedliche Erfahrungen gemacht. Während sich beim Supermarkt Kupsch und dem Modehaus Schlier der fehlende Autoverkehr auch deutlich negativ beim Umsatz bemerkbar machte, profitierte das vegetarische Schnellrestaurant mit Filialen in der Sanderstraße und an der Juliuspromenade sogar. "Ich denke wir haben da auch das passende Klientel", so Jakel. Auch während der Fridays-for-Future-Demos haben seine Filialen mehr Umsatz gemacht, als gewöhnlich. 

    Leser-Meinung ist gespalten

    Luksch hätte sich gefreut, wenn die Initiative ihn bei der Aktion mit ins Boot geholt hatte. Schlier berichtet: "Bei uns haben sich an diesem Samstag sogar Kunden beschwert." In einer Umfrage dieser Redaktion ist die Meinung ebenfalls sehr gespalten. 63 der 125 Leser, die teilnahmen, sprachen sich für die Entscheidung zugunsten des Radverkehrs aus. Auf der anderen Seite lehnten 62 Abstimmende die Entscheidung des Stadtrats ab. 

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