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    Würzburg

    Nach Radentscheid: Bündnis kritisiert die Stadt Würzburg

    Wie wird der Radentscheid umgesetzt? Würzburgs OB Schuchardt und Verkehrswende-Sprecherin Büchner beurteilen die Bemühungen der vergangenen vier Monate unterschiedlich.
    Würzburg soll fahrradfreundlicher werden. Um das zu erreichen, arbeitet die Stadt an mehreren Baustellen. Das Bündnis "Verkehrswende Jetzt" ist das nicht genug. Foto: Daniel Peter

    Etwas über vier Monate ist es her, dass der Stadtrat sich den Inhalt des vom Bündnis "Verkehrswende Jetzt" gestarteten Radentscheids zu eigen gemacht hat. Mit großer Mehrheit verpflichtete sich der Stadtrat, einen "attraktiven, leistungsfähigen und sicheren Radverkehr kontinuierlich und verkehrspolitisch vorrangig zu verfolgen und durch geeignete Maßnahmen bis zum Jahr 2025 weitestgehend umzusetzen". Da das Thema auch für die Kommunalwahl am 15. März eine wichtige Rolle spielt fragte die Redaktion jetzt nach, was sich seit dem Beschluss vom 26. September 2019 in Sachen Radverkehr getan hat.

    Erste Würzburger Radbrücke ist in der Aumühle angedacht

    In der Nürnberger Straße wird der Radverkehr von und nach Versbach und Lengfeld künftig deutlich schneller vorankommen. Denn der neue Radweg wird am Rand des Real-Parkplatzes vorbei führen und über eine neue Radbrücke über die Nürnberger Straße gehen. Beschlossen wurde das Ende vergangenen Jahres, die Planung läuft.

    Auch einige andere Einzelpunkte sind auf dem Weg: Drei neuen Fahrradstraßen sollen kommen. In der Burkarder Straße, im Heidingsfelder Bauernpfad und in der Münz- und Peterstraße haben Radfahrer künftig – wie seit vergangenem August bereits in der Büttnerstraße – Vorrang vor allen anderen Verkehrsteilnehmern. Eine 3,5 Meter breite Busspur, die auch Radfahrer nutzen können, kommt in der Ludwigstraße.  

    Geändert hat sich aufgrund des Radverkehrsentscheids die Planung für einen Schutzstreifen in der Gerberstraße auf der Radachse 6a. Statt wie ursprünglich geplant 1,50 Meter wird dieser jetzt 2,30 Meter breit. Dazu kommen Aufstellflächen in beide Richtungen an der Einmündung Pleichertorstraße.

    "Wir sehen nur vereinzelte Bemühungen der Stadt, um die schlechte Radinfrastruktur zu verbessern."
    Marie Büchner, Sprecherin des Verkehrswende-Bündnisses 

    Neben diesen kleinen Radverbesserungen geht es auch um größere Projekte. Zum Beispiel eine Alternative für die gefährliche Mainquerung über die Löwenbrücke. Ein konkreter Vorschlag, den Oberbürgermeister Christian Schuchardt und mehrere Stadtratsfraktionen unterstützen, ist eine neue Fußgänger- und Radbrücke neben der Löwenbrücke. Der OB favorisierte diese Variante im Frühjahr 2019. 50 000 Euro stehen im aktuellen Haushalt für eine Machbarkeitsstudie bereit. Berücksichtigt werden muss bei einer neuen Radwegführung in diesem Bereich auch der Anschluss der Brücke an den Knotenpunkt Mergentheimer Straße/Saalgasse/Leistenstraße. "Eine städtische Planung ist in Bearbeitung", nennt Rathaussprecher Georg Wagenbrenner den aktuellen Sachstand. Wann diese Pläne fertig sind, kann er nicht sagen.

    OB Schuchardt betont, dass der Autoverkehr flüssig fließen muss 

    "Der Grundsatzbeschluss zur vorrangigen Berücksichtigung der Belange des Radverkehrs hilft, die hohe Taktzahl für diese umweltfreundliche Mobilitätsform mindestens zu halten beziehungsweise zu erhöhen", sagt der OB zur Wirkung des Radentscheids. Gleichzeitig betont er, dass Mobilität ganzheitlich gedacht werden müsse: Auch die Belange "des ÖPNV, der Fußgänger und der Flüssigkeit des PKW-Verkehrs, letzteres gerade unter Umwelt- und Luftschadstoffgesichtspunkten" müssten weiterhin berücksichtigt werden, so Schuchardt.

    Und was sagen die Initiatoren des Radentscheids? "Wir sehen nur vereinzelte Bemühungen der Stadt, um die schlechte Radinfrastruktur zu verbessern", betont Marie Büchner, eine der Sprecherinnen des Verkehrswende-Bündnisses: "Ein ernsthaftes Bemühen, Würzburg im Sinne des Radentscheides konsequent radfreundlich zu gestalten, können wir bisher nicht erkennen."

    Weiterhin gibt es Planungen, die bereits vor dem Radentscheid fertig waren und zur Umsetzung anstehen – zum Beispiel die Hauptradachse 2 in der Zellerau mit ihren Angebotsstreifen auf der Fahrbahn der Frankfurter Straße, wurden bereits 2016 vom Stadtrat beschlossen. Diese entsprechen nicht den Vorgaben des Radentscheids. Denn dieser fordert, wenn möglich, 2,30 Meter breite und baulich getrennte Radwege. "Wir befinden uns in einer Übergangsphase. Bei Neuplanungen werden wir es so machen", erläuterte dazu Stadtbaurat Benjamin Schneider kürzlich bei einer Veranstaltung des Bürgervereins Zellerau.

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