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    Estenfeld

    Nach dem Brandstifter-Geständnis: Erleichterung in Estenfeld

    Die Festnahme eines 22-jährigen Mannes am Mittwoch setzte den Schlusspunkt unter eine Brandserie, die Estenfeld seit Februar in Atem gehalten hatte. Der junge Mann hatte gegenüber dem Ermittlungsrichter gestanden, alle fünf Brände gelegt zu haben, die sich zwischen dem 20. Februar und dem 3. April in Estenfeld ereignet hatten. Der Mann ist in Untersuchungshaft.

    Beim Brand in der Kartause Engelgarten am 20. Februar war der historische Gebäudeteil der Anlage schwer beschädigt worden. Nach dem Feuer in der Kartause brannte es bis Anfang April in Estenfeld vier weitere Male: Am 5. März wurde Feuer in einer Scheune gemeldet, am 22. März brannte ein Gartenhaus am Ortsrand, am 2. April ein Schuppen und schon einen Tag später abermals eine Gartenhütte. Die Brandserie hatte in Estenfeld für große Unruhe gesorgt.

    Die Aufregung dürfte sich nun legen, wenngleich Bürgermeisterin Rosi Schraud schon eher eine Rückkehr zur Gelassenheit festgestellt hat: "Nachdem es Anfang April mit den Bränden aufgehört hatte und es auch eine verstärkte Polizeipräsenz gab, hatten viele Bürger wieder ein gutes Gefühl." 

    Kommandant: Brände waren "außergewöhnliche Serie"

    Estenfelds Feuerwehrkommandant Konrad Hasch zeigte sich gegenüber dieser Redaktion erleichtert über die Festnahme und das Geständnis : "Das bestätigt die allgemeine Erkenntnis, dass alles irgendwann herauskommt." Die fünf Brände seien eine "außergewöhnliche Serie" gewesen: "Da war bald klar, dass das nicht normal sein kann."  Trotz der hohen Frequenz der Brände hätten die Aktiven der Estenfelder Wehr alle Einsätze mit großen Engagement und "ohne zu murren" bewältigt, so Hasch.

    "Das macht psychologisch den Deckel drauf."
    Feuerwehr-Kommandant Konrad Hasch über das Geständnis

    Die Männer und Frauen hätten hochprofessionell gearbeitet. "Es gab keinerlei Anzeichen von Ermüdung oder Lustlosigkeit - weil wir einfach gefordert waren. So etwas schweißt immer zusammen." Dennoch sei die Festnahme des 22-Jährigen ein wichtiges Signal: "Das macht psychologisch den Deckel drauf." 

    Kartausen-Dach ist teilweise eingestürzt

    Wenngleich der Auftakt-Brand in der Kartause am 20. Februar schnell gelöscht werden konnte, sind die Folgen des Feuers  noch nicht behoben. Das dürfte auch so schnell nicht geschehen, verdeutlichte Estenfelds Bürgermeisterin Rosi Schraud im Gespräch mit dieser Redaktion. "Leider hat es den historisch bedeutsamsten Teil der Kartause getroffen", sagt sie. Dort ist das Dach teilweise eingebrochen, der Estenfelder Andreas Förster, Inhaber der gleichnamigen Zimmerei, hatte es gesichert.

    Und immer noch darf dieser Teil der Kartause nicht betreten werden, weil der Fußboden im obersten Stockwerk zwar nicht akut einsturzgefährdet ist, "aber wenn er betreten wird, könnte er sofort einstürzen". Wie hoch der Schaden ist, lässt sich aufgrund des Alters der Bausubstanz "beim besten Willen nicht beziffern", sagt die Bürgermeisterin.

    Workshop soll künftiges Nutzungskonzept erarbeiten

    Um die Kartause hatte es noch kurz vor dem Brand eine teils emotionale Debatte gegeben. Nach einem 9:8-Mehrheitsbeschluss des Gemeinderates, in der Kartause das Rathaus von Estenfeld unterzubringen, hatten Bürger ein Bürgerbegehren initiiert. Noch vor dem daraus resultierenden Bürgerentscheid hatten SPD und UWG ihren gemeinsamen Antrag (Rathaus in die Kartause) zurückgezogen. Nun ist dem Gemeinderat und der Bürgermeisterin daran gelegen, die zukünftige Nutzung der Kartause voran zu bringen. Im Spätherbst startet mit einem Bürgerworkshop der Versuch, ein Konzept für die zukünftige Nutzung auf die Beine zu stellen.

    Seinerzeit hatte Michael Hauck, ehemaliger Dombaumeister von Köln und Passau,ein Konzept auf vier Säulen vorgestellt. Drei waren unumstritten: die gemeindliche Nutzung (Veranstaltungssaal), ergänzende und überörtliche Angebote (Konzerte, Theater, Biergarten) und Pflege einer überkommenen Gartenkultur (z. B. Zucht historischer Obst- und Gemüsesorten). Auch ein möglicher Verkaufsladen für regionale Produkte einzurichten, war auf große Ablehnung gestoßen. "Diese drei Säulen waren ja nicht strittig, vielmehr war man sich nicht einig, ob das Rathaus oder eine Fortbildungsstätte für das Handwerk dort unterkommen soll", so Schraud zum damaligen Streitthema.

    Bürger werden am Workshop beteiligt

    Nun also werden die Bürger mit ins Boot geholt, um über die Zukunft der Kartause und insbesondere der umstrittenen vierten Säule zu debattieren. Dass die Bürger nicht nur mitreden, sondern über die Nutzung mit entscheiden dürfen, das haben die Initiatoren des Bürgerbegehrens dem Gemeinderat abgerungen.

    Geleitet wird der Workshop von Thomas Wirth, Landschaftsarchitekt und einer von drei Geschäftsführern von arc.grün aus Kitzingen. Das Büro hat in Unterfranken schon viele Projekte begleitet.  Und in diesem Workshop "wird natürlich auch über die Zukunft der Mansardenscheune entschieden", sagt Bürgermeisterin Rosi Schraud. Der Termin für diesen Workshop wird rechtzeitig bekannt gegeben.

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